Recently Released | The Audience – Hearts

Es ist doch immer wieder eine Freude, wenn man eine Band aus deutschen Landen als Konstante in der Musiklandschaft wahrzunehmen vermag. The Audience gehören für mich langsam in diese Kategorie, und sie verdienen sich ihren Platz mit ihrem nunmehr dritten Album, betitelt diesmal schlicht Hearts, auch wenn es erst ganze vier Jahre nach dem Vorgänger erscheint.

The Audience, das war auch schon auf Dancers and Architects eine spannende Mischung aus Midtempo bis schnellen Stücken, die irgendwie alle voll tanzbar wirken und dann doch in der Stimmung eine spannende Melancholie durchblicken lassen. Vom Genre her müsste die Band ganz grob in die Britpop-Ecke gestellt werden, so richtig gerecht wird das dem Sound der Band aber sicherlich nicht. Letzten Endes muss mal wieder das nichtssagende Label Indie Rock herhalten. Hearts reiht sich klanglich fast nahtlos an den Vorgänger an; dennoch wirkt Hearts irgendwie ein wenig anders, vielleicht nachdenklicher, vielleicht einfach nur erwachsener.

Zwölf Tracks bietet das neue Album und, wie es der Presse-Beipackzettel ganz stolz erwähnt: Es braucht keine Balladen um ein stimmungsvolles Album zu erschaffen. Das zeigt besonders schön der Titel Waves, der mit starkem, Zusammenspiel der Rythmus-Achse aus Bass und Schlagzeug einen treibenden, aber dennoch in der Grundatmosphäre sehr ruhigen Song darstellt. Hier zeigt sich auch, dass The Audience mittlerweile mehr Spaß am Klangexperiment gefunden haben. Die Leadgitarre, wenn man das hier mal so nennen darf, bestreitet den Song mit viel Effekt und überwiegendem ‘Obertongewimsel’. Das klingt jetzt böse, ist aber gar nicht so gemeint; der Song fasziniert dank der Ruhe, die er trotz schnellem Schlagzeugspiel ausstrahlt. Schön, dass die Band diesem recht minimalistischen Song auf dem Album auch ausreichend Zeit einräumt. Die siebeneinhalb Minuten sind was die Tracklänge betrifft auf dem Album ansonsten klar unerreicht.

Besonders gut gefällt mir auch der Track The Lesser Things. Auch hier klingt wieder eine gehörige Portion Melancholie mit. Das ganze mit einem stark vom Bass getragenen Grundbeat und wieder effektvoll eingesetzen Gitarre und Keys. Besonders der Refrain packt dann emotional stark zu. Klasse Sache. Aber natürlich haben auch etwas weniger dunkel wirkende Stücke ihren Platz auf Hearts gefunden. Ich denke da insbesondere an Burning, Sirens oder auch das besonders starke We won’t get Home.

Alles in Allem darf man festhalten, dass sich The Audience auf Hearts keinen einzigen Schnitzer erlauben. Die Band bleibt sich und ihrem besonderen Stil erfreulich treu, evolutioniert sich in nachvollziehbarem Maße: Echte musikalische Innovationen findet man auf dem Longplayer sicher nicht, aber das was The Audience auf ihrem dritten Studioalbum bieten ist mehr als bloß solide Handarbeit. Hearts bietet sehr engagierten, sehr aufrichtigen und gefühlvollen Indierock zum bewussten Zuhören und Genießen.

P.S.
Leider musste die Band aus nicht näher benannten gesundheitlichen Gründen die geplante Release-Tour absagen. Ich wünsche den Jungs an dieser Stelle, dass die Gründe hierfür bald überstanden sind und alle wohlauf weiter Musik machen können.

Similar Posts: