Retrozension | The Smashing Pumpkins – Mellon Collie And The Infinite Sadness

The Smashing Pumpkins - Mellon Collie and the Infinite SadnessMit ihrem Megaseller-Doppelalbum Mellon Collie and the Infinite Sadness versüßten The Smashing Pumpkins mir einen ganzen Sommer meines Lebens. Das klingt jetzt hochtrabend romantisierend und ist es wahrscheinlich auch. Ganz unwahr ist es dennoch nicht.

Meine erste Begegnung mit TSP sowohl als auch dem Album fand im Frühjahr 1996 statt und hätte besser nicht sein können. Ein Wochenende mit einer Jugendorganisation, Nachts im Freien rücklings auf einer Wiese liegend, ganz leichter Regen, etwas wehmütige Stimmung und aus einem Ghettoblaster (welch unpassendes Wort) tönt sanft aber nicht leise 1979. Sowas vergisst man nicht.

Das Album der Smashing Pumpkins ist im Grunde das wohl genialste Doppelalbum zwischen Pink Floyds The Wall und In Your Honor von den Foo Fighters. Musikalisch eher mit keinem von beiden verwandt, aber qualitativ für mich auf einer Stufe. Ganze 28 Songs feinster Güte brachten die Kürbisse 1995 heraus. Ordentlich getrennt auf zwei CDs mit jeweils 14 Songs, die erste davon mit dem Titel Dawn to Dusk, die zweite als Twilight to Starlight betitelt.

Dawn to Dusk –
Die freundlichere der beiden CDs. Irgendwie mit mehr Hoffnung zwischen den Zeilen, positiver. Der Opener mit selbem Titel wie das Album, ein Stück mehr oder weniger nur aus Klavier, lockt einen zunächst auf eine falsche Fährte. Das folgende Tonight, Tonight beginnt auch noch relativ orchestral und kann bereits unglaublich fesseln. Danach rockt es konsequent und kompromisslos. Besonders hörenswert: Zero, Bullet With Butterfly Wings, An Ode To No One und das epische, 9 Minuten und 21 Sekunden lange, Porcelina Of The Vast Oceans. Das schöne ist, dass die Songs auf Dawn To Dusk allesamt sehr gut zusammenpassen. Kein Song fällt aus der Grundstimmung heraus, alle Tracks sind einheitlich gut produziert.

Twilight to Starlight –
Der zweite Teil des Doppelalbums kommt ungleich düsterer daher als der erste. Die Songs sind deutlich depressiv gestimmt (obwohl auch Dawn to Dusk einen gewissen melancholischen Tenor nicht vermissen lässt). Insgesamt rockt diese zweite CD nicht unbedingt mehr, aber härter . Im Gegenzug sind auch die ruhigeren Songs hier zu finden. Mit Tales Of A Scorched Earth fällt dann auch ein Song irgendwie aus dem Produktionskonzept heraus. Für mich war die zweite Hälfte des Doppelalbums dennoch immer die bessere. Die Stimmung ist nochmal dichter und im Grunde sind einzelne Songs besser. Meine Lieblinge hier: Where Boys Fear To Tread, Thirty-Three, 1979, Thru The Eyes Of Ruby, Lily (My One And Only) und By Starlight.

Insgesamt ist Mellon Collie And The Infinite Sadness eines der wichtigsten Alben der 90er Jahre. Und das schlug sich auch völlig zu Recht in kommerziellen Erfolg um: weltweit verkaufte sich das Album über 16 Millionen mal. Wer hier noch nicht reingehört hat, hat in jedem Fall etwas verpasst. Kritikpunkte gibts im Grunde keine. Ein echtes Stück Alternative-Rock Geschichte, das mich das ganze Jahr 1996 über begleitete.

So kanns gehen: Ein tadelloses Album

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