Recently Released | My Glorious – Inside my Head is a scary Place

Eine Email in meinem Postfach machte mich vor einigen Wochen auf das zweite Release von der Wiener Band My Glorious aufmerksam. Mein Interesse war sofort geweckt, hatte ich doch schon in der Rezension von Home is where your Heart breaks das Gefühl, dass My Glorious viel Potenzial zu großer Musik haben. Eine kurze Anfrage und das Album war auf dem Weg zu mir. Mittlerweile hatte ich ausreichend Gelegenheit, den zweiten Longplayer ausführlich zu genießen.

Man soll es zwar nicht tun, aber ich möchte gleich mal ein wenig Fazit vorwegnehmen: Das Album ist richtig gut geworden. Deutlich besser als das Debut und vor allem endlich auch angemessen produziert. Schon die ersten Töne vom ersten Track Minefield schaffen es, die Aufmerksamkeit voll auf die Musik zu lenken. Der Song fängt mit einer fantastisch schönen Disharmonie der Gitarre an, lässt sogleich geradezu ungeduldig das Schlagzeug Spannung erzeugen und zeigt sich dann druckvoll, aber mit viel Bedacht und vor allem Liebe zum klanglichen Detail arrangiert und produziert. Das Tanzbein juckt sofort, der Refrain ist eingängig genug, dass man schon beim zweiten Einsetzen das Gefühl hat Mitsingen zu müssen. Ein fantastischer Start in das zweite Album. I love what I feel kommt darauf etwas poppiger daher, rhytmisch untermalt durch dezente Synthiesounds, gezielt pointierten Gitarrenriffs und einem treibenden Rythmus steht der Song dem Opener in Nichts nach.

Wer sich bis hier noch nicht ganz mit dem Album anfreunden konnte, der kann bei Flower sicher nicht mehr widerstehen. Ein Midtempo-Gitarrenpicking wird durch eine wundervoll melancholische Melodie unterlegt; die Drums dezent zurückgenommen und doch voll präsent, ist der Song absolut perfekt produziert und extrem stimmungsvoll. Es fällt auf, dass die Band es mittlerweile viel besser versteht, auch die gesanglichen Aspekte besser einzusetzen. Das kann auch bei It’s only Love festgestellt werden. Der Song ist wieder rockiger und kann mit griffigem Refrain und starker Strophe auf Anhieb überzeugen.

So geht es auch weiter: A heart on Fire lässt zunächst den Bass die Führung übernehmen und schiebt ordentlich nach vor. Refrain: tausend Punkte; stadiontauglich wie die Wutz! I held a Gun nimmt das Tempo dann komplett raus. Stützt sich erst voll auf den Gesang, lässt dann ganz organisch die Instrumente nach und nach die Führung übernehmen und steigert den Song zu bis zur Ekstase und wieder zurück. Ganz ehrlich, wer da nicht drin aufgehen kann, dem ist nicht mehr zu helfen. Pop my Vein steigert wieder das Tempo und den Schalldruck. Der Bass regiert und treibt, der Gesang ist angemessen düster und treibt dann in einen Refrain, der mir fast einen Tick zu brav und glatt ist. Der Song behauptet sich zwar dank der starken Strophe und einer sehr guten Bridge, gehört aber nicht ganz zu meinen Favoriten.

Druckvoll und getrieben geht es bei God made Man then Man made God weiter. Die Melodie hat es mir irgendwie angetan und es wird auch wieder hemmungslos drauf los gerockt. Wie gut es mir gefällt, wenn man seinem Verzerrer genügend Auslauf gibt kann ich gar nicht oft genug sagen. My Glorious machen in dieser Hinsicht Alles richtig; Kopfschütteln (die gute Variante) ist hier obligatorisch. Mit When I call your Name wird es geradezu balladesk. Das Gitarrenpicking weckt Erinnerung an alte Guns’n’Roses-Zeiten. Die brachialen Drums dazu runden das Bild ab. Auch am Hall wird hier nicht gespart und dank gutem Songwriting funktioniert die Nummer prächtig. Chorale (The Empty Space) entfernt sich dennoch wieder vom Produktionsrock der 90er und setzt den ebenso ruhigen Indierock-kontrapunkt. Durchgehende Zweistimmigkeit und Songstruktur erinnern an den österreichischen Kollegen Fuzzman. Der Song lässt bei mir wieder keine Wünsche offen. Wird ekstatisch gesteigert und ist konsequent geschrieben und umgesetzt. Perfekt.

A Crook. A Creep. A Thief. arbeitet wieder mit mehr Druck, Hall und schafft es trotzdem, dass man sein Feuerzeug, bzw. mittlerweile sein Smartphone, in die dunkle Nacht halten möchte. The World is Telling Me deutet dann das Ende des Albums schon an. Man fühlt, dass die Reise gleich zu Ende gehen wird und so passt die Melancholie und Verletzlichkeit, die der Song ausstrahlt einfach 100 %-ig. Besonders schön ist, das die Gesangsstimme fein dosiert manche Töne knapp verfehlt und so dem Song enorm an Authentizität verleiht. Der Refrain wird dann quasi von der Gitarre gesungen und so blöd das auch klingen mag, ist das genau das Richtige an dieser Stelle, gibt Zeit und Raum zum Genießen, Schwelgen und Entspannen. Outro bringt dann rein Piano-instrumental die Platte zu Ende. Ein Abspann läuft vor dem gesitigen Auge, lässt die Stimmungen der Platte nochmal Revue passieren. Es wächst die Ungeduld, die Platte wieder von vorn zu Hören. Die fast zweiminütige Pause und der Hidden Track (Schlafliedchen) führen zu Abzügen in der B-Note. Sei’s drum.

Das Fazit wurde zwar schon vorweggenommen, muss hier aber nochmal begründet und ausgeführt werden: Inside my Head is a scary Place ist ein grandioses Alternative-Rock Album. My Glorious machen alles richtig und bekommen endlich auch die Produktion, die sie verdienen. Die Band ist musikalisch um zwei bis drei Größen gewachsen, ist sich dabei stilistisch treu geblieben und konnte sogar in Punkto Songwriting noch zulegen. Das Album gönnt sich keine Fehler oder Lieblosigkeiten, steckt voller Leidenschaft und Herzblut, bleibt vom ersten bis zum letzten Takt hochspannend und hat dazu das Potenzial Alternative Rock ins Radio zu tragen. Kurzum: Ich liebe die Scheibe. Empfehlung: Kaufen!

 

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