Retrozension | Radiohead – Pablo Honey

Radiohead - Pablo HoneyRadiohead werden momentan ja ziemlich heiß gekocht – und das völlig zu Recht, wie ich finde. Das zuletzt erschienene Album In Rainbows hat neben dem Rummel um seine Veröffentlichung auch musikalisch eine Menge Beachtung befunden.

Ich selbst hänge gerade mehr oder weniger in einer Dauerrotation des Studiowerks der Band fest, und da wird es natürlich auch mal Zeit, dass ich mit der Retrozensierung der Band aus Oxfordshire beginne. Und da vorne nun mal am Anfang liegt, ist das Debutalbum Pablo Honey heute im Fokus meiner Aufmerksamkeit.

Pablo Honey erschien im Jahr 1993 und fiel zunächst nicht wirklich auf. Und das obwohl das Album wirklich unter die Haut geht. Schon der Opener You zeugt vom großen Talent der fünf Briten. Zugegeben, von den genialistischen Ansätzen der Band, die sich spätestens seit OK Computer aufgetan haben ist auf Pablo Honey nichts zu merken. Aber das Album kann dennoch auf ganzer Linie überzeugen. Grundsätzlich wird einem hier Alternative Rock bester britischer Sorte geboten.

Jeder dürfte wohl die Single Creep kennen, die das Potential hatte, zu einer Hymne der Grunge-Generation aufzusteigen. Wenigstens ebenso bemerkenswert sind meines Erachtens nach Songs wie Stop Whispering, Thinking About You, Ripcord oder auch Anyone Can Play Guitar. Im Grunde hat das Album auf ganzer Linie keine Durchhänger. Wer allerdings Radiohead als äußerst kopflastige Band kennt, der mag durchaus ein bißchen enttäuscht werden. Denn auf Pablo Honey werden keine neuartigen Songstrukturen erprobt oder Hörgewohnheiten auf den Kopf gestellt. Ganz im Gegenteil handelt es sich dabei um eine ziemlich geradlinige Produktion bester Güte. Bisweilen kommt mit beim Hören Good Feeling, das Debutalbum von Travis in den Sinn, das mehr als gelegentlich ganz ähnlich – wenn auch etwas unbedarfter – klingt.

Aus heutiger Sicht kann ich nur sagen, dass mir Pablo Honey immer noch uneingeschränkt gut gefällt. Es finden sich darauf einige der besten Alternative Rock Songs, die die frühen Neunziger zu bieten hatten. Und auch nach 15 Jahren klingt kein Track irgendwie angestaubt. Zugegeben, Cover und Albumtitel waren eine schlechte Entscheidung, dafür haben sich Radiohead keine musikalischen Schnitzer erlaubt.

Was mir an Pablo Honey und an Radiohead retrospektiv besonders gefällt ist, dass wenige Bands bisher so stark den Mut zur Veränderung ihres eigenen Stils gezeigt haben. Bei Radiohead kann man diese Verwandlung von Pabo Honey über The Bends bis zu OK Computer sehr schön nachvollziehen. Für mich der beste Beweis, dass es sich musikalisch rentiert, wenn Bands nicht so sehr das Augenmerk auf die Vermarktungsfähigkeit ihrer Musik legen, sondern sich ganz entspannt musikalisch Fortentwickeln.


Similar Posts: