Retrozension | Green Day – Kerplunk!

Green Day - Kerplunk

Green Days Durchbruch begann ja in Europa bekanntlich mit dem Superseller Dookie. Was viele nicht wussten (und wahrscheinlich auch nie interessiert hatte) ist, dass die Band zuvor bereits zwei Alben und mehrere EPs veröffentlicht hatte. Das erste Album Slappy Hours wurde dann später zusammen mit den EPs 39/Smooth und 1,000 Hours zum Album 1,039/Smoothed out Slappy Hours zusammengefasst. Bleibt noch das zweite Album Kerplunk!, dass Green Day 1992 auf die Menschheit los liessen.
Kerplunk ist deutlich weniger elegant produziert als der Nachfolger Dookie, dennoch lassen sich die Green Day eigenen Qualitäten bereits sehr deutlich ausmachen. Die Songs sind eindeutig spaßorientiert, weisen aber dennoch zum Nachdenken entworfenen Lyrics auf.

Wirkliche Hits à la Basket Case sind zwar nicht auf dem Longplayer zu finden, dennoch entwickelt Kerplunk! schnell seinen eigenen Charm.

Was Kerplunk! für Green Day Fans insbesondere interessant machen dürfte ist, dass es die erste Platte ist, auf der Tré Cool sich hinter die Drums gequetscht hatte. Zwar finden sich auch noch ein paar Songs mit dem vorigen Drummer Al Sobrante (auch bekannt als John Kiffmeyer) auf der Scheibe, der Rest ist aber vom bekannten Dreigestirn um Gitarrist, Sänger und Frontmann Billy Joe Armstrong.

Zunächst bietet die CD nichts unbedingt aufregendes: Der Opener 2000 Light Years Away eröffnet in typischer Green Day Manier mit knackigen aber einfacher Gitarrenriffs, Schlagzeug und Bass stimmen fröhlich punkig mit ein. Auch das folgende One for the Razorbacks reiht sich nahtlos in den typischen Fun Punk Sound der Band aus East Bay (CA) ein. Bislang fällt nur der mittelmäßig produzierte Klang auf. Dann aber kommt (oder zumindest kam für mich) die erste Überraschung: Welcome to Paradise. Dieser Titel ist später auch auf dem Major-Label Debüt Dookie zu finden, wofür er nochmals eingespielt wurde. Mit Christie Road folgt ein wirklich gefühlvoller Song. Private Ale stimmt wieder punkigere Töne an. Dann eines der Highlights auf der CD: Dominated Love Slave ist eine Country-Parodie feinster Güte mit Texten über Sado-Maso Liebesspiele (Ich bin mal gespannt wie viele Google-Suchtreffer das bringen wird). Ansonsten überspringen wir jetzt einmal ein paar Songs: Highlights sind für mich insbesondere noch die drei letzten regulären Albumsongs No One Knows, Who Wrote Holden Caulfield und Words I Might Have Ate.

Für Freunde der analogen Musikübertragung im Großformat ist hier Schluss, die Vinylversion (umgengssprachlich auch Schallplatte genannt) enthält die vier Bonustracks der CD (& Musikkasette) nicht. Dabei handelt es sich um vier Songs von der Sweet Children EP, die allesamt noch mit John Kiffmeyer eingespielt wurden. Hier ist insbesondere auf das The Who-Cover My Generation aufmerksam zu machen, das mir bis heute besser gefällt als das Original.

Bei Kerplunk! möchte ich es auch nicht auslassen, mal über das Booklet zu schreiben, denn in der Mitte des selbigen findet sich nömlich eine kleine nette Geschichte mit dem nichtssagenden Titel: “My Adventure with Green Day“. Darin erzählt das fiktive Mädchen Laurie L. (Namen durch die Redaktion nciht verändert) davon, dass sie gerne auf ein Green Day Konzert gehen würde, ihre Eltern das aber nicht erlauben wollen. Was bleibt einem guten Fan da noch? Konsequenterweise ermordet Lauri L. ihre Eltern und zerstückelt sie fein säuberlich. Das Ende der Geschichte möchte ich nicht preisgeben, amüsant ist sie aber allemal. Wenn auch auf eine punk-humorige Weise. Passend zum Album und zur Geschichte hatte ich denn auch irgendwann ein wunderbares Green Day T-Shirt mit der vielsagenden Aufschrift Eat Your Parents, mit dem ich in einem Korfu-Urlaub auch tatsächlich ein paar amerikanische Touristenpärchen schockieren konnte. Bis heute eine nette Erinnerung.

Zurück zur CD: Kerplunk! ist kein unbedingtes Must-Have aber für Green Day Fans uneingeschränkt zu empfehlen. Auch heute noch findet die CD gelegentlich den Weg in mein Ohr, wenn auch nicht allzu oft. Mir gefällt das Album jedoch durchweg gut. Nur die schlechte Produktion führt zu einer Abwertung um einen Stern. Ansonsten muss ich hinzufügen, dass bei mir absolut nicht von Objektivität ausgegangen werden kann wenn ich über Green Day schreibe. Bisher gefallen mir nämlich alle Green Day Alben die ich besitze. Und das sind (fast) alle.

Gut, aber nicht wegweisend.

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