Recently Released | Pearl Jam – Backspacer

Pearl Jam gehören zu meinen Helden. Die letzten Überlebenden des Grunge der 90er. Ausgerechnet! Hätte man doch schon an mehreren Punkten gewettet, dass Eddie Vedder die Faxen dicke hat und aufhört: Erst die Verweigerung von allem was nach Musikbusiness riecht, dann der verlorene Prozess gegen Ticketmaster wegen der Eintrittspreise. Vor einigen Jahren der Tod von neun Fans auf einem Festival in Dänemark.

Aber Peal Jam tuns noch. Unbeirrt, unverändert und so langsam aber sicher auch ein wenig unbeachtet. Die Band hat sich in den letzten Jahren schon immer deutlicher nach Amerika orientiert. Wenige Konzerte außerhalb der Staaten, noch viel weniger Konzerte in Deutschland. Wer nicht in Hamburg, Berlin oder Düsseldorf wohnt hats ziemlich schwer die Band mal live zu erwischen.

Auch musikalisch ist die Band in vielen Dingen immer amerikanischer geworden; wenig geblieben vom wutgeladenen Sound der ersten drei Alben. Pearl Jam haben sich über weite Strecken auf hohem Niveau selbst bedauert und das in Alben gepresst. Anerkennung gabs von den Medien kaum dafür. Lediglich Do the Evolution schaffte es ein wenig, die Band in die Erinnerung von nicht-Fans zurückzurufen.

Auch das aktuelle Album Backspacer wird daran nichts ändern. Gestern erschienen in Europa und wieder einmal ein typisches, ein gutes Pearl Jam Album. Pearl Jam klingen irgendwie anders diesmal und doch so vertraut. Anders, weil folkiger und amerikanischer, älter und vielleicht auch reifer.

Die Band rockt ordentlich, teils fast klischeehaft gut. Das Album klingt überlegter als alle anderen davor und das Making-of, das es bei YouTube zu sehen gibt verrät auch warum: “Wir haben diesmal die Songs geschrieben, bevor wir Sie aufgenommen haben.” sagt Eddie da so nebenbei. Das tut dem Album gut, denn so bleiben weniger gute Momente, wie sie sich bisher auf fast allen Alben eingeschlichen hatten, die nach Vitalogy kamen, diesmal außen vor; sind weggeschrieben und wegproduziert.

Alle Songs auf dem neuen Album sind gut, können einen mitnehmen und bewegen. Besonderns die Texte sind diesmal irgendwie anders, positiver und berühren, wenn man sich damit beschäftigt. Hier merkt man auch klar den Einfluss des Soloalbums von Herrn Vedder, dass oft ein wenig durchklingt. Die besten Songs sind aber die rockigen Nummern The Fixer ist ziemlich cool, der Opener Gonna see my Friend funktioniert prächtig, Supersonic rockt, klingt dabei aber gelegentlich erschreckend nach Hard-Rock, besinnt sich dann aber wieder auf Grunge-Elemente. Ruhiger gehts bei Speed of Sound zu und der Track ist irgendwie auch ein kleines Highlight. Sehr entspannt, sehr intim. Einfach. Gut. Getoppt wird diese Nummer aber noch vom letzten Track The End. Hier lässt sich die Band von Streichern und Bläsern (klassisch) unterstützen. Funktioniert wie ich finde prima.

Was kann man noch sagen? Die Mördersolos von Mike McCready sind weniger geworden, dafür gibts mehr coole und teils richtig groovige Patterns im gesamten Song. Zum Glück erinnerts aber nicht an The Edge von U2.

Alles in allem also ein positives Urteil. Voll zufrieden bin ich aber trotzdem nicht. Pearl Jam spielen sich langsam aber sicher in die Bedeutungslosigkeit. Das Album bietet wirklich keine herausragenden Stücke, keine neuen Klassiker derer man sich in einigen Jahren noch erinnern wird, die man mit besonderen Erlebnissen verküpfen kann. Das Album klingt auch leider nicht mutig und überhaupt nicht bereit irgendwelche Grenzen zu übertreten. Pearl Jam machen wirklich guten, aber auch wirklich etablierten amerikanischen Rock. Jede Wette, dass wieder jedes Konzert in den Staaten binnen Minuten ausverkauft sein wird aber trotzdem haben Pearl Jam irgendwie ein wenig an Biss verloren. Ich sage das als Jemand, der alle Alben gekauft hat, der mittlerweile sechs Live-Alben/Mitschnitte besitzt (zwei weitere laden gerade auf meinen Rechner (Bonus-Content)), eine B-Side Compilation und zwei DVDs.

Pearl Jam sind grandios, vor allem live. Aber so langsam schleicht sich das Gefühl ein, dass das zu großen Teilen auch daran liegt, dass live auch sehr stark dem alten Zeug gewidmet ist. Lassen sich Pearl Jam hier nur noch für ihre Vergangenheit feiern?

Backspacer ist ein wirklich gutes Rockalbum. Keine schlechten Songs, keine Experimente, die sonst häufig mitten im Album auf einen lauerten, keine Schreibmaschienentipperei in einem Hidden-Track; nicht mal ein Hidden-Track (positiv!). 100 % Pearl Jam, weiterentwickelt zum Besseren aber dennoch irgendwie nicht das, was ich mir im Vorfeld erhofft hätte. Man hat es sicher schon gemerkt, dann mehr als “Gut” wollte mir irgendwie kaum von der Hand gehen bei der Beschreibung.

Hier noch als Nachschub das angesprochene Making-Of zum Album. Absolut sehenswert, vor allem für Fans.

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