Retrozension | Nirvana – Smells Like Teen Spirit

Nirvana - Smells Like Teen Spirit

Im Grunde habe ich diesen Moment gefürchtet, seit ich diesen Blog gestartet habe. Es ist an der Zeit die Retrozension für Nirvanas Hyperalbum Nevermind zu verfassen. Im Grunde sollte man meinen, dass das eine einfache Aufgabe sein müsste. Das ich das Album mag ist wohl wenig überraschend. Dass das Album für die Entwicklung von Grunge und Alternative Rock ein absoluter Meilenstein ist, dürfte auch wenig überraschen. Aber wie verfasst man eine Retrozension über ein solches Album, ohne allzu sentimental zu werden und die üblichen Clichées zu dreschen? Nun, Ich will es versuchen.

Zuerst einmal muss ich gestehen, dass Nevermind in seinem Erscheinungsjahr 1991 gehasst habe. Ich war damals zarte 10 Jahre alt und dachte Elvis sei cool. Insbesondere das, in Smells Like Teen Spirit ständig wiederkehrende, “… hello, hello, hello, hello how low …” verspottete ich damals gerne als “Helau”. Nun ja, ein paar Monate später, als meine Schwestern die Nirvana-Kassettenicht mehr hören wollten und Elvis für mich – Gott sei dank – entzaubert war, gefiel mir die Musik aus Seattle plötzlich überirdisch gut. Ich schätze ich habe damals wochenlang Nichts anderes mehr gehört als eben diese eine Kassette. Dies führte führ mich dann auch zum kauf von In Utero und später dann eben auch zum Kauf von Nevermind auf CD.

Nevermind war wegweisend in vielerlei Hinsicht. Das Album markierte das Ende der Überrock-/Kuschelmetal-Bands wie Guns ‘n Roses, die als letzte Bastion versuchten die 80er-Jahre ins neue Jahrzehnt zu retten. Nirvana waren nicht überproduziert und nicht bis ins letzte durchkomponiert. Der Sound war ungewohnt roh und agressiv. Dennoch kamen Nirvana ohne das Metal-typische Grunzen oder dem Pseudo-Metal typischen Pathos aus. Stattdessen transportierte die Band zwischen all der Wut im Song auch noch Melodien die zeigten, dass ihre Musik mit Seele erfüllt ist.

Im Grunde waren Nirvana mit dieser Art Musik nicht allein auf der Welt. Das zeigt sich insbesondere daran, wie viele Bands aus Seattle direkt nach Nirvana unglaublich erfolgreich wurden mit sehr ähnlichen musikalischen Konzepten. Nirvana hatten aber das “Glück” mit Kurt Cobain wohl eine der interessantesten Charaktere der Rockmusik seit Jim Morrisson als Frontmann gehabt zu haben. Die Tragik, die Kurt als einsame Kühlerfigur der Grungebewegung transportierte, half sicherlich die Band zu den Vorreitern der Bewegung zu machen.

Musikalisch ist Nevermind im Grunde sehr einfach gestrickt. Mit Punkbesetzung (Gitarre, Bass und Schlagzeug) und im Grunde ohne technische Raffinesse gelang es der Band dennoch einen neuen Sound zu kreieren. Die Mischung aus Wut und Melancholie, wenn nicht gar Depressivität, zauberte einige der interessantesten Songs der früheren 90er-Jahre zu Tage. Meine persönlichen Favoriten sind da In Bloom, Lithium, in Kombination die beiden Songs Territorial Pissings und das darauffolgende Drain You und natürlich auch den Evergreen (welch lustiges Wort) Smells Like Teen Spirit. Auch heute noch entfalten diese und auch die anderen Songs auf Nevermind eine unglaublich starke Energie. Das Album strotzt nur so vor Kraft und bleibt dennoch fast immer mainstreamtauglich. Diese Leistung dürfte unter anderem dem Produzenten Butch Vig geschuldet sein, der es schaffte aus dem noch ungeschliffenen Rohmaterial der Band echte Hits zu machen.

Zugegeben, in den letzten Jahren habe ich Nirvana und auch Nevermind immer seltener gehört. Nicht, dass ich die Songs nicht mehr mögen würde aber irgendwie passen sie nicht mehr so oft zu meiner Stimmungslage wie noch in meiner Jugend. Dennoch gehört das Album unbestreitbar zu den besten Alben die je aus Seattle kamen. Gerade weil es so roh und unverfälscht ist.

Meilenstein!

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