Retrozension | Chris Cornell – Euphoria Morning

Chris Cornell - Euphoria MorningDie Auflösung von Soundgarden war ohne Zweifel ein sehr trauriges Ereignis in meiner Jugend. Obwohl ich immer Respekt dafür übrig hatte, dass die Band sich lieber rechtzeitig aus dem Rampenlicht geschoben hatte, als uninspirierte und schlechte Alben zu produzieren.

Wie allem Schlechten auch immer etwas Gutes innewohnt, so zeigte sich dank der Auflösung von Soundgarden wenig später, dass Matt Cameron einen verdammt guten Pearl Jam Schlagzeuger abgibt. Auch Chris Cornell war nicht lange in der Versenkung verschwunden. 1999 erschien sein erstes Soloalbum Euphoria Morning.

Kommerziell war das Album nicht erfolgreich. Über die musikalische Qualität sagt das aber wieder einmal nicht das geringste aus. Nach meinem Dafürhalten sind die Songs ohne Ausnahme ein Zeugnis wirklich guter Songwriting-Kunst. Das gesammte Album hat eine Strahlkraft, die mich von der ersten Note an gefesselt hatte und die auch heute noch nicht abgenutzt ist. Chris Cornell beweist vor allem, dass er deutlich vielseitiger sein kann, als man vermutet hätte.

Die Songs streifen verschiedenste Genres und nehmen sehr interessante Einflüsse auf. Die Single Can’t change Me eröffnet noch relativ Soundgarden-nahe und das darauffolgende Flutter Girl war sogar dereinst für das Soundgarden-Album Superunknown geschrieben worden. Spätestens ab Preaching the End of the World rückt aber die Stimme von Chris Cornell deutlich in den Vordergrund. Und das ist absolut berechtigt und gut. Der Song scheint die perfekte Spielwiese für dessen Organ zu sein und wenn man will, kann man sich in der Stimmung richtig gut verlieren.

Follow my Way klingt dann wieder ganz anders, irgendwie schräg, melodisch fast schon in Richtung orientalische Musik einzusortieren. Ein wirkliches Highlight folgt mit When I’m Down. einem Pianobegleiteten Stück, dass im Grunde nur in einer verrauchten Jazzkneipe wirklich richtig platziert wäre. Weitere Highlights finden sich in den Songs Wave Goodbye, Sweet Euphoria, Disappearing One (Gaaaanz Groß) und dem quasi letzten Stück Steel Rain.

Auch wenn Mr. Cornell mittlerweile -und völlig unerklärlicherweise – selbst Abstand zu seinem Werk genommen hat muss ich wieder einmal betonen, dass Euphoria Morning eines DER Alben aus den 90ern für mich ist. Da ändern auch abschätzige Bemerkungen des Künstlers nichts dran. Für jeden, der das Album bislang nicht kennt, gilt die Empfehlung das schleunigst zu ändern.


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