Seen Live | Portugal. The Man – Café Central, Weinheim, 2009-07-24

Das Album kam vor einer Woche, gestern kam die Band. Nach Weinheim an der Bergstraße, um genau zu sein. Tags davor gaben Sie sich noch in Saarbrücken ein Stelldichein, die nächsten Termine werden in den USA stattfinden. Die Rede ist natürlich von Portugal. The Man, die es sich nehmen ließen, ihr neues Album nicht nur an der Heimatfront, sondern eben auch in Deutschland zeitnah zu präsentieren. Eine ziemlich große Geste an die deutschen Fans, wie ich finde.

Fangen wir aber von Vorne an: Auffallend auf meinem mittlerweile vierten Besuch bei P.TM war, dass der Publikumsraum von Mal zu Mal voller wird. Die Band schafft sich durch hartes Arbeiten und viel Touren offenbar eine wachsende Fanbase, sehr erfreulich.

Die Eröffnung des Abends oblag der Krefelder Band Oh’ Napoleon. Die machten mit ihrem sehr soften aber eindrucksvollen Pop-Rock und der glasklaren und sehr guten Stimme von Frontfrau Katrin Biniasch einen hervorragenden Job. Ich bin sicher, dass die Band noch ihren Weg finden wird. Ein bißchen fehlt vielleicht noch das Selbstbewusstsein auf der Bühne, aber das störte kaum.

Nach kurzer Umbaupause (die Band baut immer noch selbst) kamen dann Portugal. The Man auf die Bühne und eröffneten wie immer furios diesmal mit dem Song mit Church Mouth. Da gab es dann auch kein Halten mehr. Nicht das sonst oft so übliche Einstimmen zwischen Band und Publikum. Die Verbindung war sofort da und hielt auch den gesamten Abend über. Gespielt wurden Songs aus allen vier Alben, dabei machten sich Portugal. The Man mal wieder die Mühe, nicht bloß Song nach Song zu spielen, sondern es wurde wieder fleißig varriert, verwoben, verfremdet und gerockt, wie ich sonst keine Band je habe rocken sehen. Besonders eindrucksvoll immer wieder Bassist  Zach Carothers, der immer mal wieder seinen Bass herumreißt, als wollte er damit jemandem die Rübe abhacken.

Der Sound war gelegentlich etwas matschig (Chicago), aber das ist typisch Portugal. The Man, die immer mal wieder die Anlage überlasten mit heftigsten Rockattacken. Das gute daran ist, dass das das Publikum überhaupt nicht störte. Denn so schön bekommt man den Alltag sonst nirgends aus der Birne geblasen. Insbesondere bei den neuen Songs wurde aber klar, dass der Klangmatsch bei anderen Songs durchaus Absicht war. Denn hier klangen Portugal. The Man wieder glasklar und boten die Songs mit einer Hingabe hin, die die Qualität des Albums noch übertrifft. Einfach genial.

Die Songauswahl war hervorragend. Gespielt wurden aus allen Alben die vielleicht besten Songs und so dürfte kaum ein heimlicher Songwunsch unerfüllt geblieben sein. Einziger Wehmutstropfen: Zum ersten Mal, seit ich bei Portugal. The Man war gab es kein The Devil. Schade. Kurzum: Es war ein genialer Abend mit genialer Musik und einem abschließenden, wohlverdienten Tinitus. Portugal. The Man haben sich mal wieder selbst übertroffen und zementierten ihren Ruf als die derzeit beste Liveband. Sie überzeugen mit Hingabe, mit Spielfreude, mit Kreativität und mit fantastischen Songs.

Weitere Konzerte in Europa:

25. Juli | Alterswil, Schweiz

31. Juli | Cordoaria, Portugal

01. August | Elend bei Sorge (klasse Stadtname 😉 ) zu Rocken am Brocken, Deutschland

Ansonsten kann man sich hier vortrefflich informieren:
http://portugaltheman.net/content/tourdates/

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