Retrozension | Silverchair – Neon Ballroom

1999 erschien mit Neon Ballroom das erste letzte Album der australischen Band Silverchair. Zwar sind mittlerweile zwei neue Alben veröffentlicht worden, aber die Band selbst distanziert sich offenbar zunehmend von ihrer frühen Schaffensphase, die mit Neon Ballroom ihren Abschluss fand.

Das irritierende für mich war dabei immer, dass Neon Ballroom ein wirklich grundsolides und ausgereiftes Werk ist, dass für Silverchair eigentlich den Weg nach ganz oben hätte sichern können. Die Songs diese dritten Albums haben eine vergleichbare Kraft wie die Songs von Frogstomp und dazu die emotionale Tiefe von Freak Show. Dabei schafft es das Album deutlich erwachsener zu klingen als alles was die drei Australier bis dahin geschaffen haben. Das mag mit Sicherheit auch an der Schützenhilfe von ein paar Gastmusikern und -Komponisten gelegen haben, die den Songs den letzten Schliff verpasst hatten. Zu erwähnen seien hier besonders der Pianist David Helfgott sowie der Produzent Kevin Shirley.

Leider hat das Album auch einen eindeutigen Tiefpunkt: Die Anthem for the Year 2000 war ein so wiederlich auf die Millenium-Mania ausgelegtes Stück, dass einem dabei fast das Verspeiste wieder … naja, vertiefen wir das lieber nicht. Das erfreuliche ist ja, dass das Album insgesamt eher von den guten Momenten leben kann. Und hierfür finden sich deutlich mehr Beispiele, denn Neon Ballroom ist so mutig wie kein Silverchair Album zuvor. Emotion Sickness wird unter anderem dank des Einsatzes von David Helfgott zu einem geradzu avantgardistischen Meisterwerk. Spawn again geht dagegen ganz andere Wege und rockt im Grenzbereich zwischen Grunge, Punk und Metal. Ansonsten gibt es unzählige balladeske Nummern, mal mehr, mal weniger rockig ausgelegt und viele schöne Einfälle.

Dennoch hatte es zum großen Erfolg leider nicht gereicht. Neon Ballroom wurde Opfer einer Zeit, in der Alternative Rock als ziemlich tot galt. Mit dem Ende der Neunziger sahen viele Leute auch die Alternative-Szene am Ende und man kann nicht leugnen, dass Neon Ballroom mit Sicherheit keinen Beitrag zur Zukunftsentwicklung der Rockmusik beigetragen hatte. Das soll aber nicht überschatten, dass das Album trotz aller Widrigkeiten ein wirklich spannendes und auch heute noch interessantes Stück australische Rock-Geschichte geworden ist.

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