Recently Released | Lo Fat Orchestra – The Second Word is Love

Urlaub in Polen. Das wäre mein erster Gedanke gewesen, wüsste ich nicht, dass ich mir ja selbst das Lo Fat Orchestra ins Laufwerk gelegt habe. Eigentlich ist das eine Lüge; nicht das mit dem Laufwerk, aber das mit dem Konjunktiv. Urlaub in Polen, dachte ich, obwohl ich die CD des Lo Fat Orchestra selbst ins Laufwerk gelegt hatte. So wird ein Schuh draus.

The Second Word is Love. Ist eine Ansammlung von zehn Songs, die eigentlich gar nicht so Indie-Electro-Pop-Rockig sein müssten wie sie es sind, denn es sind allesamt Songs, die auch in der Elektrodisco nicht weiter auffallen würden. Es klingt in der Tat wie eine Mischung aus Urlaub in Polen (ja, das ist eine Band) und erinnert auch immer wieder stark an die Woog Riots. Ich würde für den Stil gerne Avantgarde-IndiePop als Begriff prägen, das Label Sounds of Subterrania! nutzt die Einordnung Elektronik Garagesoul. Nicht, dass das selbsterklärender wäre. Das Faszinierende dabei ist: es funktioniert prächtig.

Irgendwie verfolgt die Musik mit Ihren wenigen aber wahrscheinlich gut durchdachten Textzeilen einen scheinbar nihilistischen Ansatz. Zumindest sorgt die ständige Wiederholung der Lyrics für diesen Eindruck. Dieser wird insbesondere dadurch verstärkt, dass die Musik selbst kaum Emotionen zu verbreiten scheint. Die Musik ist da, sie transportiert im Zweifelsfall mit hohem Beat, viel Bass, viel Drums und viel Klangexperiment vor allem Tanzlaune, schert sich aber nur sehr bedingt um das, was die Stimme Christoph Schmids so an Message transportieren möchte. Und wieder: Das Faszinierende ist, es funktioniert prächtig.

Rein instrumental betrachtet brechen die Songs mit vielen Hörgewohnheiten. Das ist jetzt in sich nicht ganz so radikal, denn es gab schon andere, die ähnlich die Gewohnheiten brachen, aber für die Meisten dürfte der musikalische Ansatz doch noch eher neu sein. Der Bass ist das Hauptinstrument, die Beats des Drumsets setzen dem Ganzen ein ordentliches Gerüst auf. Der Rest darf froh sein, dass er mitmachen durfte. Man könnte meinen es geht hier um einen Elektro-Act, aber die Musik ist erfreulich handgemacht und atmet in jeder Sekunde die geistige Nähe zum Rock. Dennoch sind die oft effektbeladenen  Gitarren, Keyboards, auch mal die Streicher oder die Background-Sängerinnen eigentlich nur experimtierfreudig eingestezte Staffage. Man ahnt es schon: Das Faszinierende ist, es funktioniert prächtig.

Die Songs reißen einen mit, die Hooklines greifen schnell und ohne Sicherheitsabfrage zu und lassen einen im Zuhören nicht mehr los. Über allem steht dieses nicht zu vermeidende Gefühl, dass man Tanzen sollte, um der Musik den gebührenden Respekt zu erweisen. Sicher wird The Second Word is Love nicht für Jeden das Richtige sein; die Frage ist mal wieder wie weit man gewillt ist, den Tellerrand hinter sich zu lassen. Mit ein wenig Mut kann man aber dank dem Lo Fat Orchestra eine große weite Welt nur knapp hinter dem eigenen Gitarrengeschrammelsuppenteller finden. Meine Empfehlung: Ausprobieren! Besonders bei The Band is Broke.


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