Retrozension | Soundgarden – Louder than Love

Louder than Love ist das zweite Studioalbum von Soundgarden. Release war 1989, also schon bevor ich mich überhaupt ernsthaft mit Musik beschäftigte. Um es erst mal kurz zu machen: das Album machte Soundgarden sicher nicht berühmt, dürfte aber in der Szene schon deutlich zur Festigung des Rufs der Band beigetragen haben.

Umso interessanter ist es natürlich das Album nach Bekanntwerden der Band zu erleben. Denn trotz aller Unterschiede bietet Louder Than Love schon viele Ansätze und Sounds, die auch später bei Soundgarden zu finden sind.

Opener ist der über 5-minütige Song Ugly Truth. Eine Midtempo-Nummer, die insbesondere klanglich stark an das spätere Down on the Upside zu erinnern weiß. Markant auch die Stimme von Chris Cornell, die leider nur ein wenig zu viel in Sphären verweilt, in denen auch Mister Cornell nicht wirklich entspannt sind. Letzteres zieht sich auch durch das schon rockigere Hands all Over. Hier werden Songstrukturen und Riffs aufgefahren, die zweifelsohne dem Grunge zuzuordnen sind. Das hat noch nicht die Qualität späterer Alben, macht aber nach einer Kennenlernphase schon unheimlich viel Spaß. Playtime hier sind übrigens ganze sechs Minuten! Gun stampft dann mit schwerem Rythmus und ebenso schweren Riffs für meinen Geschmack etwas zu nah an Hardrockgefilden vorbei. Dazu ein Accelerando, das mir zumindest nicht gefällt. Ansonsten ist der Song sicher nicht schlecht, aber mein Fall eben nicht. Soll vorkommen.

Power Trip tut erst mal weh. Und das meine ich. Quikige Gitarren, schriller Gesang, aber nur in den ersten Takten, dann schafft es Chris Cornell endlich mal seine Stimmlage zwei Stockwerke nach unten zu verlegen und entspannt und betont zu singen. Das ganze in einer mittelschnellen Nummer, die sich dynamisch sehr schön steigert und dabei wunderbar unaufdringlich bleibt. Eines meiner persönlichen Highlights der Platte. Get on the Snake gehört dann wieder mehr zu den Hardrocknahen Nummern. Bemerkenswert ist hier wieder die klangliche Nähe zu Down on the Upside. Auch schön zu bemerken sind die Spielereien mit dem Taktmaß. Gerade diese Spielereien heben Soundgarden ja doch von den meisten Seattle-Bands ab. Full on Kevin’s Mom ist textlich, naja ich schätze sowas nennt man Jugendsünde. Ansonsten Highspeed-Rock mit highpitch Voice und coolem Bridge-Riff. Auch hier lassen sich in den Sounds wieder einige Parallelen zu DOTU ziehen. Ich denke da besonders an Rhinosaur.

Loud Love darf sich wohl sowas wie Titel-Track nennen. Zur Einleitung gibts violinenhafte Gitarrenklänge (na, wenn das mal kein Widerspruch ist?). Dann darf sich ein wunderbares Riff etablieren und da steckt wirklich Kraft dahinter. Hier passt auch die Produktion ziemlich gut. Gitarren sind gedoppelt und schaffen Druck wo Druck hingehört. Klangliche Parallelen ziehe ich diesmal besonders zu Superunknown (dem Album, nicht dem Song) und da insbesondere Limo Wreck. Wirklich toll! Das Highlight des Albums. I Awake ist dann wieder etwas zum reinhören. Der Song wächst mit der Zeit, erinnert ein wenig an Nirvana auf Bleach, klingt dabei aber unverkennbar nach Soundgarden. No wrong no Right folgt auf dem Fuße und bringt ehrlich gesagt wenig Neues, ist dabei aber eine spannende Klanglandschaft mit Ähnlichkeiten zu Alice in Chains, aber sehr dezent. Auch dieser Song macht wieder Spaß und ist unverkennbar ein Kind des Grunge.

Uncovered überrascht dann schon im Intro, weil sich der Song durch seine klangliche Vielseitigkeit deutlich von den anderen abhebt, dabei sehr stark wieder an Superunknown zu erinnern weiß (wohlgemerkt Jahre vor Veröffentlichung des Megasellers) und auch sonst sehr stimmig ist. Für mich wieder eines der Highlights des Longplayers. Big Dumb Sex schwankt stimmungstechnisch um in fröhlichere Gefilde. Ein knackiger Song zum abrocken mit unnötiger aber nicht störender Zweistimmigkeit (erleichtert das mitgrölen) und geradezu obligatorischer Verwendung des Wortes Fuck. Rock muss halt auch immer ein Stück weit rebellisch sein – und eine Jugendsünde kommt auch selten allein. Zum Abschluss des Albums gibts dann ein Reprise auf Kev’s Mom. Full On (Reprise) sollte nicht unbedingt als Song gewertet werden und versucht nur das Album nach hinten abzurunden. Das wäre an sich nicht nötig gewesen, da die Scheibe für sich eine ziemlich runde Sache ist, und das meine ich nicht nur auf den Wortwitz bezogen. Dennoch ist Reprise auch ein sehr angenehmer Abspann, der zum Entspannen taugt und als Rausschmeiser sicher gute Dienste leistet.

Louder than Love ist alles in allem ein beachtliches Album, das zwar auch nach dem Erfolg von Superunknown eher unbemerkt blieb, aber ziemlich viel Gutes erkennen lässt. Zugegeben, das Album muss durch mehrmaliges Hören wachsen. Die Sounds sind doch noch sehr stark an Klänge des Hardcore angelehnt und das sagt nicht jedem zu. Wer dem Album aber die nötige Zeit widmet, wird sich freuen ein bißchen mehr von Soundgarden zu kennen und mit Sicherheit hin und wieder mal reinhören.

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