Retrozension | Supertramp – Crime of the Century

Supertramp - Crime of the Century

Zur Platte Crime of the Century habe ich ein ganz besonderes Verhältnis. Nicht nur, dass ich das Album noch per Schallplatte kennen gelernt hatte. Das Album dürfte vermutlich das erste Rock-Album sein, dass ich von vorne bis hinten gehört habe. Ansonsten erscheint mir Supertramp doch eher ein Exot zu sein zwischen den restlichen Alben in meiner Sammlung.

Dennoch liebe ich selbst gerade dieses Album der Band aus England. Die Kombination aus Rockmusik mit Blues-Elementen und klassischen Einflüssen, gepaart mit dem unglaublichen Sound des Wurlitzer Klaviers, Klarinetten und Streichern lässt eine Klangkulisse entstehen, die den geneigten Hörer fesselt und verzaubert. So müssen Konzeptalben klingen.

Erschienen war das Album bereits im September 1974, also grob geschätzt sechseinhalb Jahre, bevor ich überhaupt geboren wurde. Mit 8 Songs und etwas mehr als 43 Minuten Spielzeit gehört es nicht unbedingt zu den umfangreichsten Werken, aber musikalisch wird einiges geboten:

Schon der Opener School ist grandios. Viel zu selten hört man heutzutage so sauber durcharrangierte Songs in der Rockwelt. Bloody Well Right zeigt sich erstaunlich rockig. Mit einer sehr breiten Gesamtklangkulisse und dem kraftvoll vorgebrachten Gesang gehört dieser Song für mich zu den beeindruckensten Rocksongs vor 1990. Der dritte Song ist Hide In Your Shell. Wenn ich mich recht erinnere, war das der erste Song, zu dem ich den Text auswendig mitsingen konnte, ohne jedoch auch nur ein Wort davon zu verstehen. Lange war er mein absolutes Lieblingslied. Nächstes Stück der Platte ist dann Asylum. Auch hier kommt wieder die beeindruckende Soundkomposition zum Zuge. Supertramp verstehen es einfach, die Dynamik eines Songs zu gestalten. Trotz des starken hangs zu Progressive Rock bleibt auch dieser Song sehr gut hörbar. Weiter gehts dann mit der Hitsingle Dreamer, die wohl mehr oder weniger bekannt sein dürfte. Der Titel hielt sich bis zuletzt in den Setlists der Band und beinhaltet wohl einen der bekanntesten Klavierparts der Rockgeschichte. Besonderheit dieses Songs ist außerdem, dass er in der Rythmusabteilung nur sehr wenig auf Drums gespielt wurde. Stattdessen klopften Supertramp alles zusammen, was nicht niet- und nagelfest war. Heraus kamen für die damalige Zeit sehr ungewohnte Klänge. Heute bekommt man sowas mit einem Synthesizer hin und keinem fällt es mehr als Außergewöhnlich auf. So ändern sich die Hörgewohnheiten über die Jahre.

Im Anschluss dann Rudy, ebenfals eine Single des Albums. Rudy lässt sich nur als Epos bezeichnen. Mit über 7 MinutenLänge ist es der längste Track des Albums und nimmt einen über die ganze Zeit auf eine musikalische Reise mit. Experimentiert wird mit verschiedensten Klängen und Stilen. Von rockig (sehr 70ies-lastig aber grandios) bis klassisch. Vielleicht das Highlight auf der Platte. Gefolgt wird dieser Song vom sehr leidenschaftlichen If Everyone Was Listening. Mit 4:04 Minuten der kürzetste Song auf Crime of the Century. Den Abschluss macht dann noch der Song Crime of the Century. Ebenfalls ein episch angelegter Song, der die Gesamtstimmung des Albums nochmals kanalisiert und als Schlusspunkt zusammenfasst.

Das Album ist definitiv eines der beeindruckensten Stücke Musik die mich je fasziniert haben. Man kann es nicht immer und überall hören. Man sollte lieber nichts nebenher tun sondern sich voll und ganz aufs Zuhören konzentrieren. Dann entfaltet sich eine Klangkulisse, die so raffiniert arrangiert wurde, dass man einfach begeistert sein muss.
Wers noch nicht kennt, sollte mal reinhören.

Similar Posts: