Seen Live | Mugison – Hafenklang/Hamburg – 08/12/2008

Was war das für eine Aktion: über 600 km Anreise um einen Künstler bewundern zu können, den momentan leider immer noch kaum Jemand überhaupt kennt. Dabei hätte Mugison es längst verdient auch hierzulande vor mehr als 50 Leuten aufzuspielen.

Aber mal der Reihe nach; im Dienste des Popkillers machte ich mich am Wochenende auf die Weite Reise in die Hansestadt Hamburg, um einen sehr denkwürdigen Abend im ebenfalls sehr denkwürdigen Hafenklang zu erleben.

Die Eröffnung des Abend besorgte Peter Broderick, ein Musiker aus Dänemark, der versuchte alleine das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Nun, die Wahrheit ist leider, dass es beim Versuch blieb. Um Klangdichte zu erzielen bediente sich Herr Broderick immer und immer wieder live eingespielter Samples. Das mag mal ganz nett sein, aber nur so zu musizieren wird schnell eintönig. Darüber hinaus konnten die Kompositionen auch an sich nicht überzeugen. Nach dem Konzert erzählte er überdies noch munter beim CD-Verkauf, dass das aktuelle Album in nur einer Woche geschrieben worden war und sogar in nur einer Stunde aufgenommen war. Hingabe und ernsthaftes Arbeiten an Songs sieht meiner Meinung nach anders aus.

Nach der enttäuschenden Eröffnung betrat dann Mugison mit seinen zwei Mitstreitern die Bühne. Mit (Akustik-)Gitarre, Bass und Schlagzeug bewaffnet brauchte es dann auch keinen ganzen Song, um endlich Stimmung aufkommen zu lassen. Dabei war der Sound aufgrund der sehr rudimentären Besetzung wesentlich roher als auf dem aktuellen Album Mugiboogie. Die Songs dieses Longplayers stellten auch den wesentlichen Teil des Abend, aber auch Stücke der beiden Vorgängeralben wurden wiedergegeben.

Alles in allem überzeugte Mugison so auf mehr als nur eine Weise. Musikalisch war der Auftritt topp, aber auch unglaublich unterhaltsam. Der Schlagzeuger war dermaßen aktiv, dass man mehr als einmal einfach nur über so viel Charme lachen musste. Mugison zeigte in seinen Ansagen eine ordentliche Portion Selbstironie und einen feinen Sinn für Humor, so war der Abend auch schon deshalb ein echter Knaller. Was mich aber mit am meisten berührte, war die unglaubliche Stimmgewalt des sympathsichen Isländers. Mehr als einmal fühlte ich mich an Kurt Cobain erinnert, aber auch immer mal wieder an die Intensität eines Jimmi Hendrix.

Ich bin wirklich froh, dass ich in diesem Jahr noch die Gelegenheit hatte, Mugison mal live zu sehen. Schade, dass der Mann, der in den USA schon für die Queens of the Stone Age supporten durfte hier nur in so kleinem Rahmen auftreten kann, andererseits aber auch schön so hautnah dran sein zu können. Für mich ist Mugison einer der kreativsten Köpfe, die die Alternative Rock Szene derzeit aufbringen kann.

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