Retrozension | Stone Temple Pilots – Purple

Stone Temple Pilots - Purple

Und wieder einmal beginnt für mich das Kennenlernen einer Band nicht mit ihrem Debütalbum. Und das, obwohl ich damals von den Stone Temple Pilots beide Alben gleichzeitig zu hören bekam. Ein Freund lieh sie mir damals gleichzeitig, aber für das Erstlingswerk Core konnte Ich mich zunächst weniger begeistern als für das zweite Album Purple.

Die Band aus San Diego, CA, die sich zunächst Shirley Temple’s Pussy nannte – die Abkürtzung STP hatte es ihnen angetan – überraschte mich damals mit einem bis dahin für mich unbekannten Gemisch aus astreinem Grunge-/Alternative Rock mit leicht psychedelischen Einflüssen. Eine sehr erfrischende Mischung, wie ich finde.

Das Album enthält offiziell 11 Tracks, einer besser als der andere, die schon beim ersten Hören eine unglaubliche Energie freisetzen. Mit mehrmaligem Hören gewinnt das Album zudem an Tiefe und Komplexität, ohne dabei auf die Nerven zu gehen. Erschienen ist der Longplayer damals im Frühjahr 1994, also etwa zusammen mit Nirvanas In Utero, Green Days Dookie, Soundgardens Superunknown und, und, und, … Man kann diese Zeit wohl als die Hoch-Zeit des 90er Rocks bezeichnen – da wird man fast etwas sentimental.

Purple reiht sich in die Megaalben dieser Zeit nahtlos ein – und dann auch wieder nicht. Im Vergleich zu anderen Grungebands unterschieden sich STP auf Purple deutlich durch ihren Klang: die Gitarren verzerrt und dabei irgendwie doch sehr drahtig, fast schon synthetisch. Die Musik kommt absolut entspannt rüber. Selbst die härteren Songs erscheinen absolut “laid back” wie man so schön sagt.

Gehen wir das Ganze doch mal Schritt für Schritt durch: Der Opener Meat Plow gehört eher zu den rockigeren Stücken auf der Platte. Er erinnert noch stark an die Songs des Vorgängeralbums, hat aber schon den Purple-Sound übergestülpt bekommen. Ebenso zur härteren Fraktion gehören Vasoline (eine der Singles) und Lounge Fly. Der Interstate Love Song (auch ‘ne Single) zeigt die Stone Temple Pilots dann von ihrer radiotauglichen Seite. Das ist dennoch absolut positiv gemeint. Still Remains gehört meiner Meinung nach eher zu den schwächeren Songs des Albums, hat aber trotzdem seine guten Seiten. Das folgende Pretty Penny setzt mit seinem sehr ruhigen Grundtenor einen Gegenpol zu den rockigeren Stücken. Silvergun Superman gehört dann wieder zur rockigen Fraktion und ist eines der Highlights auf dem Album: rockige Strophe, eingängiger Refrain, viel Gitarre, coole Bass und Drum Sektion. Absolutes Gegenteil – den Sound betreffend – bildet Big Empty, ein Stück, das für mich fast schon in eine verrauchte Jazzkneipe gehört. Danach wird mit “Ungived” wieder gerockt was die Boxen halten. Army Ants startet mit Flanger-Gitarren, nur um dann ebenfalls in brachialer Weise loszurocken. Als abschließenden Ruhepool gönnen die Pilots uns dann noch das relaxte Kitchenware & Candybars. Wobei Abschluss nicht ganz der Warheit entspricht – die Unsitte des Hidden Tracks greift wieder um sich: 12 Gracious Melodies beswingt uns zum wirklichen Abschluss noch mit den Qualitäten des eben gehörten Albums. Witzig ist das schon, nötig aber nicht unbedingt.

Purple ist insgesamt grandios: absolut amerikanischer Rock der besten Sorte, einfallsreich, einzigartig (bis dahin zumindest). Der richtige Soundtrack für einen Roadtrip über endlose Highways. Auch heute noch.

Meine Meinung:

Rating 5 star

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