Retrozension | Pearl Jam – VS.

Pearl Jam - VS.

1993 erschien das zweite Album von Pearl Jam, die sich schon durch ihr Debutalbum Ten in die Oberliga des Grunge gerockt hatten. Nach Nirvana galten PJ als die wichtigste Band des Seattle Rock, und das ist ein Status, der die Veröffentlichung eines Nachfolgealbums nicht unbedingt einfacher macht.

Das VS. (sprich: versus) die Erwartungen der Fans erfüllte, ist mittlerweile bereits Geschichte. Das Album verkaufte sich bereits in der ersten Woche über 950.000 Mal, das war Rekord über mehrere Jahre. Dieser enorme Erfolg brachte die Band aber auch an den Rand ihrer Existenz. Mit dem schnellen Erfolg kamen die Bandmitglieder nicht zurecht. Der Versuch sich aus dem Rampenlicht zu entfernen half da wenig. Obwohl die Band keine Musikvideos mehr drehte und auch ansonsten nicht mehr in MTV präsent war, brach der Rummel um die Band nicht ab. Im Gegenteil: es lässt sich sogar vermuten, dass diese Anti-Kommerz-Haltung der Band noch zusätzlich Sympathien brachte. Das ging streckenweise soweit, dass die Verweigerungshaltung als Marketingtrick abgetan wurde.

Was VS. betrifft kann man sagen, dass das Album vielleicht das beste Pearl Jam Album bis heute ist. Kraftvoll wie kaum ein anderes Grunge-Album, roh wie Nirvanas Nevermind, klanglich ganz nah dem Vorgängeralbum Ten. Und dabei ist es noch so viel ausgefeilter als Ten, dass einem die Kinnlade hängen bleiben könnte. Besonders eindrucksvoll ist meiner Meinung nach immer noch der Song Rats. Ein enorm eindringliches Riff, treibende Drums und Eddie Vedder in absoluter Topform treiben einem die Gänsehaut den Rücken herunter. Ein Song, der sicher auch in ein paar Jahrzehnten noch begeisterte Anhänger finden wird. Ähnliche Qualität weisen auch Glorified G und der Opener Go auf

Insgesamt ist gegenüber Ten eine Abkehr von den großen Stadionrock-Balladen zu erkennen. Die Band enwickelte sich hin zu mehr ruhigen Songs wie etwa Elderly Woman behind the Counter in a Small Town, einem Hit den PJ inzwischen auf unzähligen Live-Alben verewigt haben, und der ebenfalls immer wieder für Gänsehaut-Feeling sorgt. Ebenso grandios sind Dissident, Rearviewmirror und Indifference.

Kurzum, VS. ist groß. In der Bandgeschichte stellt sich das Album heute als logischer Zwischenschritt zum Nachfolger Vitalogy dar, dass noch stärker Abkehr nimmt vom stadiongerechten Rock und dabei noch eine Spur rauher klingt. Aber momentan geht es ja um VS. und das abschließende Urteil muss hier lauten: Ein Meisterwerk!

Gaaaaaaaaanz groß

Similar Posts: