Recently Released | Alice in Chains – Black gives way to Blue

Es war eine große Überraschung für mich. Nicht so sehr, dass Alice in Chains tatsächlich ein neues Album herausbringen würden. Das war ja hinlänglich bekannt und angekündigt. Aber der erste Höreindruck war schlichtweg richtig gut.

Nun, mittlerweile nenne ich das Album einer der letzten Bands des Grunge mein eigen und kann sagen, dass sich der erste Eindruck auch beim weiteren Hinhören bestätigt. Alice in Chains klingen so deutlich nach Alice in Chains, dass es fast schon unheimlich ist. Immerhin hat die Band sich zwischenzeitlich um Ersatz für den verstorbenen Frontmann Layne Staley kümmern müssen. Genau genommen war die Band faktisch sogar aufgelöst. Mastermind Jerry Cantrell traf im Rahmen seiner Solotätigkeiten aber auf  William DuVall und erkannte offenbar sofort das Talent und die Gelegenheit für die Grunge-Band aus der zweiten Reihe.

DuVall schafft es tatsächlich, seinem Vorgänger das Wasser zu reichen und ergänzt die Band auch sonst wunderbar. So klingen Alice in Chains erfreulich vertraut und haben es vor allem überhaupt nicht nötig, einen neuen Sound zu entwickeln. Darüber sind schon viele andere Bands gestolpert, die Kernmitglieder zu ersetzen hatten. Hier liegt die eigentliche Stärke von Black gives Way to Blue. Im Grunde hätte dieses Album auch ohne aufzufallen schon vor 10 Jahren in den Läden stehen können.

Die Songs haben diesen typischen zähen Rockriff-Sound, wie ihn nur AIC aus den Instrumenten leiern. Langsame, stapfende Rythmen, musikalisch ganz nah am Metal aber dann doch gut genug um tatsächlich Alternative Rock, ja sogar 2009 noch Grunge, zu sein. Einige Songs erinnern sehr deutlich an Tracks aus den Vorgängeralben, andere deuten vorsichtig eine Entwicklung in Richtung musikalische Integration von William DuVall an, aber selbst die klingen unnachahmlich nach Alice in Chains.

So stampft das Album von einem Highlight zum nächsten. Längst vergessen geglaubter Sound wird wieder zum Leben erweckt und funktioniert dann auch noch so gut wie eh und je. Zumindest wenn man schon in den 90ern gefallen an Alice In Chains Grunge-Auffassung gefunden hatte. Insofern ist das Album auch ein Stückchen Nostalgie (bin ich tatsächlich schon so alt?). Greift sogar Soundfetzen auf, die mich an die Stone Temple Pilots erinnern (A Looking in View). Ich bin aber trotz all der Erinnerung an “früher” der festen Überzeugung, dass die Musik auch heute noch wunderbar ist und ihre neuen Fans finden wird. Die Band hat einfach ihr musikalisches Potenzial bis heute nicht voll ausgeschöpft und könnte uns noch die ein oder andere positive Überraschung liefern.

Unter diese Kategorie dürfte auch der Gastauftritt von Elton John fallen, der auf dem Titelstück und gleichzeitig letztem Song des Albums die Pianotasten bedient. Ob so etwas auch schon in den Neunzigern denkbar gewesen wäre wage ich fast zu bezweifeln. Das Stück jedenfalls ist ein würdiges Ende eines hervorragenden Albums und der vielleicht größten Release-Überraschung, die dieses Jahr sehen wird.

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