Retrozension | JET – Shine On

Befassen wir uns doch heute mal mit einer Band, die ich im Grunde überhaupt nicht mögen dürfte. Opfer, nein, Anlass meiner Verwirrung ist eine australische Kombo, die auf den durchgehend groß geschriebenen Namen JET hört.

JET sind die erste und bislang einzige Band, die dank Last.FM in meiner CD Sammlung aufgenommen wurden. Ich weiß heute nicht einmal mehr genau welcher Song damals über den Last.FM-Player über meine Anlage erklang, aber ich war begeistert, merkte mir Interpret und Album und bestellte die CD. Wenige Tage später hielt ich Shine On in meinen Händen und lauschte begeistert dem wirklich interessanten Album.

JET kann man wahrlich nicht nachsagen, Erfinder einer eigenen Stilrichtung zu sein. Selbst einen sonderlich eigenständigen Sound nennt die Band nicht ihr Eigen. Dennoch lassen es die Rock-Aussies wahrlich fulminant krachen. Im Genre nennt sich das Ganze dann etwa Garage Rock, was nicht wirklich viel weiterhilft, aber das ebenfalls passende Label Hard Rock würde auch auf falsche Fährten locken. Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Beatles und Oasis, zwischen den Rolling Stones und The Who. Böse Zungen behaupten gar, dass einzelne Songs fast komplett bei anderen Künstlern abgekupfert seien, und wer Shine On durchhört, kann sich mit absoluter Sicherheit nicht dem Eindruck erwehren, all die Songs irgendwie schon mal gehört zu haben.

Grund genug also, die Band mitsamt ihrem gesamten Werk einfach in die Tonne zu treten und nie wieder drüber zu sprechen!? Weit gefehlt, denn die Songs sind einfach verdammt gut. Ein bißchen wirkt das Album wie ein Best Of Album des Rocks mit so vielen Elementen aus eigentlich allen Strömungen des General Rock, dass es überrascht, dass die Scheibe bei all ihrer Einfachheit nicht nur derart spannend ist sondern auch so sehr als eigenständiges Album wahrzunehmen ist.

Mein Versuch, jetzt hier einzelne Albumhighlights aufzuzählen, wäre von Vornherein zum Scheitern verurteilt, da einfach alle Songs extrem stark sind. Hier wird absolut aufrichtig und maskulin gerockt. Kein “Grunge-Gewimsel” oder lange Impro-Tiraden. Das hier ist eine Scheibe, die von der ersten bis zur letzten Sekunde radiotauglichkeit zelebriert und dabei glücklicherweise nicht eine Minute die häufig damit assoziierte Niveaulosigkeit durchbrechen lässt. Kurzum, hier sind Handwerker des Rock am Werk, die eine solide Ausbildung beim Meister um die Ecke absolviert haben und nun bemüht sind, auf eben diesem hohen Niveau und mit all den Tricks vom Meister das Handwerk auszuüben. Nothing more, nothing less!

In der Summe macht das aus JET eine Band, die im Grunde völlig unaufregend sind, die sich aber gerade dadurch bisher jeglicher Hype-Maschine entziehen konnten. Das lässt hoffen, dass hier ein auf Dauer solider Act aufgebaut wird, der auch in 20 Jahren noch Musik macht, die zeitlos erscheint und dabei immer auf der Höhe der Zeit ist. Ein wirklich cooles Album, dass mir zumindest Lust auf mehr gemacht hat.

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