Retrozension | Silverchair – Freak Show

Silverchair - Freak ShowIm Jahre 1997, also zwei Jahre nach dem Erfolgsdebut Frogstomp, legten Silverchair das zweite Album unter dem Titel Freak Show vor. Ganze dreizehn neue Titel beherbergt das Album und wer die CD in den heimischen PC/Mac einlegt kommt außerdem in den Genuss von Bonuskontent, den man aber nicht wirklich unbedingt braucht.

Insgesamt zeigen sich die drei Australier auch auf Freak Show wieder extrem rockig. Die Parallelen zu Nirvana, die in der Presse ja immer wieder betont wurden, lassen sich nicht vollständig leugnen. Allerdings muss man Silverchair auch zugestehen, einen deutlich eigenständigen Sound gegenüber den Grungegöttern aus Seattle ausgeprägt zu haben.

Hier wird klanglich deutlich dichter gerockt als Nirvana das jemals getan hatten. Dafür lassen sich hier und da klangliche Anlehnungen an den Sound von Alice in Chains ausmachen.  Der Opener Slave und das darauf folgende Freak rocken entsprechend eindeutig und machen ohne Zweifel Spaß beim Hören. Doch schon Abuse Me geht einen erkennbar ruhigeren Weg und weißt die Richtung für viele Songs des Albums. Frontmann Daniel Johns versucht sich im Songwriting ganz klar am eher deprimiert klingenden Grunge und schafft dies auch ganz ordentlich, ohne aber wirkliche Klassiker aus der Feder zaubern zu können.

Lie to Me bringt dann eher wieder die Stärken der Band hervor. In dem gerade einmal 1:22 Minuten “langen” Stück mit knapp zwei Textzeilen brilliert die Band im Grunde im Kompaktformat. Wer hier keine Nirvanaeinflüsse hören kann, der kennt Nirvanas Hidden Tracks nicht. No Association erinnert dann ganz enorm an Milk It von Nirvanas In Utero. Hat aber durchaus eine eigenständige Existenzberechtigung – soll heißen, nicht alles was einen an bereits gehörtes erinnert stinkt.

Die weiteren Songs wie Cemetery, Petrol & Chlorine, Pop Song for us Rejects und der Rest spielen im Grunde genau in diesem Spannungsfeld des Grunge. Das macht Freak Show zu einem durchweg guten Album, das allerdings auch eine große Schwäche hat: keiner der Songs ist wirklich so gut, dass er sich bei mir zu den Lieblingssongs hätte einreihen können. Klanglich erkennt man das meiste wieder, die Songstrukturen haben andere Bands bereits auschöpfend behandelt und Innovationslust kann man Silverchair von vorne bis hinten leider nicht vorwerfen. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich den Kauf des Albums jemals bereut hätte, prägend für den Grunge waren Silverchair aber eben mangels genau dieser Kreativität auch nie wirklich. Insofern gibts nur eine mittelmäßige Bewertung. Gefreut, das Album mal wieder gehört zu haben, habe ich mich aber dennoch. Und wers eh im heimischen CD Regal stehen hat, der kann ja auch mal wieder reinlauschen. Zum mitgehen ist es allemal gut.

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