Retrozension | Live – Throwing Copper

Live - Throwing CopperIch hab mal wieder in den Tiefen meines iPod gekramt und eine Wiederentdeckung gemacht, die mir in Erinnerung gerufen hat, warum ich dieses Blog überhaupt angefangen habe. Zunächst wusste ich diese Woche nicht, auf was ich musikalisch so Lust habe, also habe ich mich auf meinem Weg zur Arbeit damit beschäftigt rauszufinden, welche Band ich schon lange nicht mehr gehört habe. Der Weg führte mich zunächst zu den Smashing Pumpkins, dann zu R.E.M. (ohne Zusammenhang). Von da gings dann (aber mit Zusammenhang) über zu Live.

Secret Samadhi – das habe ich ja bereits besprochen – war meine erste Begegnung mit der Band aus York, PA. Das Vorgängeralbum dazu nennt sich Throwing Copper und hat es in sich. Vom heutigen Standpunkt aus gesehen würde ich so weit gehen zu sagen, dass es das beste Live (die Band) -Album aller Zeiten ist. Schon der Opener The Dam at Otter Creek hat es in sich. Eröffnet wird ähnlich zu Rattlesnake auf Secret Samadhi (obwohls ja eigentlich umgekehrt ist) mit einem Fade-In, oder Crescendo, wenn man bei der klassischen Ausdrucksweise bleiben möchte. Der Song selbst scheint mir in der Stimmung etwas düsterer zu sein, als mein Vergleichsobjekt. Was aber vor allem auffällt ist, dass Throwing Copper etwas vielschichtiger wirkt als Secret Samadhi. Das setzt sich auch im zweiten Song Selling the Drama fort. Dieser kann getrost als Klassiker der Band bezeichnet werden. Der Einstieg ist dabei sehr poppig gewählt, im Refrain wird dafür umso haltloser gerockt. Das ganze mit einer absolut stadiontauglichen Mitgröhl-Melodie unterlegt – fertig ist ein Hit.

Überhaupt ist der Wechsel zwischen sehr ruhigen und, im Gegensatz dazu, sehr rockigen Teilen das Leitmotiv von Throwing Copper. Ganz so, wie man es in den neunzigern eben geliebt hatte – und ich muss gestehen, ich liebe es heute noch. So hangelt sich das Album weiter von Song zu Song. Ich bin versucht zu sagen, dass einer besser als der andere ist. Der nächste große Hit stellt sich mit All Over You ein. Besonders gut gefällt mir im weiteren Verlauf auch noch T.B.D. ein Song, der zunächst durch eine sehr einfache, aber treibende Basslinie begleitet wird, und der sich im Verlauf sehr klar und eindrucksvoll steigert.

Erwähnen will ich auch noch die beiden letzten Songs White, Discussion (nicht vom Komma irritieren lassen, das ist nur ein Titel) und Country Song. Aber im Grunde steht keiner der Songs besonders hervor. Das Album ist durchweg gut zu hören und macht wirklich vom ersten bis zum letzten Ton Spaß. Besonders, weil sich die Songs hervorragend zum Mitsingen eignen.

Für mich ist das Album ein klares Beispiel dafür, wieviel Anteil ein Produzent am Ergebnis eines Albums haben kann, und der ist hier sicher nicht zu unterschätzen. Das soll jetzt nicht heißen, dass Live nicht auch aus sich heraus die Bude rocken können. Aber die Kraft, die der Produzent aus der Stimme von Sänger Ed Kowalczyk rausholt, obwohl dieser eigentlich eher ein Schönwettersänger ist, ist schon beachtlich.

In jedem Fall ist Throwing Copper für mich ein klares Highlight der 90er-Jahre und hat schon deshalb die volle Punktzahl verdient.

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