Retrozension | Green Day – Nimrod.

Green Day - Nimrod.Green Day schafften es bekanntlich im Jahr 2004 mit ihrem Konzeptalbum American Idiot nicht nur ein so genanntes Comeback zu feiern, sondern auch endlich einmal als ernsthafte Musiker anerkannt zu werden. Tatsache ist aber, dass Green Day schon im Jahr 1997 ein Album veröffentlichten, auf dem sie musikalisch weit über sich hinaus gewachsen waren.

Das entsprechende Album erschien unter dem mir persönlich nicht allzu viel sagenden Titel Nimrod. (der Punkt gehört zum Namen, deshalb gehts im Satz klein weiter…) und verweist damit möglicherweise auf den altorientalischen König, vielleicht aber auch nur auf eine der unzähligen anderen Bedeutungen des Wortes. Was auch immer, Nimrod. ist das erste Album von Green Day, auf dem sie versuchen den doch zugegebenermaßen eher simplen musikalischen Ansatz der Band etwas zu erweitern; Und das gelingt vortrefflich.

Zunächst einmal sticht das Album alleine durch den Umfang aus meiner Green Day Sammlung heraus. ganze 18 Tracks finden sich auf dem Longplayer und obwohl man ohne Zweifel erkennt, dass es sich dabei um ein Werk der Dookie-Macher handelt, bietet Nimrod. eine musikalische Qualität, die man definitiv nicht erwarten würde. Der Opener Nice Guys Finish Last zeigt davon zunächst noch nichts. Hier wird in bester GD-Manier gepunkrockt, dass die Schwarte kracht. Es fällt allerdings bereits auf, dass die Produktion insgesamt etwas besser klingt. Hitchin’ a Ride zeigt da schon eher etwas vom Neuen. Nach einer kleinen Streichereinleitung experimentiert die Band mit einem eher ungewohnten Rythmusschema. Der Song steigert sich dann wunderbar, bis auch hier die Schwarte … naja, kennt man ja.

The Grouch ist wieder ein sehr typischer Green Day Titel. Dagegen setzt Redundant als ungewohnt gefühlvolle Nummer dagegen. Scattered fällt vor allem durch seine sehr schöne, fast durchgängige Zweistimmigkeit auf. All the Time überrascht hingegen im Grunde nicht. Soll aber nicht heißen, dass der Song nicht gut wäre. Danach folgt der von mir sehr geschätzte Worry Rock, der allerdings auch wieder auf ausgetretenen Pfaden wandelt.

Experimentierfreudiger zeigt sich die Band da schon wieder bei Platypus (I hate You), einem Song, der mit gefühlten 270 Beats pro Minute vorbeirauscht. Das nachfolgende Uptight gehört für mich zu den klaren Highlights des Albums, obwohl grundsätzlich musikalisch villeicht nicht sehr überraschend, ist die Nummer aber doch eine der spannendsten auf dem Album geworden. Zum totalen Entspannen lädt danach das instrumentale Last Ride In ein, bei dem ich – dank eingespieltem Meeresrauschen – immer an karibische Strände denken muss. Definitiv kein Punk!

Jinx setzt dafür brachial der Ruhe ein Ende und leitet mit Karacho die zweite Albumshälfte ein. Der Song hätte sicher auch als Opener gut funktioniert, macht aber auch an dieser Stelle einen guten Job. In direktem Übergang geht es weiter zu Haushinka, die ausser einem “peculiar name” auch noch einen wirklich guten Green Day Song ihr Eigen nennen darf. Eine Mundharmonika erweitert die übliche Bandbesetzung auf Walking Alone. Um der Innovationen aber nicht zu viele zu bringen haben Band und Produzent dem ganzen Reject nachgesetzt. Typisch guter Green Day-Punk. Take Back setzt hier nach, und das was man da hört wird gerne als Metal-Persiflage bezeichnet; Absolut treffend im Übrigen.

King for a Day leitet den Schluss des Albums ein. Textlich eine absolut witzige Nummer über einen kleinen Punk in der Unterwäsche seiner Mutter – was Freud wohl dazu sagen würde? Wer Green Day schon damals verfolgt hatte dürfte auch der Hit-Single Good Riddance (Time of your Life) schon begegnet sein. Ein akustisches Stück, dass nicht nur wunderbar traurig und verträumt klingt, sondern auch Hey There, Delilah definitiv deklassiert. Das Ende bildet dann Prosthetic Head, einem irgendwie trotz aller Punkigkeit deprimiert wirkendem Stück, dass einen durchaus nachdenklich verbleiben lässt.

Das Green Day mit Nimrod. über sich hinausgewachsen sind, hatte ich eingangs ja schon erwähnt. Das der Opener Nice Guys Finish Last retrospektiv geradezu prophetisch war, finde ich fast schon unheimlich. Da macht ein Band, die noch drei Jahre zuvor gigantisch gefeirt wurde ein wirklich grandioses Album, und bekommt dafür kaum Beachtung, oder wie es die ME Sounds damals sinngemäß beschrieb: Green Day machen ihr bestes Album und keinen interessiert es. Ein wirklich guter Schlusssatz, wie ich finde.


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