Retrozension | Soundgarden – Badmotorfinger

Man spricht ja immer gerne mal von der so genannten “guten alten Zeit”. Beim Hören von Soundgardens Badmotorfinger in den letzten Tagen muss ich sagen, dass es Momente gibt, in denen die Aussage “früher war alles besser” durchaus ihren Reiz hat. Nehmen wir zum Beispiel, vor allem weil es zum Thema passt, doch mal Chris Cornell. Ohne Zweifel der Mann mit der besten Stimme aller Bands, die jemals aus dem Untergrund in Seattle emporgekommen sind, hat Chris Cornell in den letzten Jahren mit viel Nachdruck daran gearbeitet, sich selbst zu demontieren.

Erinnern wir uns an das mittlerweile vorletzte Soloalbum Carry On, auf dem Chris katastrophal-nicht-nachvollziehbare Songs präsentierte und sich gleichzeitig in der Presse als in einer Hochphase befindlich beschrieb. Vom letzten Machwerk will ich gar nicht sprechen, das hat schon gar nicht mehr den Weg in mein CD-Regal gefunden. Wer Songschnipsel aus dem Internet kennt dürfte wissen warum.

In der guten alten Zeit war das alles noch besser. Da war Chris Cornell Frontmann einer Band namens Soundgarden und schuf wirklich verdammt gute Musik, die sich zwar im Grunge-Gewimmel nach oben ziehen lies, aber dennoch immer deutlich anders war als das, was die Kollegen von Nirvana, Pearl Jam, Alice in Chains und Co. so von sich gaben. Badmotorfinger sollte hier den ersten Erfolg der Band über die lokale Szene hinaus begründen. Das Album ist recht hart geraten und biete mehrere wirklich gelungene Stücke, die mit Fug und Recht zu den Highlights des Grunge gehören.

Ich denke da im Speziellen an den Opener Rusty Cage, an Jesus Christ Pose und natürlich auch an Searching with my good Eye closed. Aber auch Holy Water, Drawing Flies oder auch Outshined und New Damage spiegeln heute auf so wunderbar eindrucksvolle Weise genau den musikalischen Zeitgeist der Hochphase des Seattle Rocks wieder, dass man schon gar nicht anders kann, als die Platte einfach zu mögen. Dabei muss ich gestehen, dass ich die Scheibe erst nach Auflösung der Band in die Finger kam. Ein Leidensgenosse bei der Bundeswehr schenkte sie mir nachdem er mitbekam, dass ich Soundgarden mochte und er die Platte nach eigener Aussage eh nie hörte. So was Nettes. Danke nochmal. Aus heutiger Sicht ist besonders schön zu beobachten, wie sich die Band nach Louder Than Love mit Badmotorfinger doch klanglich schon eindeutig in Richtung des Nachfolgewerks Superunkown bewegte. So eine schöne lineare Entwicklung sieht man selten bei den meisten Bands.

Man merkt schon, einen Song-to-Song Durchlauf spare ich mir auch bei dieser Rezension. Dennoch darf ich die Platte wärmstens empfehlen. Wer sie hat sollte mal wieder reinhören, wer sie noch nicht kennt, sollte sie kennenlernen, denn “solche Qualität gibts heute gar nicht mehr”. Stimmt zwar glücklicherweise nicht, passt aber so schön in die literarische Rahmengestaltung meines Posts.

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