Retrozension | Alanis Morissette – Supposed Former Infatuation Junkie

Es wird mal wieder Zeit, sich mit Musik zu beschäftigen die uns so langsam auf den Herbst einzustimmen vermag. Schließlich steht der September nicht nur vor der Tür, sondern ist mittlerweile ohne zu fragen reingekommen. Die Tage werden wieder merklich kürzer; Menschen, die ohne Schirm zur Arbeit gehen können plötzlich ziemlich nass werden (Ja, ist mir heute passiert) und die ersten Weihnachtsprodukte finden sich auch schon in den Supermärkten.

Herbst, also. Was passt da besser als leicht melancholischer Rock der etwas anderen Art. Zu finden zum Beispiel auf Supposed Former Infatuation Junkie von Miss Morissette aus Kanada. Alanis, wie sie unter anderem auch gerne genannt wird, hatte ja 1995 mit ihrem (fast) Debut Jagged Little Pill enorm erfolgreich in der Rockindustrie Fuß fassen können. Danach passierte erstaunlich lange erstaunlich wenig. Erst 1998 sollte mit SFIJ der Nachfolger erscheinen. Dazwischen stand meiner Erinnerung nach so etwas wie Sinnsuche in Indien und was man als hippielastiger Rockmusiker noch so alles zu tun pflegt. Ob Miss Morissette den Sinn gefunden hat, weiß ich jetzt nicht mehr, was sie jedoch gefunden hatte war die Muse (und Muße) ein neues Album zu schreiben und aufzunehmen, welches sich als deutlicher Schritt gegenüber JLP darstellt.

War Jagged Little Pill noch ein sehr klar als grunge-nahes Album konzipiertes Werk, löst sich der Stil auf Supposed … (Anm. d. Red.: Titel einfach zu lang) deutlich von diesem Stil. Hier wird ein sehr studiolastiges und teilweise sehr clever arrangiertes Album aufgefahren. Die Songs werden schwieriger, wütender, vielleicht sogar weiblicher als auf dem Vorgänger. Die Texte ecken an, und zwar eher noch am Rythmus als durch Worte. Es scheint zuweilen, als wolle Alanis zu viele Worte in einzelne Zeilen packen und man hat das Gefühl, dass der Song gleich an allen Ecken und Enden auseinanderbricht. Das tut er dann doch nicht sondern gewinnt durch die vielen Ecken und Kanten an Profil und wird interessant.

Dazu setzt Alanis Morissette zweistimmige Elemente ein, die auch eher ungewöhnlich sind. Vielleicht ein Einfluss aus ihrer Zeit in Indien. Indische Elemente in der Rockmusik sind ja dank den Beatles (korrekterweise müsste es “dank den The Beatles” heißen) gut bekannt und durchaus etabliert. Alles in allem kann man auf jeden Fall sagen, dass das Album für Alanis eine Art Befreieungsschlag darstellt. Man merkt, dass sie jetzt wirklich ihre eigene Musik macht und dass sie mit ganzem Herzen in ihrer Musik aufgeht.

Das ist dann auch die Grundlage für einige der besten Songs, die die Dame aus Kanada bisher veröffentlicht hat. Dazu gehören für mich der Opener Front Row, Are You still mad?, That I would be good, Can’t not, I was hoping und nicht zuletzt Joining You. Im Grunde ist das gesamte Album aber durchgehend wirklich gut und darüber hinaus mit 17 Songs auch überaus umfangreich.

Einen Wermutstropfen muss man dann aber doch dazu geben. Insgesamt steht Supposed Former Infatuation Junkie dem hochgelobten Vorgänger etwas hinten dran. Das Freche und Erfrischende von Jagged Little Pill fehlt dem Zweitalbum des zweiten musikalische Lebens von Alanis Morissette leider. Dennoch ein großartiges Stück Musik aus den 90ern. Prädikat absolut höhrenswert. Gerade jetzt im Herbst, wo die Tage wieder kürzer …….

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