Retrozension | Bush – Razorblade Suitcase

Bush - Razorblade SuitcasÜber das Phänomen “Grunge von der Insel” habe ich ja bereits mit meiner Retrozension zu Sixteen Stone resümieren können. Nun, die Briten der Kombo Bush liesen es sich im Jahre des Herrn 1996 nicht nehmen, einen Nachfolger unters wartende Volk zu bringen. Covertechnisch mit wesentlich mehr Farben bedacht als der Vorgänger, brachte auch das zweite Album aus Sheperd’s Bush, London Grunge der feinsten Sorte.

Ohne sich von dem typischen Bush-Sound zu verabschieden, aber finanziell offenbar deutlich besser ausgestattet, merkt man der Produktion zunehmende Professionalität an. Der Sound ist klarer, dichter und ausgewogener als noch auf dem Debutalbum zu hören. Songtechnisch erlebt der geneigte Hörer keine bösen Überraschungen, aber ein zunehmendes Maß an – sagen wir mal Depression.

Hatte der Vorgänger Sixteen Stone noch den Charme von ständig durchscheinender Lebensfreude, geht diese auf Razorblade Suitcase zunehmend den Bach runter. Das ist nicht unbedingt störend, schließlich machte die Borderline-Störung immer einen wesentlichen Faktor des Grunge-Appeal aus, lässt aber ein wenig der Frische von Bush verblassen.

Um das gleich mal vorwegzunehmen: Razorblade Suitcase ist durchweg ein würdiger Nachfolger zum Debut. Es bietet Herzschmerz-beladene Songs wie Swallowed, Straight no Chaser oder Bonedriven, weiß aber in alledem auch richtig böse zu rocken wie man etwa beim Opener Personal Holloway und Songs wie Greedy Fly, Insect Kin oder auch Synapse zu Hören bekommt. Dennoch bin ich mir sicher, dass bei dem einen oder anderen Song eine etwas weniger leidbelastete Gesangslinie dem Herren Rossdale sicher auch gut gestanden hätte.

So aber wird Razorblade Suitcase ein Album der besten Brückenspringertradition das ideal geeigent ist, um von pubertierenden, immer viel zu traurigen Teenies wie ich mal einer war gehört zu werden. Leider verliert es aber ein Stück des Reizes wenn man dann mal erkannt hat, dass das Leben zwar immer komplizierter wird, aber dennoch einen Heidenspaß machen kann. Gelegentlich kann man mal wieder in Erinnerungen schwelgen und den Soundtrack seiner Jugend genießen, wirklich häufig hört man aber dann doch nicht mehr rein. Dennoch gehört Razorblade Suitcase zu den Guten und ist ein Stück Anerkennung wert.

Similar Posts: