Retrozension | Alice in Chains – Alice in Chains

Alice in Chains - Alice in ChainsIrgendwie kam ich dank der Foo Fighters und dank der Erinnerungen an Nirvana mal wieder auf die Idee Alice in Chains in meine Gehörgänge zu lassen. Die Band um den mittlerweile verstorbenen Lane Staley gehörte irgendwie ja doch immer zu den großen/Größen des Grunge. Für mich spielte sie aber immer ein Schattendasein hinter Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden. Dennoch hat es das selbstbetitelte Album Alice in Chains mit dem traurig schauenden dreibeinigen Hund doch geschafft, bis zu mir vorzudringen.

Um es vorwegzunehmen: Alice in Chains (also die Band) sind sehr gewöhnungsbedürftig. Klanglich fällt es mir immer wieder schwer, sie wirklich dem Grunge zuzuordnen, da die Band sehr viele Soundanleihen dem Metal entnommen hat. Dazu ist die Stimme von Staley sehr nasal und damit ebenso gewöhnungsbedürftig wie etwa die von Billy Corgan (Smashing Pumpkins). Wer aber über all das zunächst einmal hinwegsehen kann, bekommt ein sehr spannendes und hochinteressantes Album zu Hören.

Grind als Opener ist bereits sehr harter Tobak. Da stampfen Gitarre, Bass und Schlagzeug bulldozerhaft alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. Auch Brush Away hält einen sehr düsteren Sound mit viel wummerndem Bass. Sludge Factory kann da ohne weiteres mithalten: hier kommt noch ein sehr jammerhafter Backgroundgesang dazu. Dann dauert das gute Stück auch gleich ganze 7:12 Minuten. Spätestens hier wird klar, dass das Album bei weitem keine leichte Kost ist. Dennoch lohnt sich das durchhalten. In den prall gefüllten Klangwelten lassen sich Dinge entdecken, die einem klar machen, warum Alice in Chains doch mit den großen Kindern spielen durften.

Zwischendurch gibts dann auch mal einfacher gestrickte Songs, sozusagen zur Entspannung dazu. Heavens Beside You ist so ein Kandidat eines wirklich guten wirklichen Grunge Songs. Und von der Sorte gibts noch mehr: zum Beispiel Shame in You, Nothin’ Song, das sehr düstere Frogs und das finale Over Now. Hier zeigen die Jungs Qualitäten jenseits des brettharten Rocks und die sind vielfältig.

Ein wenig hervorheben möchte ich noch den Song God Am, der für mich der Grundstein in den Atheismus gelegt hat. Das mich Lyrics gedanklich beeinflussen gab es vorher schon gelegentlich und auch danach wieder, aber kein Song hat jemals so profund mit so wenig Worten mein Weltbild verändert. Ich spiele hier auf die Refrainzeile “Can I be as my god am” an. Wörtlich übersetzt lautet das in etwa: “Kann ich so sein wie mein Gott bin?”. Ums mal ganz knapp zu sagen ist das die Kernaussage der Projektionstheorie Ludwig Feuerbachs, mit der sich – wie ich meine –  jeder mal näher beschäftigen sollte, in einen Satz. Mehr will ich dazu dann auch gar nicht sagen. Mich hat der Song aber tiefgreifend beeinflusst.

Im Fazit muss ich sagen, dass Alice in Chains kein Album für jedermann ist. Dafür sind die Klangwelten die hier aufgebaut werden einfach zu vielschichtig, schwer begreifbar und auf den ersten “Blick” zu unattraktiv. Aber wer sich mit dem Album beschäftigt entdeckt sicher eines der Highlights der Grungebewegung. Wers noch nicht kennt sollte es einfach mal ausprobieren.

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