Recently Released | Portugal. The Man – Censored Colors

Ich freue mich besonders, die schon seit längerem etwas vernachlässigte Kategorie Recently Released mal wieder nutzen zu können. Daraus lässt sich entsprechend schließen, dass meine kleine und bescheidene CD-Sammlung wieder Zuwachs bekommen hat. Portugal. The Man haben nach nur etwas mehr als einem Jahr seit Church Mouth ihr mittlerweile drittes Studioalbum veröffentlicht.

Obwohl ich die Band aus Alaska (mittlerweile eher Portland, Oregon) erst seit letztem Jahr auf meine Radar habe, bin ich bislang hellauf begeistert. Bester Beweis: Meine Charts auf last.fm, wo Portugal. The Man schon seit einiger Zeit unangefochten die Spitzenposition einnehmen. Noch vor Radiohead, die im Gegensatz zu Portugal schon weit mehr als drei Alben im Umlauf haben.

Als ich Anfang des Jahres erfahren hatte, dass Portugal. The Man planten, noch in diesem Jahr ein neues Album zu veröffentlichen, war ich etwas skeptisch. So kurz hintereinander zu veröffentlichen riecht immer ein bißchen nach Ausverkauf. Beruhigt war ich dann aber, als bekannt wurde, dass die Band die volle künstlerische Kontrolle über das Werk hat und in Eigenregie produziert. Seit letzter Woche Freitag ist das Album also nun auf dem Markt, seit Samstag in meinem Besitz. Da stellt sich nun natürlich die Frage: Wie ist es so?

Nun, diese Frage würde ich gerne ähnlich euphorisch beantworten, wie meine Rezension zu Church Mouth im letzten Jahr. Das allerdings fällt mir schwer. Censored Colors, so der Titel des neuen Werks, ist zunächst einmal ganz anders. Hätte ich am Sonntag diese Rezension verfasst, wäre nicht viel Gutes über das Album zu sagen gewesen. Arbeiten wir der Einfachheit halber mal am Vergleichsobjekt Church Mouth. Censored Colors rockt nicht. Zumindest in 95% aller Fälle. Statt E-Gitarren satt gibts hier viel Akustik-Gitarre, statt fettem Sound eher ziemlich dünn klingende Klangwelten, Bass kaum wahrnehmbar. Statt ausergewöhnlichen Einzelgesangsleistungen des Frontmännleins teilweise fast schon wie Quaken anmutendes Gewimsel (ich übertreibe) das im schlimmsten Fall an ein christliches pseudomodernes Gottesdienstgesinge erinnert (Colors).

Klingt soweit ziemlich böse, ich weiß. Dennoch gibt das nur einen unvollständigen und gar falschen Eindruck des Albums. Nach Mittlerweile schätzungsweise 20 Durchläufen muss ich gestehen, dass das meiste wirklich gut ist. Einige Songhighlights haben bei mir inzwischen ihre Wiederhaken ausgepackt und gehen mir im positiven Sinne nicht mehr aus dem Kopf. Dazu gehören der Opener Lay me Back down, das bereits vorab bekannt geordenen And I, das sehr ruhige und besinnliche Created und mein bisheriger Favorit Out and In and In and Out, um nur einige zu nennen. Songwriting mit Bestnoten. Leider aber wirklich nicht gut produziert.

Und genau das ist das Hauptproblem, dass Censored Colors bei mir anecken lässt. Der Sound ist einfach viel zu dünn. Da merkt man nichts von der brachialen Gewalt, mit der sich die Songs auf Church Mouth noch zu entfalten wussten. Der Gesang ist insgesamt zu weit in den Vordergrund gestellt worden und die mehrstimmig arrangierten Gesangslinien klingen mehr als einmal schlichtweg wie falsch gesungen. Produktionstechnisch bewegt sich das Album überspitzt formuliert irgendwo zwischen Live-Mitschnitt und Demo-Tape und das ist schade. Gerade wenn man die Songs etwas besser kennt wünscht man sich da deutlich mehr Arbeit auf Produktionsseite.

Im Fazit muss es so deutliche Abwertungen geben. Ist wirklich schade, führt aber kein Weg dran vorbei. War Church Mouth noch ein Schritt in Richtung Weltruhm, dürfte Censored Colors für die Karriere der mittlerweile vier Jungs aus den Staaten eher einen Knick darstellen. Und das täte mir besonders deshalb leid, weil die Songs überwiegend wirklich gut sind. Vielleicht wäre hier etwas weniger Produktionskontrolle durch die Band der bessere Weg gewesen. Für Leute, die die Band noch nicht kennen, dürfte der EInstieg mit Censored Colors nur schwer gelingen. Ich als bekennender Fan der Band hatte selbst genug Mühe in die Musik auf diesem Album einzusteigen. Hat man den Einstieg geschafft, kann man sich wieder über clevere Arrangements und einen sehr interessanten und eigenwilligen Stil freuen. Man muss dem Album allerdings anfangs sehr viel Geduld einräumen.

P.S. Am Freitag abends gibts das ganze Live im Substage in Karlsruhe. Ich freu mich drauf.

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