Retrozension | R.E.M. – Automatic For The People

R.E.M. - Automatic For The PeopleR.E.M. waren mit Automatic For The People ganz groß. Genau genommen nie größer. Und das ist eine Wahrheit, die heute noch zutrifft. Gut für das Album, schlecht für die Band.

Erschienen war das Album 1992 und entwicklete sich zu dem Superseller der Band schlechthin. Über 18 Millionen verkaufte Exemplare sprechen für sich. Die Musik auf Automatic For The People ist dermaßen mainstreamtauglich, dass man das Label “Indie Rock” eigentlich gar nicht verwenden dürfte. Konsequenterweise betitelt Wikipedia Deutschland die Musikrichtung dann auch als Alternative Rock – meiner Meinung nach passt da Indie doch besser.

Fest steht, dass Automatic For The People zu den interessantesten Alben der 90er-Jahre gehört. Gefühlvollere, melancholischere Songs schrieb Anfang des Jahrzehnts wohl keiner, zumindest nicht in der Zahl. Für mich stellt dieses Album den ersten bewussten Berührungspunkt mit der Band aus Atlanta, Georgia, dar. Zwar kannte ich auch vorher schon Songs von R.E.M. wie It’s The End Of The World As We Know It (And I Feel Fine), oder das etwas kürzer betitelte Losing My Religion, oder aber auch Fireplace, aber damals blieb mir die Band nicht im Gedächtnis. Das sollte sich mit Automatic … ändern.

Im Grunde sind alle Songs des Albums für mich Klassiker. Ich werde das Feld mal von hinten aufrollen und damit anfangen, was mir am wenigsten gefällt: Ignoreland, an und für sich ein guter Song passt vom Gesamtsound einfach nicht so recht zum Rest vom Album. Er sticht deutlich hervor und das nicht unbedingt positiv. Dabei ist das der vermutlich rockigste Song auf dem gesamten Album. Dann wäre da noch New Orleans Instrumental No. 5. Passt eigentlich ganz gut ins Album, ich bin nur kein Freund von Instrumental-Stücken auf Rockplatten. Das wirkt immer ein bisschen so, als hätte die Band keine Lust gehabt den Song fertig zu schreiben. Der Rest des Albums ist Geschichte. Hervorheben möchte ich nur ein paar besonders hübsch glänzende Perlen. Man On The Moon – von schöner Traurigkeit und strahlt dennoch Hoffnung aus, Everybody Hurts – da muss man nichts zu sagen, Nightswimming – die besten Lyrics aller Zeiten in einem wunderbaren Klaviersong. Da denkt man an Meer, nächtliche Autofahrten über einsame Autobahnen und die Liebe. Einfach Toll.

Das Album strahlt insgesamt eine faszinierende Ruhe aus, ganz anders als die vorigen R.E.M.-Alben, die meist ja doch mit hektischeren Songs durchsetzt waren. Auch heute noch überaus gern gehört. Deshalb gibts volle Punktzahl.

Rating 5 Star

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