Snippets | The Miserable Rich – 12 Ways to Count

Zur Vorbereitung auf meine Rezension für das Dritte Album von The Miserable Rich, Miss You in the Days,habe ich mich auf dem für mich immer noch neuen Medium Musikstreaming auf die Band eingestimmt und dabei mit 12 Ways to Count ein wundervolles Erstlingswerk entdeckt, das sich wunderbar in der neuen Kurz-Rezensionsrubrik Snippets vorstellen lässt.

Viele werden es schon wissen, aber es ist doch unbedingt zu bemerken, dass The Miserable Rich eine Band sind/waren, die eines zentral anders machen als andere: Auf ein Schlagzeug wird (fast) durchgehend verzichtet. Klar, man findet die Akustikklampfe, den Bass (vermutlich Kontra-), Gesang – aber eben keine Drums als Dauerbegleitung. Interessanterweise geht das aber sogar wirklich gut. Das liegt sicher daran, dass die sehr stilprägend eingesetzten Streicher den Alternative Folk der Band sehr stark ins Chansonhafte rücken und eine ungleubliche dichte Rythmusarbeit zu leisten vermögen.

Das Ergebnis ist herzerwärmend schön, musikalisch hoch spannend und in jedem Fall sehr anders als das Meiste was ich bisher so an Alternativebands gehört hatte. The Miserable Rich sind eine ganze Ecke skuriller als andere Folkrocker. 12 Ways to Count, ebenso wie das neue Album Miss You in the Days, beweisen mit musikalischer Finesse sehr eindrucksvoll, das Rockmusik nicht über verzerrte Gitarren zu definieren ist.

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Snippets | Museé Mécanique – Hold this Ghost

Museé Mécanique, diesen poetisch klingenden Namen eines Museums am Fisherman’s Wharf hat sich ein Quintett aus Portland, Oregon gegeben. Das damit gleichnamige Museum stellt alte Musikautomaten aus, die Band verschreibt sich computerfreien Soundbasteleien mit einem Touch von Gestern. Sphärisch, entspannt, irgendwo zwischen Zufriedenheit und Melancholie ist diese Musik verortet. Sicher Nichts, um eine Party in Schwung zu bringen – für einen romantischen Abend zu zweit kann es aber genau das Richtige sein.

Museé Méchanique bemühen sich erst gar nicht, viel dynamische Varianz ins Spiel zu bringen. Statt dessen vertiefen Sie sich in der dezenten Schräge ihrer Klanggebilde. Die Songs sind fragil, durchdacht, minmalistisch und verträumt. Der Gesang führt immer gefühlvoll, fast ein wenig entrückt durch diese klanglichen Wunderwelten. Die Instrumentierung ist im Kern klassisch; Gitarre, Bass, Schlagzeug, wird aber immer wieder atmosphärisch ergänzt durch eher ungewöhnliche Instrumente. Da gibt es allerlei Gebimmel, Getute, Geflöte und meinen Favorit, eine Säge, die immer wieder Vintage-UFO-Stimmung verbreiten darf.

Das alles fügt sich extrem leichtfüßig und organisch zusammen, dass es fast scheint als hätten sich die Songs von selbst geschrieben. Immerhin zehn davon wurden auf Hold this Ghost zu einem Longplayer zusammengestellt, der ein wenig wie ein besseres Matt Costa-Album klingt, oder so, als hätten sich Akron/Family dazu durchgerungen auf ihre Verrücktheit zu verzichten und sich dem Folksongwriting zu widmen. Trotz des konsequent niedrig gehaltenen Tempos und der immer verträumt wirkenden Songs macht das Album mit seiner Ideenvielfalt viel her. Die Songs sind zum Genießen, zum Innehalten, zum Wegträumen – zerbrechliche Gebilde die in ihrer Intensität tief bewegen, wenn man sie lässt. Eine tolle Entdeckung!

 

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