Retrozension | Bush – The Science of Things

Mit ihrem dritten Album machten Bush musikalisch einen großen Schritt in Richtung Modernisierung des eigenen Stils. Erschienen ist der Longplayer im Jahr 1999, also nach etwa dreijähriger Releasepause. Etwas über 50-Minuten Bush-typische, schwer melancholische Grunge-Rock Mucke, die mir damals zunächst nur mittelmäßig gut gefiel.

Grund hierfür war die Vermischung der bis dahin eher klassischen Bandbesetzung mit elektronischen Elementen. Nun, ich war jung und da neigt man ja gerne dazu, etwas übermäßig polarisiert zu denken. The Science of Things schaffte es aber nach ein paar Tagen, auch mir wirklich gut zu gefallen.

Von der Andersartigkeit der Musik merkt man beim Opener Warm Machine zunächst noch nicht so viel. Aber schon das darauf folgende Jesus Online klingt ein bißchen, als ob im Hintergrund jemand Depeche Mode dazugemischt hätte. Noch stärker dringen dann die elektronischen Beats bei The Chemicals Between Us zu Tage. Trotz alledem bleiben die Songs jederzeit eindeutig als Bush-Kompositionen zu erkennen.

Der vierte Song offenbart eine andere Stilwandlung von Bush. English Fire verzichtet im Grunde komplett auf eine eingängige, herzerweichende Melodie und malträtiert dafür umso mehr mit brachialen Gitarrenriffs und Schlagzeugbeats. Das aber selbst hierzu noch Streicher spielen gehört wohl zu den Eigenheiten von Gavin Rossdale. Spacetravel und 40 Miles from the Sun bieten wieder eher gewohnte Bush-Klänge. Auch Prizefighter bringt musikalisch keine nennenswerten Überraschungen, dafür trumpft The Disease of The Dancing Cats mit einem hübschen und relativ harten Gitarrenriff in der Bridge auf.

Altered States bringt dann im Intro eine Menge Elektronica mit, die sich auch in Teilen im Song selbst fortsetzt. Dabei entwickelt sich der Song durch einen sehr spannenden Refrain zu einem der Highlights der Platte, insbesondere weil hier wieder etwas mehr Hang zur Experimentierfreude durchscheint. Die letzten drei Songs Dead Meat, Letting the Cables Sleep und Mindchanger schließen dann das Album wieder mit typisch Bushigen Nummern zwischen Rock und Seelen-/Herzschmerz.

Alles in allem gehört The Science of Things zu den wirklich guten Alben von Bush – ok, bei einer Gesamtschnittmenge von nur vier ist das nicht so schwer zu erreichen. Dennoch muss ich sagen, dass ich Bush insgesamt nur selten noch bewusst höre. Das liegt vor allem an der sehr stark depressiven Grundstimmung,  die allen Bush-Kompositionen zugrunde liegt, und die mittlerweile nur noch sehr wenig mit meinem Leben zu tun hat. In meinen düsteren Teenie-Jahren sah das natürlich noch anders aus. Dennoch ist The Science of Things kein schlechtes Album, und wenn man die richtigen Momente erwischt, das Album zu Hören, dann macht es auch heute noch wirklich viel Spaß.

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