Retrozension | Pearl Jam – Ten

Pearl Jam - Ten

Das mein Einstieg in die Musik von Pearl Jam damals über das Album Vitalogy geschah, hatte ich ja schon geschrieben. Und was macht der brave Musik-Liebhaber, wenn er über Musik stolpert die ihm gefällt? Richtig, er will ganz schnell möglichst alles von der Band hören, das es gibt, um sich eine nachhaltige Meinung zu bilden.

So geschehen bei mir und Pearl Jam. Nach Vitalogy musste ich natürlich unbedingt weiteres Material hören und da traf es sich ganzgut, dass Vitalogy bereits das dritte Album der Band aus Seattle war. Als nächstes hatte ich die Gelegenheit das Debut-Album Ten auf Kasette zu ziehen (das waren noch Zeiten). Der Album Titel bezieht sich auf Mookie Blaylock, einen Basketballer dessen Name zunächst der Bandname sein sollte. Nachdem man sich dann aber Pearl Jam nannte, wurde Mookie mit dem Albumnamen geehrt: 10 war seine Trikotnummer.

Musikalisch ist das Erstlingswerk von Pearl Jam ein Knaller, obwohl sich das Album zunächst nur mäßig verkaufte. Aber dank Nirvanas Erfolg mit Nevermind wuchs auch das Interesse an Ten schnell. Mittlerweile konnte sich das Album allein in den USA mehr als 12 Millionen Mal verkaufen.

Im Vergleich zu Vitalogy – und das ist eben für mich der Vergleichsmaßstab – ist Ten ein deutlich mainstreamtauglicheres Album. Dennoch kann man dem Werk nicht vorwerfen zu weich zu sein. Bereits Once rockt nach einem sehr gemütliche Intro – mit grandiosem Basssound – richtig los. Besonders die markante Stimme von Eddie Vedder setzt hier zeichen. Even Flow setzt dann nach mit absolut stadiontauglichem Refrain und einem sehr eingängigem Gitarrenriff in der Strophe. Kein Wunder, dass Even Flow zur zweiten Single des Albums wurde. Der nächste Track ist Alive, der auch die erste Singleauskopplung wurde. Eddie Vedder singt von einem traumatischen Ereigniss aus seiner Kindheit, Mike McCready und Stone Gossard untermalen das ganze mit traumhaft guten Gitarrenriffs – wenig überraschen also, dass dieser Song wohl zu einer der Hymnen des Grunge-Rock wurde.

Aber Ten bietet mehr. Von Highlights auf dem Album möchte ich gar nicht sprechen, denn dass würde ja automatisch bedeuten, dass die anderen Songs etwas schwächer sind. Neben Jeremy, Oceans, Release, Black, Deep gefallen mir auch die restlichen Songs ausnahmslos sehr gut. Besonders interessant ist aber für Besitzer der sogenannten New European Version des Albums, dass sie mit drei Extra-Tracks belohnt werden: Einer Live-Version von Alive, Wash und dem meiner Meinung nach sehr witzigen und guten Dirty Frank. Ein Song, der während einer gemeinsamen Tour mit den Red Hot Chili Peppers entstand und den Stil eben dieser Band zu imitieren versucht. Das Ergebnis ist amüsant und trotzdem gut.

Im direkten Vergleich zu Nirvanas Nevermind kann man Ten unterstellen, weniger kompromisslos zu sein. Die Gitarren sind nicht so dominant, die Platte ist ‘sauberer’ produziert und die Songs nicht ganz so depressiv gestimmt, zumindest für eine Grunge-Platte. Dennoch ist Ten einer der Meilensteine der Grunge-Ära und das völlig zu recht. Das Album brachte Pearl Jam einen festen Platz in der Seattle-Musikszene und war der Beginn des Schaffens einer der besten Bands aller Zeiten, wie ich finde.

Grandios! Sollte man haben.

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