Retrozension | Gorillaz – Gorillaz

Gorillaz - Gorillaz

Es gibt diese Momente, da passieren Dinge, die man im Leben nicht für möglich gehalten hätte. Einer dieser Momente ereilte mich, als ich bei der Bundeswehr war. Irgendwann in dieser Zeit schauten wir abends gemeinsam fern und stolperten dabei auch über MTV, wo plötzlich eine musikalische Urgewalt los brach: Das Video zu Clint Eastwood der für mich bis dahin nie gehörten Gorillaz. Für mich am überraschendsten war damals, dass ich glaubte die Stimme des Blur-Sängers Damon Albarn ausmachen zu können zwischen den Hip-Hop Beats und Rapeinlagen.

Was ich zunächst für unmöglich gehalten hatte, erwies sich aber dann doch als war und obwohl ich damals nicht sicher war, ob ich mich mit der Musik der Gorillaz anfreunden könnte, stellte sich für mich dann doch heraus, dass es ging. Ziemlich gut sogar.

Die Gorillaz stiessen mit ihrem Debut-Album für mich eine Tür in eine bis dahin ungekannte Musikrichtung auf. Obwohl ich “echten” Hip-Hop bis heute meide haben die virtuellen Musiker der Gorillaz mir die Musikrichtung grundsätzlich näher gebracht. Das ich überhaupt ein offenes Ohr für diesen Crossover hatte lag wohl daran, dass man zum einen ganz deutlich merkt mit wie viel Energie und Spaß die reellen Musiker an dieser Platte gearbeitet hatten. Zum anderen ist meine Begeisterung für musikalische Experimente schon lange sehr groß, besonders wenn diese so wunderbar hörbare Songs hervorbringen.

Der ersten Single Clint Eastwood konnte damals wohl kaum jemand entgehen, aber das schöne ist, dass die Platte noch wesentlich mehr zu bieten hat:  19-2000 besipielsweise, oder aber auch Tomorrow Comes Today, Starshine oder auch der Opener Re-Hash. Mein absoluter Favorit bleibt aber das sehr kompromisslose und wenig radiotaugliche M1A1. Mit diesem Album schufen die Gorillaz ein Werk, an dem sich fast alle Bands eine dicke Scheibe abschneiden könnten, was das Neuerfinden von Musik betrifft. Statt dem ewig gleichen Rezept zu folgen und austauschbare Songs zu produzieren wagten die Musiker hinter den Zeichentrickfassaden es über den Tellerrand ihrer Genres hinauszublicken und zusammenzuführen, was vordergründig nicht zusammengehört.

Das Ergebnis spricht für sich und gehört vermutlich zu den wichtigsten Platten des aktuellen Jahrzehnts. Wer sich noch nicht mit dem Phänomen Gorillaz beschäftigt hat, sollte dies dringend nachholen. Und selbst wenn man das Ergebnis musikalisch nicht nachvollziehen kann, den gebührenden Respekt kann man den Schaffern der ersten Vollcomicband der Musikgeschichte wohl nicht vorenthalten.

Ein ALbum, das die Musik vorangebracht hat

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