Retrozension | Nirvana – In Utero

Nirvana - In UteroZu Nirvana muss man eigentlich keine Einführung verfassen. Ihr Album Nevermind brachte mit einem Schlag die Grunge-Bewegung ins Bewusstsein einer ganzen Generation. Zugegeben, an mir ging dieser Hype damals fast gänzlich vorbei. Ich war aber auch erst neun Jahre alt und kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass mir der Song Smells Like Teen Spirit damals jedesmal tierisch auf die Nerven ging, wenn er aus dem Kassettenspieler meiner Schwestern schmetterte.

Nie hätte Ich damals geglaubt, dass meine erste selbst gekaufte CD einmal von Nirvana stammen könnte. Aber nachdem ich zwischenzeitlich den Geschmack an Rockmusik entdeckt hatte – Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass das über Guns ‘n Roses geschehen ist – und auch Nirvana sich in mein Herz gespielt hatten, war ich bereit für meinen ersten CD-Kauf: In Utero von Nirvana musste es sein.

Was einen auf In Utero erwartet ist insgesamt deutlich weniger Mainstream als noch auf Nevermind. Schon der Opener Serve the Servants ist knüppelhart und kann Eltern in den Wahnsinn treiben 😉 . Noch härter kommt auch gleich der nächste Song Scentless Apprentice daher. Spätestens hier muss einem klar sein, dass In Utero kein Nevermind II geworden ist. Und das ist auch gut so. Die Band klingt wesentlich direkter, weniger produziert und eigentlich fast nach einem Live-Mitschnitt. Eigentlich ein logischer Entwicklungsschritt, wenn man Cobains Abneigung zur produktionsüberladenen Rockmusik aus den 80er-Jahren betrachtet.
Für Fans des Nevermind-Stils gibt es aber auch ein paar gewohntere Klänge. Die Single Heart-Shaped Box beispielsweise verwöhnt mit einem insgesamt sehr ruhigen und melodiösem Gesamteindruck. Das darauf folgende Rape Me klingt in den ersten Takten gar fast gänzlich nach Smells Like Teen Spirit. In gewohnte Bahnen führen auch die Songs Pennyroyal Tea und All Apologies. Dafür setzen Milk It und Radio Friendly Unit Shifter wieder auf den harten, hardcore-lastigen Sound der Anfangstracks. Insgesamt eine sehr ausgewogene Mischung zwischen Wut und Melancholie, nicht ganz ohne Hoffnungsschimmer, aber doch immer voll brückenspringertauglich.

In Utero insgesamt ist für mich inzwischen kein alltagstaugliches Album mehr. Man muss einfach in der richtigen Stimmung sein, und vor allem bewusst zuhören, um die volle Qualität des Albums zu erfassen. Dennoch ist das Album äußerst stark, äußerst direkt und wahrscheinlich mehr Nirvana als Nevermind je sein kann. Den Status seines Vorgängers hat das Album dennoch, oder gerade deshalb nie erreicht. Als Nirvana-Fan kann man jedoch nicht darauf verzichten und auch Liebhaber von Seattles Musikszene kommen um dieses Album sicher nicht herum.

Meine Wertung:

rating 4 star

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