In The Press | Muse – The Resistance

Es scheint die Meinungen zu Muses Widerstandsbewegung sind doch sehr geteilt, deshalb dachte ich mir es wäre doch mal nett, hier ein wenig zusammenzutragen, was andere Blogger und Magazine so vom neuen Machwerk der drei Engländer so halten.

Fangen wir mal mit der Kritik auf laut.de an:

Hier kommt das Album mit einer Wertung von 4 von 5 eigentlich ziemlich gut weg. Natürlich wird auch hier die offensichtliche Nähe zu Queen angesprochen:

“Von Queen lassen sich Muse auf “The Resistance” nicht nur beeinflussen: Man hört ganze, wundervoll verarbeitete Zitate in Songs wie “United States Of Eurasia” oder “Exogenesis: Symphony Part 2” heraus. Daraus erwächst ein perfekter Pomp, den die Band in verschiedenen Stilrichtungen ausformuliert.”

Das deckt sich im großen und ganzen mit meiner Meinung. Im Fazit heißt es weiter:

“Bei all den großen Tönen geht zum Glück das Wichtigste nie verloren: Der emotionale Moment – Muse berühren musikalisch und lyrisch in nahezu jedem Song. Sie erfüllen den Hörer mit einer beglückenden Schwere, einer emotionalen Fülle, mit Gänsehaut-Atmosphäre.”

Die Rezension in Gänze findet sich übrigens hier.

Mit fünf von 10 möglichen Punkten schneidet der Longplayer bei Nicorola schon deutlich weniger gut ab:

“Seit Freitag höre ich nun immer wieder das neue Werk des Trios um Matthew Bellamy. (…) Dabei überkommt mich allerdings jedes Mal ein unterschwelliges Gefühl des kalten Grauens, denn was Muse dieses Mal abliefern, das ist verdammt nah an der Schmerzgrenze. Diese Mischung aus Queen- und Depeche Mode-Reminiszenzen, klassischen Pianoparts, breitbeinigen Schweinerock-Riffs und Gitarrensolos ist schwer zu ertragen.”

Harte Worte, aber ich kann trotz meiner Begeisterung für The Resistance verstehen, was gemeint ist. Das Fazit klingt entsprechend wenig begeistert aber doch ziemlich fair so:

“Ich bin mir nicht sicher, ob ich “The Resistance” für einen mit Zucker überzogenen Haufen Scheisse, ein geniales Opus oder einfach nur ein neues Muse-Album halten soll. Beim letzten Werk schrieb ich noch: “Meine Fresse, das ist objektiv betrachtet eine einzige gequirlte Kacke. Aber die Fans werden es lieben. Und deswegen werde ich spätestens jetzt auch einer. Subjektiv ein Meisterwerk!”

Dieses Mal bin ich mir da nicht sicher. Ich brauche noch mindestens 10 Durchläufe, um mich mit dieser Platte anzufreunden. Und ich weiß nicht, ob ich das durchhalte. Vorerst unschlüssige 5 Punkte.”

Hier gibts den ganzen Text zum Nachlesen.

Jetzt wirds hart für alle Muse-Fans. Deutschlands wohl bestes Musikblog (meine Meinung) schallgrenzen.de zerreißt förmlich, was andere momentan begeistert. Drei Autoren beteiligen sich am Soundcheck und die Meinung ist einhellig vernichtend. Zuerst Benedikt:

“… Aber was in aller Welt hat Herrn Bellamy getrieben, sich dermassen intensiv in offensichtlicher Zitatsucht quer durch alle Zeiten und Stile, schwülstigen Pathos und Klischees, opulenten Bombast und letztendlich anschreiend aufdringlicher Belanglosigkeit zu verlieren? Und was will Bel Ami uns mit diesem Album eigentlich sagen? Seht her, was ich alles kann und wieviel Spaß ich dabei habe? Eigentlich bin ich Chopin, König Ludwig II, Johann Strauss, Freddie Mercury, Timbaland, Abba, Led Zeppelin, Depeche Mode und Suzi Quatro in einem. …”

Zumnindest liest es sich lusitg. Gleich im Anschluss Tux:

“Die wenigen Momente auf “The Resistance”, die sich tatsächlich für gutes Liedmaterial eignen würden (”Mk Ultra”), werden ruiniert, sobald der “Gesang” einsetzt. Ich hielt ja schon Brian Molko für unerträglich weinerlich, aber gegen Matthew Bellamy und seine ewig gedehnten Vokale (so spart man sich natürlich auch schlaue Texte, wenn man durch so was die Leute davon abhält, auf sie zu achten) ist Placebo eine wahre Wohltat. …”

Und zu guter Letzt Peter, der Hausherr auf schallgrenzen.de, mit einem kaum überraschenden Vernichtungsschlag:

“Für Jemanden, der unter Analgesie leidet, mag das Album unschädlich sein, dem Gesunden droht Ungemach. In aller Deutlichkeit: Katzendreck. Ich sag’s nicht gern, aber nach mehreren Hördurchgängen fühle ich nur noch körperlichen Schmerz und Erschöpfung pur. “The Resistance” ist des Wahnsinns fette Beute. Grössenwahnsinnger, pompöser, aufgepumpter und sinnleerer Orchestral-Pop, der nichts mit den genialen Werken “Showbiz” und “Origin Of Symmetry” zu tun hat. …”

Hier das Original.

Zur kurzen Klärung für alle, deren griechisch nicht sattelfest ist: Analgesie ist der Fachausdruck für ein Leiden, bei dem man aufgrund von Nervenschäden schmerzunempfindlich ist.

Mich überrascht an der Kritik von Peter übrigens keineswegs, dass er The Resistance nicht mag – ist er doch erklärter Radiohead-Schmäher wegen Thom Yorks gesanglicher Leistung. Da Matthew Bellamy da oft unglaublich dicht dran war also keine Verwunderung meinerseits. Bemerkenswert finde ich aber immerhin, das Showbiz und Origin of Symmetry hier quasi im Nebensatz geadelt werden. Und das wo genau diese beiden Alben meiner Meinung nach noch am nächsten an den frühen Radiohead dran sind. Kleine geschmackliche Inkonsequenz also Herr Rehbein, oder wie ist das zu verstehen?

Nun, was soll die kleine Presseschau uns sagen?. Zum Ersten, dass Musik einfach ganz eindeutig Geschmackssache ist. In vielen Einschätzungen habe ich bisher festgestellt, dass mein Geschmack sich mit Nico und Peter decken oder zumindest nicht gänzlich auseinander liegen, offenbar gibt es aber auch gravierende Unterschiede in anderen Fällen. Aber alles in allem finde ich gerade das interessant. Ein und dasselbe Album wird eben von jedem komplett anders gehört, anders verstanden, ander aufgenommen und genau das macht doch irgendwo den Reiz von Musik aus. Fest steht, dass die Musikbloggingszene in Deutschland zumindest für den Rock- und Indiebereich gut zu funktionieren scheint.

Ich fand es zumindest amüsant, erhellend und vor allem auch spannend, andere Meinungen zu The Resistance zu lesen. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst, aber ich kann die Kritik am Album dennoch nachvollziehen. Eines darf in jedem Fall gesagt werden: Das Album polarisiert, und das an sich ist meist schon ein sehr vielversprechender Ansatz Musik zu machen. Einheitsgedudel, dass im Hintergrund trällert gibt es schließlich mehr als uns allen lieb ist.

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