Retrozension | R.E.M. – Monster

R.E.M. - Monster

Nachdem R.E.M. 1992 mit ihrem Album Automatic For The People gezeigt hatten, dass sie zu den ganz großen Bands ihrer Zeit gehören, erschien zwei Jahre später der Nachfolger Monster. Obwohl sich Monster laut Charts erfolgreicher platzieren konnte als Automatic For The People, ist dieses Album für mich musikalisch immer ein Rückschritt gewesen. In keinster Weise knüpfen R.E.M. an die Genialität des Vorgängeralbums an, und das ist wirklich schade. Oder vielleicht doch nicht?

Dennoch wäre es verkehrt Monster für sich als missglückt zu bezeichnen. Es ist nur so, dass Monster musikalisch einfach viel eher als Vorgängeralbum zu Automatic glaubhaft ist. Der etwas kratzigere, ungestüme R.E.M. Sound, wie man ihn noch von Green, Out Of Time oder Document kennt, kennzeichnet auch Monster. Automatic For The People erscheint dazwischen fast wie ein Missgeschick.

Aber ich möchte hier auch erstmal die Vergleiche fallen lassen, und Monster für sich selbst stehen lassen. Der Opener What’s The Frequency, Kenneth eröffnet mit R.E.M. typischen Gitarrensounds, den verhaltenen, aber guten Vocals von Michael Stipe. Das ganze versprüht besten Indiecharme, insbesondere, da dieVocals ein wenig zu leise abgemischt scheinen, und auf übermäßige Produktionseffekte verzichtet wurde. Crush with Eyeliner folgt mit seinem charakteristischen Phasergitarrensound. Die Gangart des Albums wird spätestens hier klar. Es sind eher poppige Songs mit etwa 4 Minuten Länge. Die Schwermut bleibt außen vor, überschwengliche Freude wird sicher aber auch woanders zelebriert. Auch King of Comedy folgt auf den Pfaden seiner Vorgängersongs. Eher poppig inszeniert und gute Partymusik. Erst I don’t Sleep, I Dream zeigt sich etwas düsterer und ruhiger, ohne dabei allzusehr in Melancholie zu verfallen. Ein wirklich guter Song. Schluss mit Ruhe schreit dann förmlich Star 69. Es rockt erstmals richtig und befreit die Platte von der bis dahin zelebrierten Lethargie. Nach so einem Song wird es zeit für einen Engtanzsong, und der kommt auch prompt mit Strange Currencies. Da schmelzen die Herzen und man kann sich förmlich vorstellen wie zahllose Pärchen engumschlungen auf der Tanzfläche schwofen. Tongue hilft dann, den romantischen Augenblick noch ein paar Minuten länger festzuhalten, und macht dabei einen guten Job. Jetzt will man aber dann doch mal wieder ein bißchen tanzen. Da kommt Band and Blame genau recht. Der vielleicht beste Song des Albums fängt eher sanft an, um dann im Refrain ein bißchen rockiger zu werden. I Took Your Name folgt auf dem Fuße, und erinnert wegen seines Phasersounds nicht unwesentlich an Crush with Eyeliner. Macht aber nix. Ist trotzdem ein guter Song. Let me in schlägt wieder ruhigere Töne an. Mit stark übersteuerter Gitarre und nur sehr zaghaftem Schlagwerkeinsatz. Mit Circus Envy wird nochmal das Haus gerockt, dass die Fetzen fliegen. Toller Refrain übrigens, der mich ein wenig an die Rocknummern von The Police erinnert. Zum Schluß dann das eher ruhige und auch ein wenig düstere You.

Insgesamt ist Monster ein wirklich gutes Album, dass wirklich Freude macht. Mir kommt es immer ein wenig vor wie eine nette Party. Nicht zu düster, nicht zu überschwenglich. Wahrscheinlich gehört Monster auch wirklich zu den besten Alben, die R.E.M. bisher produziert haben. Aber dennoch steht es meiner Meinung nach im Schatten des Überwerks Automatic For The People. Macht aber ja eigentlich nix. So lange es Spaß macht, oder?

Gute Musik

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