Retrozension | Alanis Morissette – Jagged Little Pill

Alanis Morissette - Jagges Little Pill

Frauen haben es bei mir musikalisch gesehen ziemlich schwer. Ich kann es kaum begründen, aber irgendwie scheint die Stimmfrequenz der Wesen vom anderen Stern derart gelagert, dass sie mir musikalisch gegen den Strich gehen. Aber wie das meistens so ist, bestätigt die Ausnahme die Regel. Eine davon (Ausnahme meine ich) ist Alanis Morissette.

1995 erschien ihr Debüt Jagged Little Pill, das sich nach einem eher schwachen Charteinstieg bald auf Platz 1 vorkämpfte. Es gibt wohl niemanden, der in dieser Zeit nicht über die Hits Ironic, You Oughta Know oder Hand in my Pocket gestolpert ist. Das besondere an Alanis Morissette auf Jagged Little Pill war dabei, dass ihre Musik so rockig und kompromisslos schien, wie die ihrer männlichen Kollegen aus Seattle. In jedem Fall schaffte die Kanadierin es, sich mit ihrem fulminanten Debüt nicht nur einige Kritikerpreise sondern auch ihren Platz in der Rockszene der 90er Jahre zu sichern.

13 Songs plus Hidden Track bietet das Album. Alanis singt dabei aus voller Seele von idiotischen Ex-Liebhabern, Liebeskummer, Kindern unter Leistungsdruck und was eine(n) im Alter von 20 Jahren noch so bewegt. Ihre Stimme ist ungeheuer charismatisch und die Songarrangement sind überwiegend richtig gut. Miss Morissette weiß zu überzeugen und ist nebenbei nicht bloß das hübsche Püppchen, dass als Aushängeschild für quasimodohafte Studiomusiker herhalten muss. Sie greift (zumindest live) auch gerne mal selbst zu Gitarre, Bass und Mundharmonika.

Eröffnet wird die Platte mit All I Really Want, einem Song der textlich wie musikalisch den Standpunkt von Alanis klarmacht. Weiter gehts rockig mit You Oughta Learn, gefolgt vom etwas ruhigeren und dramtischeren Perfect. Die nächsten drei Songs Hand in my Pocket, Right Through You und dem besonders schönen Forgiven sind wieder ganz klare Rocksongs mit starken Rythmen und knackigen Gitarrenriffs. Dagegen kommt You Learn sehr poppig rüber. Auch Head over Feet kann trotz rockigem Refrain als Pop-Song identifiziert werden. Dennoch machen auch diese Songs sehr viel Spaß. Mary Jane gehört wieder in die Kategorie dramatischer balladesker Liedchen. Danach folgt das wohl jedem bekannte Ironic. Ein wirklich guter Song. Die letzten Stücke sind dann noch Not The Doctor, Wake Up und nochmal You Oughta Learn in einer Alternate Version. Der Hidden Track ist dann noch eine a capella Liebesschmerzschnulze, die aber eindrucksvoll von der Stimmgewalt von Alanis Morissette zeugt.

Das Album insgesamt ist wirklich grandios. Sauber produziert, villeicht hier und da ein bißchen zu sauber. Die Songs bieten ausreichend musikalische Abwechslung ohne den Roten Faden missen zu lassen. Die fantastische Stimme von Alanis Morissette zieht einen in ihren Bann, die Seufzer beim Atmen haben fast schon was erotisches und unterstreichen den Eindruck der Aufrichtigkeit, die das Album durchzieht. Im Nachhinein wünschte ich mir zwar, dass das Album weniger nach Studioproduktion und mehr nach Rockkonzert klingen würde, aber für 1995 war Jagged Little Pill einfach perfekt. Umso mehr verwundert es mich gerade, dass ich das Album bereits seit längerer Zeit kaum noch gehört habe. Es ist eine Wiederentdeckung wert.

Tolles ALbum

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