Retrozension | Therapy? – Troublegum

Therapy? - Troublegum

Aus dem fernen Jahre 1994, also 13 Jahre alt, ist ein Album, dass einen so dermaßen mit Energie volltanken kann, dass die Erfindung von Starkstrom fast lächerlich dagegen wirkt. Therapy? (Fragezeichen gehört zum Namen) stammen aus Nordirland und machen auch heute noch fleißig Musik, die irgendwie wohl dem Punk zuzuordnen ist, aber davor scheue ich mich mal wieder. Seit 1991 haben die drei Mannen aus dem Norden der grünen Insel satte 13 Alben verewigt, das 14. ist bereits für dieses Jahr angedacht. Da können sich andere Bands was Produktivität betrifft vermutlich eine dicke Scheibe von abschneiden.

Mich hat Troublegum beim ersten Hören bereits voll gefesselt. Eigentlich war die Musik zu der Zeit, als ich ihr das erste Mal begegnete viel zu ‘hart’ für mich. Der Gitarrensound wirkt häufig sehr stark vom Metal beeinflußt. Die Songs sind kurz, ein bißchen düster, krachen ordentlich und legen auf dem gesamten Album ein Tempo vor, dass man schon vom Zuhören außer Atem zu kommen glaubt. Dabei ist das ganze Album dermaßen aus einem Guss, das es mir Anfangs durchaus schwer viel, auf Anhieb den Song zu nennen, der mir jeweils gerade im Kopf rumging.

Das soll aber nicht heißen, dass sich die einzelnen Songs nicht ausreichend voneinander unterscheiden. Die Sache ist bloß, dass man den Eindruck hat, die Band hatte irgendwann einen wirklich guten Tag und hat halt eben mal so 14 Songs geschrieben und eingespielt. So gut passt alles zusammen, dass es eine Sünde wäre nur einzelne Stücke daraus zu hören.

Schauen wir einmal ein bißchen näher auf die Tracklist von Troublegum. Der Opener Knives beginnt mit einem psychopathisch ins Mikro gehauchten Vers, nur um dann brachial zu zeigen, was musikalisch bevorsteht. Screamager folgt ohne eine Verschnaufpause einzuräumen, klare Songstruktur, Strophe, Bridge, Refrain – weiter. Hellbelly schließt da an, wo der Vorgänger aufgehört hat, treibender Rythmus, eingängige Riffs, Horrorfilmgesangstrophe, schicker Refrain – wieder weiter. Scheinbar etwas entspannter beginnt Stop it You’re killing me. Scheinbar! Dabei ist der Song klar eines der Highlights auf der Scheibe. Eine wirklich gute Melodie, ein wirklich catchiges Riff. Nach etwas weniger als vier Minuten ist aber auch schon wieder vorbei – weiter. Nowhere erinnnert fast schon ein bißchen an einen sehr schnellen Alarmton, ist dabei aber auch wieder wirklich gut – weiter. DAS Highlight des Albums – Die Laughing. Diesmal geht es wirklich etwas entspannter zu – im Verhältnis. Der Song hat wirklich Klasse, ist in weiten Teilen klar zweistimmig und hat das wohl schrägste Gitarrensolo, dass ich bis dahin gehört hatte. nach nur 2:48 gehts dann aber auch wieder weiter. UnbelieverTrigger InsideLunacy Booth (eine kleine Pause) –  IsolationTurnFemtexUnrequitedBrainsaw. Fertig. In einem Affenzahn ist das Album vorbei, etwas über 45 Minuten durchgängiges Geknüppel, wobei der Begriff ganz klar auf eine falsche Fährte lockt. Kein Song über 4 Minuten.

Vorbei ist es aber nocht nicht ganz. Zum Ausklang gibt es noch eine kleine Darbietung von … you are my sunshine; my only sunshine … in Grammophonakustik mit Plattensprung. Als Chillout – aber natürlich nur ganz kurz.

Troublegum ist vermutlich genau die Platte, die Eltern aus der Fassung bringen kann. Wer nicht offen für die Musik ist wird nur Krach hören, und das kann man selbst als Liebhaber der Platte nicht leugnen. Für mich war die Platte immer eine Art Hurricane – oder besser noch, ein Tornado – heftig, aber schnell vorbei. Wenn man sich dann nach einem langen Tag noch dazu die Gitarre umschnallt und mitschrummeln, machts gleich doppelt Spaß und ist dabei besser als jede Aggressionstherapie – Therapy? eben!

Klare Wertung!

Similar Posts: