Recently Released | Green Day – 21st Century Breakdown

Sie haben es wieder getan, schon zum achten Mal um hier mal mitzuzählen. Green Day waren mal wieder kreativ und legen nach ihrem Überraschungserfolg American Idiot nach. Das ist kein einfacher Release für die Band. Nach dem Megaerfolg von Dookie verschwand die Band fast schon wieder komplett in der Senke, hatte zumindest hierzulande keinen wirklichen kommerziellen Erfolg, mal von der Single Time of Your Life (Good Riddance) vom Album Nimrod abgesehen.

Mit dem Erscheinen von American Idiot war Green Day wieder da. Das Album war ein kompletter Erfolg und strotzte nur so vor Kraft und Wut und wurde vor allem deshalb eindlich wieder ein Volltreffer. Besonders die stringente Konzeption hinter dem Album erreichte auch bei großen Zweiflern sehr gute Kritiken und schaffte für Green Day einen Ausweg aus der Schaffenskrise.

So gesehen stehen die drei Jungs aus Kalifornien mit 21st Century Breakdown mächtig unter Druck. Zum Einen müssen sie versuchen, nicht wieder in der Belanglosigkeit zu verschwinden und den Erfolg von American Idiot zumindest wieder bestätigen, zum Anderen müssen sie aber auch aufpassen, nicht einfach einen Klon von American Idiot aufzusetzen. Nun, an letzterem scheinen Green Day auf den ersten Blick zu scheitern: Wieder einmal ist das Album als Konzeptalbum beworben, es gibt wieder ein durchgängiges Thema und schon der Albumtitel klingt massiv nach Gesellschaftskritik. Auf die Thematik will ich aber nicht weiter eingehen, denn hier soll jedem der eigene Interpretationsspielraum offen bleiben.

Also auf zur Musik: Zugegeben, ich war nach dem ersten Durchlauf enttäuscht. 21st Century Breakdown klingt wesentlich ausgeglichener als sein Vorgänger. Keine Spur von ausufernder Wut, nicht dieses durchgehend hohe Tempo, das mir auf American Idiot besonders gefallen hatte und auch sonst keine klanglichen Ausbrüche aus dem Green Day Universum. Das hinterlässt zunächst den schalen Eindruck eines sehr berechnenden Songwritings mit der Maßgabe wenig Risiko, viel Erfolg. Mit der Zeit und der Anzahl der Durchläufe erlangt aber 21st Century Breakdown mehr Tiefe und Eigenständigkeit. Der Vergleich zu American Idiot drängt sich aber zwangsläufig auf, deshalb vergleichen wir doch einfach mal.

21st Century Breakdown ist gut und gerne 10 Minuten länger als American Idiot, hat mit 18 Tracks mehr Titel als der Vorgänger (zumindest sofern man die Sätze bei AI nicht mitzählt) und ist musikalisch sowie atmosphärisch vielfältiger. Green Day versuchen ihr Songwriting auszubauen und das wirkt bisweilen (oder bis man sich daran gewöhnt hat) etwas bemüht auf Mainstream gemünzt. Teilweise kommen Zweifel auf, ob man solche Bemühungen von einer Band wie Green Day überhaupt erwartet bzw. hören will.

Ansonsten erfreut man sich über mal mehr, mal weniger punkige Nummer die allesamt aber wenig gefährlich wirken. Einige Songfragmente erinnern bisweilen sehr stark an Songs anderer Green Day Alben, was aber beim Punk nach acht Alben vermutlich nie zu vermeiden ist. Dennoch könnte 21st Century Breakdown hier und da auch als Best-of -Medley durchgehen, wenn man nicht aufmerksam zuhört. Die gute Nachricht ist aber, dass es wirklich keine schlechten Stücke auf dem Album gibt. Alle Songs klingen unverkennbar nach Green Day. Wer die Band bisher liebte wird auch nach dem Album nicht anders denken. Gleiches gilt wohl auch für Leute die mit Green Day nie was anfangen konnten.

Alles in allem bin ich hier wohl etwas zu kritisch an das Album herangegangen, deshalb muss ich hier im Fazit mal wieder etwas zurückrudern. 21st Century Breakdown ist ein wirklich gutes Album, dass mit Sicherheit zu den besseren der Band gehört. Das Kennenlernen viel mir hier und da etwas schwer, weil das Album vielleicht ein wenig zu sehr gefallen möchte, dabei hätte es die Schminke gar nicht nötig, denn Schönheit ist in Masse vorhanden. Kleine Abzüge gibt es nur im Vergleich zu American Idiot weil Green Day 2009 die Wut und ein bißchen die Energie zu fehlen scheinen, die AI so unaufhaltsam vorantrieben. Green Day 09 sind wieder etwas sanfter geworden, vielleicht auch etwas ernsthafter und überlegter aber mit Sicherheit nicht schlechter als vor fünf Jahren. Zur Bedeutungslosigkeit ist es in jedem Fall ein weiter Weg und das ist auch gut so.

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