Retrozension | Garbage – Garbage

Garbage - GUnd wieder einmal bin ich bei meiner CD-Sammlung auf einen Exot gestoßen, wobei das mit dem Exot natürlich nur auf meine Sammlung bezogen ist. Garbage sind aus zwei Gründen Exot in diesem Zusammenhang: Zum einen singt mit Shirley Manson (irgendwie gruselt es mich bei diesem Namen) eine Frau bei Garbage. Zum anderen ist die Musik von Garbage neben den rockigen Elementen immer auch schon sehr elektronisch angelegt gewesen. Für mich im Jahre 1995 war das schon eine Herausforderung, immerhin lehnte ich zu dieser Zeit alles elektronische (abgesehen von E-Gitarren) kategorisch ab.

Das Album Garbage schaffte für mich eine Art Befreiungsschlag. Dadurch, dass ich gefallen an den elektronischen Elementen auf dem Silberling fand, erweiterte ich meinen musikalischen Horizont schrittweise und fand so den Ausweg aus der Grunge-Only-Phase. So gesehen ist das Album ein ganz persönlicher Meilenstein in meiner Musikhistorie.

Eigentlich liegt mir die Enstehungsgeschichte, sowohl der Band als auch des Albums, gar nicht. Von Anfang an als Produkt geplant und umgesetzt fehlen Garbage die sonst üblichen Sympathien meinerseits. Dennoch gibt es auch dort ein paar witzige Anekdoten zu. Als die ersten Songs von Garbage geschrieben wurden, war noch gar nicht klar, wer denn die Stimme von Garbage sein sollte. Bislang waren Garbage “nur” Butch Vig, Duke Erikson und Steve Marker. Die drei entdeckten Shirley Manson dann irgendwann auf MTV, wo das Video ihrer Band Angelfish lief. Sie schrieben also Miss Manson an und baten sie für ein Vorsingen ins Studio zu kommen. Diese hatte jedoch erst Vorbehalte und lästerte mit ihren Bandkollegen von Angelfish, dass da wahrscheinlich nur ein paar alte Knacker ihren Spaß mit ihr haben wollten. Einer ihrer Bandkollegen gab Shirley dann aber doch den richtigen Tipp, mal im Cover von Nirvanas Nevermind den Namen Butch Vig nachzusehen (Google gabs damals offenbar noch nicht). Der Tipp war gut, denn Butch ist der Produzent des Grunge-Klassikers.

Das hört man dem Album aber nicht unbedingt an. Im Gegensatz zu Grunge im Allgemeinen klingen Garbage sehr deutlich nach Studio und Kunstprodukt. Das trifft die Situation zwar auch sehr gut, dennoch versprüht das Album seinen Charme. Das Klangergebnis sind poppig rockige Songs, die so gar nicht nach Depri-Mucke klingen. Irgendwie ist alles ganz leicht und kann einen trotzdem mitreißen. 12 Songs finden sich auf dem Longplayer, darunter die Hits Queer, I’m only happy when it rains, Vow und Milk. Die Spannweite reicht von eher fetzig bis sehr relaxt, von elektronisch bis eher rockig und das Album lässt sich dabei sehr gut in einem Rutsch durchhören.

Bei mir ist das Album in den letzten Jahren allerdings etwas vernachlässigt worden. Im Zuge dieser Retrozension habe ich es aber quasi wiederentdeckt. Für mich auf jeden Fall ein sehr gutes Album und mit Sicherheit kein Müll.

Coole Sache

Similar Posts: