Seen Live | Portugal. The Man – Substage, Karlsruhe – 2011/11/27

Im Gründe ist es schon eine schöne Tradition geworden: Portugal. The Man bringen jährlich ein neues Album auf den Markt und ich kaufe es, bin enttäuscht, und gehe dann doch zum Konzert, um dann doch wieder begeistert zu sein. So lief es auch in diesem Jahr. Allerdings muss ich zugeben, dass die Enttäuschung über die Alben von Jahr zu Jahr wächst. Das letzte Werk In the Mountain in the Clouds wurde hoch gelobt, doch nach meinem Eindruck fast ausschließlich von Ersthörern der Band aus Alaska. Fest steht, es war eines der schwächsten Alben die Portugal. The Man bisher veröffentlicht haben. Das liegt zum Einen daran, dass die Band noch immer nicht den richtigen Produzenten gefunden hat, zum anderen mache ich es an der Person Ryan Neighbors fest, der mit seinem Keyboardmatsch den Sound der Band meist schon im Ansatz zerstört. Harte Worte, aber der Beweis kam wieder einmal live.

Gerade bei den alten Songs ist immer wieder festzustellen, dass es Ryan nicht möglich zu sein scheint, sich einfach einmal zurückzuhalten. Die Songs der alten Alben waren bekanntermaßen längst nicht so keyboardlastig, wie es die neuen Songs sind. Dennoch spielt er auch bei diesen Songs in wirklich grenzwärtigen Sounds einen kontinuierlichen Soundteppich, der einen die guten Gitarrenarrangements fast vergessen lässt.
Das mal bei Seite haben Portugal. The Man wieder einmal bewiesen, dass sie eine geniale Liveband sind.

Gespielt wurde viel Material auch der “alten” Alben und auch die neuen Songs konnten live wesentlich besser überzeugen, als dies auf dem Longplayer der Fall ist. So konnte auch ein kleiner Zwischenfall den Abend nicht ruinieren: John Gourley verschwand nämlich nach gut Dreivierteln des Sets plötzlich von der Bühne, nachdem er schon zuvor, sehr untypisch für Ihn, gelegentliche Aussetzer im Gesang hatte. Offenbar ging es ihm nicht sonderlich gut. Spätere Tweets seinerseits deuten darauf hin, dass Lampenfieber der Grund gewesen sein könnte. Nach einer etwa zehnminütigen Pause kam die Band dann aber wieder auf die Bühne und brachte noch einige Songs, die den Abend abrundeten. Auf eine Zugabe wurde verzichtet, aber von Zugaben hat die Band auch in der Vergangenheit schon meist nicht allzuviel gehalten.

Alles in allem ein gelungener Abend, der die Stärke der Band herauszustellen vermochte und trotz einiger Schwächen niemanden wirklich enttäuscht zurück lassen musste. Dennoch: es gab auch schon bessere Konzerte mit Portugal. The Man.

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Seen Live | My Glorious / Jupiter Jones – Konvoi Tour – 29.10.2011 – Substage / Karlsruhe

Licht und Schatten. Wenn der Samstagabend im Substage in Karlsruhe ein eigenes Moto gesucht hätte, dann wäre Licht und Schatten das mit Sicherheit Passendste gewesen. Es spielten auf: Jupiter Jones, die Schreiber und Performer der besten Radionummer, die das Jahr 2011 zu hören bekam, begleitet von My Glorious, dem Wiener Dreier der gerade sein zweites Album auf den Markt gebracht hat und meines Wissens in Deutschland noch keine Airtime bei einer der großen Radiostationen verbuchen konnte.

Gehen wir erst einmal auf den Teil des Abends ein, der für mich eindeutig und unanfechtbar Schatten war: Jupiter Jones. Wenn man dem Auftritt der Fünf-Mann-Combo ein eigene Motto verpassen wollte, dann wäre es dies: Ein Blindes Huhn findet auch mal ein Korn. Dabei standen die Vorzeichen gar nicht schlacht. Wie gesagt, Still ist für mich das beste Radioliedchen des Jahres, die Band konnte mich trotz deutschem Text damit im Sturm für sich gewinnen. Die Band kommt aus Rheinland-Pfalz, auch das weckt bei mir große Sympathien; außerdem ist es eine echte Band: Fünf Freunde, die zusammen musizieren weil es Ihnen Spaß macht. Die Gesangsstimme: kraftvoll und eindringlich; die Instrumentierung: pompös aber gut bedient; die Sounds; knackig und perfekt aufeinander abgestimmt. Selten hab ich einer Gruppe so sehr den Erfolg gegönnt.

Aber was sich dann aber im Substage zeigte, deutete sich schon auf dem aktuellen Album an: Die Songs gibt es in zwei Modi: Vollgas und Leerlauf. Einen Song zu finden, der alleine nur wenigstens zwischen Vollgas und Leerlauf variieren würde ist schon unmöglich. Wer glaubt er fände auch nur Ansätze von Beschleunigungsphasen oder gar Entschleunigung, der hat, man verzeihe mir die Offenheit, schlichtweg keine Ahnung.

So spielte sich Jupiter Jones zur dennoch ungebremsten Freude des Publikums durch ein Set, dass zunächst einmal nur Vollgas kannte, dann ein bißchen im Leerlauf dümpelte, dann wieder Vollgas gab um dann, glücklicherweise vor einer eventuellen Zugabe, Still zu spielen, was, wie gesagt, ein genialer, hoch gefühlvoller, dynamisch abwechslungsreicher und bewegender Song ist. Ich habe an diesem Abend meine Jungfräulichkeit verloren: Ich bin nach Still gegangen. Es war einfach zu öde.

Es tut mir wirklich leid das sagen zu müssen, aber der Auftritt war ansonsten stinklangweilig. Dachte man beim Opener noch es könne ein gutes Konzert werden, war die Illusion spätestens nach dem Dritten nicht differenzierbaren Song dahin und echte Langeweile machte sich breit. Den Großteil des Publikums mag es nicht gestört haben, aber ich habe schon Rockkonzerte erlebt, und gemessen an diesen Standards ging da auch im Publikum Nichts. Nun mag die Menge auch mehrheitlich aus Menschen zusammengestellt worden sein, die sonst eher Konzerte von Herbert Grönemeyer und Xavier Naidoo besuchen. Wer sich aber so sehr als Rockband verkaufen will und dann so weichgespült, ausgelutscht und ideenlos serviert, der findet bei mir keinen Anklang. Assoziationen, die mir während des Konzertes so in den Sinn kamen, liefen über Matthias Reim bis hin zu Pur. Und das geht wirklich gar nicht.

Kommen wir zum Licht: My Glorious. Einzige Enttäuschung war die sehr klare Rolle als Vorband. Hier hätte ich mir einen sozialistischeren Abend gewünscht: Keine Zugabe, ein leider sehr knappes Set, aber eine Band, die vom Start weg überzeugen konnte. Die Dreierkombo aus Drums, Bass und Gitarre und dreifachem Gesang zauberte einen überraschend vollen Klang auf die Bühne. Gespielt wurden überwiegend Songs aus dem neuen Album, es fanden aber auch Songs aus dem Debut den Weg auf die Bühne und funktionierten dort ebenso prächtig. Besonders beeindruckend war, was die Band aus dem recht kurzen Auftritt herausholte und wie wenig sich die Band darum zu scheren schien, dass dies eben nur ein Supportgig war.

My Glorious bewiesen, dass sie auf die Bühne gehören, dass Rockmusik bei Ihnen kein Vorwand für Pop, sondern echte Leidenschaft ist. Und das merkt man auch den Songs an, die echte Gefühle vermitteln konnten, die dynamisch interessant sind und die wirklich mitreißen können. Highlights waren für mich eindeutig die Songs Flower und Minefield, aber auch das zu Dritt ausgeführte Drumsolo gehört zu den Dingen, die in Erinnerung bleiben. Dazwischen bewies die Band sogar noch Humor genug, eine bodenlos schlechte Rezension wortwörtlich zu zitieren und als Überleitung zu nutzen, das Publikum ohne viel Mühe zum Mitsingen zu bewegen.

So gut My Glorious waren, so schnell war der Auftritt leider auch schon zu Ende. Daher meine Forderung an dieser Stelle: Gebt uns eine echte Tour, ihr könnt es und ihr verdient sie!

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Seen Live | Therapy? – Hamburg, Hafenklang – 2009/12/01

Etwas verspätet mittlerweile, muss ich ja hier noch ein wirklich überzeugendes Konzerterlebnis nachreichen. Die altehrwürdigen Therapy? gaben sich die Ehre, vor nicht einmal 200 Leuten im Hamburger Hafenklang zu zeigen, dass es sie auch noch gibt. Klingt sarkastisch, ist aber genau die Reaktion, die ich seit dem von allen Eingeweihten bekomme, wenn ich erzähle ich war bei Therapy?

Traurig? Nun zugegeben, Therapy? haben schon vor deutlich größerem Publikum gespielt, aber fairerweise muss man wohl auch sagen, dass Therapy? schon deutlich bessere Alben auf den Markt geworfen hatten als zuletzt. Der Zenit ist und war wohl immer das immer noch faszinierend eindringliche Troublegum, das für mich immer noch die Highspeed-Platte schlechthin ist. Diese Zeit ist aber nun auch schon eine ganze Menge Jahre her und daher muss man sich wohl kaum wundern, dass die drei Iren lediglich das Hafenklang (fast) voll kriegen.

Davon lassen sich die drei aber offenbar nicht entmutigen. Von Song 1 an sind die drei voll in ihrem Element und wärmen erstmal das Publikum mit alten Hits, vorwiegend von Troublegum, auf. Dabei zeigen Andy Cairns, Mike McKeegan und mittlerweile-Drummer Neil Cooper (der sich angeblich nicht besonders gut fühlte) volle Präsenz, binden von Anfang an ganz offensiv das Publikum mit ein. So ist es nicht verwunderlich, dass es ziemlich schnell zu Stage-Dives und viel gepoge vor der Bühne kam. Highlight dabei war sicherlich der Kerl, der eine Weile vor mir stand, und dabei (vermutlich) seiner Freundin simste, dass er voll am pogen sei – dabei stand im ganzen Raum vermutlich keiner so still wie er. Viele Grüße von mir auf diesem Wege, kleiner Angeber.

Zurück zum eigentlichen Event. Therapy? spielten nach der Aufwärmphase dann auch die ein oder andere Nummer aus dem aktuellen, mir unbekannten Longplayer Crooked Timber. Die Stimmung kühlte dabei ein klein wenig ab, was nicht an den Songs an sich lag sondern eher daran, dass keiner die Songs kannte. Man muss Therapy? aber hoch anrechnen, dass sie Profis genug waren, immer wieder mit Einwürfen aus den alten Zeiten die Menge brodeln zu lassen.

Alles in allem muss man einfach sagen, dass das Konzert wirklich cool war. Soviel bin ich seit langen nicht mehr während eines Konzerts gehopst. Fleißig mitgesungen habe ich auch und so war die ganze Aktion insgesamt ein wirklich cooler abens. Ich muss jetzt auf jeden Fall mal schauen, ob das neue Album vielleicht mal wieder eine Investition wert ist.

Therapy? gibts es auf jeden Fall noch!

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Seen Live | Akron/Family – Studio 672 Köln/18. November 2009

Keinen Aufwand scheute ich diesen Mittwoch, um im Auftrag des Popkillers Akron/Family live zu sehen. Einziges Konzert der Band, das halbwegs in meiner “Nähe” stattfand, war der dieswöchige Auftritt in Köln im Studio 672. Nun, zum Einen wurde die Tour vom Popkiller präsentiert, zum Anderen muss ich sagen, dass das Album der drei Amis für mich das absolute Releasehighlight des Jahres ist.

Es war daher sozusagen erste Bloggerpflicht, auch einen etwas größeren Aufwand in Kauf zu nehmen, um die Band live erleben zu können. Aufwand hieß in diesem Fall nach der Arbeit in den Zug, dann ins Auto, 260 km, 2h 45 min Fahrtzeit und 10 Autobahnbaustellen (Danke, Konjunkturpaket) in Kauf zu nehmen, um den Weg nach Köln zu bewältigen. Der Bericht zum Konzert ist bereits seit gestern auf Popkiller.de zu lesen, und wird nun auch noch hier nachgereicht. Benjamin von Popkiller (ja, das bin ich) schreibt also:

So richtig lässt sich gar nicht beschreiben, was da gestern im Studio 627 in Köln passierte. Gegen viertel vor zehn betraten drei schüchtern wirkende, bärtige Musiker die Bühne, ohne großes Tamtam, fragten erst mal das Publikum, ob es ihm gut ginge, erwähnten noch, dass eigentlich eine Freundin zur Verstärkung mit auf die Bühne kommen sollte, diese aber wegen nicht näher spezifizierter Probleme mit der „Transportation“ es doch nicht schaffte und begannen sogleich, mit Hilfe zahlreicher Livesamples im Endlosloop Schritt für Schritt eine Soundkulisse aufzubauen, die einen zweifeln lies, dass da tatsächlich nur drei Männlein auf der Bühne standen.

Und was für drei Männlein: Optisch wie aus einem schlechten Witz. Treffen sich ein Hippie, einer aus den Achtzigern und ein Computernerd und machen gemeinsam Musik. Und was für Musik. Für mich ohne jeden Zweifel stammt das bislang beste Album des Jahres 2009 von Akron/Family. Nun also das ganze live. Die Eröffnung ist schon eine sehr interessante Wahl: Gravelly Mountains of the Moon, ein Stück, dass man eigentlich nur mit dem Label Programmmusik treffend beschreiben kann. Aber es funktioniert. Das Stück wird auf das Wesentliche eingedampft. Zwei Gitarren, ein Bass und zur Einleitung die bereits erwähnte vielschichtige Soundkulisse, die auch insgesamt das Markenzeichen des Abends werden sollte. Auch der nächste Songs wird als wunderbar ruhige Ballade intoniert; glasklar gespielt, sehr fein abgemischt und von vorn bis hinten der pure Genuss.

Aber Akron/Family können und wollen auch anders: Immer wiederverfallen sie in wildeste Improvisationstiraden, immer mit dem Ziel, eine von Loops geprägte, völlig anarchisch wirkende Soundkulisse aufzuschichten, die – umso erstaunlicher – immer wieder zu Klängen führt, die einem vom Album her bekannt vorkommen. Und so werden aus gelegentlich überlangen und unnötig wirkenden Minuten dann doch wieder nur Intros zum nächsten Stück. Die Übergänge zwischen den Songs, die hauptsächlich aus den beiden letzten Alben Set em Wild, Set em Free und Love is Simple stammen, sind überwiegend fließend. Oft kommt man über mehr als zwanzig Minuten nicht zum Klatschen, denn Akron/Family verschnaufen nur selten, ziehen Ihr Programm mit voller Konzentration durch. So hat man auch immer wieder den Eindruck, dass es sich bei dieser Rock-Orgie eigentlich um ein Jazz-Konzert ohne Jazz handelt. Oder um die Darbietung einer Symphonie.

Fest steht: es ist ein wahrer Genuss, den drei Multiinstrumentalisten zuzusehen. In den Improvisationsphasen kann gelegentlich die ein oder andere Länge entstehen und ob das in jedem Moment noch Musik ist, was da dargeboten wird, oder ob hier doch nur Krach gemacht wird, ist Jedem im Publikum selbst überlassen. Kunst ist es allemal, definitiv kein Pop aber Rock as Rock can be. Ehrlich, rau, experimentell, spannend, mitreißend, laut, auch zu laut, dringlich, genial.

Nach etwas mehr als eineinhalb Stunden ist das Spektakel dann vorbei. Eine Zugabe, Everyone is Guilty, lassen sich Akron/Family noch entlocken, dann gehen die Lichter wieder an und des Spektakel ist vorbei. Die Eindrücke und der Tinnitus aber halten noch eine ganze Weile an.

Soweit der Bericht auf Popkiller. Viel möchte ich dem gar nicht hinzufügen. Der Abend war gut, das Konzert echt ein Erlebnis trotz hier und da der ein oder anderen Länge in den Noise-Improvisationsteilen, aber durch die immer wieder hergestellten Übergänge in die Songs lies sich das auch immer wieder verschmerzen.

Akron/Family überzeugten mich dadurch, dass sie ihre Songs irgendwie komplett demontierten, um sie dann Schicht für Schicht wieder zusammenzusetzen, mal mit mehr Variationen gegenüber den Studioversionen, mal mit Weniger. Das Live-Erlebnis war jedenfalls die kleine Reise wert. Also zurück, 260 km, 10 Baustellen, diesmal nur 2 1/2 Stunden Fahrtzeit und vor allem keine Zugfahrt bis ich um halb drei im Bett lag. Zugegeben, der nächste Tag auf der Arbeit war hart, aber wofür ist man denn noch jung?

Die Deutschlandtour ist leider mit dem Kölnkonzert zu Ende gegangen, wenn die Band aber wieder in die Lande kommt kann ich allen Freunden experimentellen Alternativerocks nur empfehlen hinzugehen.

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Seen Live | Portugal. The Man – Café Central, Weinheim, 2009-07-24

Das Album kam vor einer Woche, gestern kam die Band. Nach Weinheim an der Bergstraße, um genau zu sein. Tags davor gaben Sie sich noch in Saarbrücken ein Stelldichein, die nächsten Termine werden in den USA stattfinden. Die Rede ist natürlich von Portugal. The Man, die es sich nehmen ließen, ihr neues Album nicht nur an der Heimatfront, sondern eben auch in Deutschland zeitnah zu präsentieren. Eine ziemlich große Geste an die deutschen Fans, wie ich finde.

Fangen wir aber von Vorne an: Auffallend auf meinem mittlerweile vierten Besuch bei P.TM war, dass der Publikumsraum von Mal zu Mal voller wird. Die Band schafft sich durch hartes Arbeiten und viel Touren offenbar eine wachsende Fanbase, sehr erfreulich.

Die Eröffnung des Abends oblag der Krefelder Band Oh’ Napoleon. Die machten mit ihrem sehr soften aber eindrucksvollen Pop-Rock und der glasklaren und sehr guten Stimme von Frontfrau Katrin Biniasch einen hervorragenden Job. Ich bin sicher, dass die Band noch ihren Weg finden wird. Ein bißchen fehlt vielleicht noch das Selbstbewusstsein auf der Bühne, aber das störte kaum.

Nach kurzer Umbaupause (die Band baut immer noch selbst) kamen dann Portugal. The Man auf die Bühne und eröffneten wie immer furios diesmal mit dem Song mit Church Mouth. Da gab es dann auch kein Halten mehr. Nicht das sonst oft so übliche Einstimmen zwischen Band und Publikum. Die Verbindung war sofort da und hielt auch den gesamten Abend über. Gespielt wurden Songs aus allen vier Alben, dabei machten sich Portugal. The Man mal wieder die Mühe, nicht bloß Song nach Song zu spielen, sondern es wurde wieder fleißig varriert, verwoben, verfremdet und gerockt, wie ich sonst keine Band je habe rocken sehen. Besonders eindrucksvoll immer wieder Bassist  Zach Carothers, der immer mal wieder seinen Bass herumreißt, als wollte er damit jemandem die Rübe abhacken.

Der Sound war gelegentlich etwas matschig (Chicago), aber das ist typisch Portugal. The Man, die immer mal wieder die Anlage überlasten mit heftigsten Rockattacken. Das gute daran ist, dass das das Publikum überhaupt nicht störte. Denn so schön bekommt man den Alltag sonst nirgends aus der Birne geblasen. Insbesondere bei den neuen Songs wurde aber klar, dass der Klangmatsch bei anderen Songs durchaus Absicht war. Denn hier klangen Portugal. The Man wieder glasklar und boten die Songs mit einer Hingabe hin, die die Qualität des Albums noch übertrifft. Einfach genial.

Die Songauswahl war hervorragend. Gespielt wurden aus allen Alben die vielleicht besten Songs und so dürfte kaum ein heimlicher Songwunsch unerfüllt geblieben sein. Einziger Wehmutstropfen: Zum ersten Mal, seit ich bei Portugal. The Man war gab es kein The Devil. Schade. Kurzum: Es war ein genialer Abend mit genialer Musik und einem abschließenden, wohlverdienten Tinitus. Portugal. The Man haben sich mal wieder selbst übertroffen und zementierten ihren Ruf als die derzeit beste Liveband. Sie überzeugen mit Hingabe, mit Spielfreude, mit Kreativität und mit fantastischen Songs.

Weitere Konzerte in Europa:

25. Juli | Alterswil, Schweiz

31. Juli | Cordoaria, Portugal

01. August | Elend bei Sorge (klasse Stadtname ;-) ) zu Rocken am Brocken, Deutschland

Ansonsten kann man sich hier vortrefflich informieren:
http://portugaltheman.net/content/tourdates/

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Seen Live | Mugison – Hafenklang/Hamburg – 08/12/2008

Was war das für eine Aktion: über 600 km Anreise um einen Künstler bewundern zu können, den momentan leider immer noch kaum Jemand überhaupt kennt. Dabei hätte Mugison es längst verdient auch hierzulande vor mehr als 50 Leuten aufzuspielen.

Aber mal der Reihe nach; im Dienste des Popkillers machte ich mich am Wochenende auf die Weite Reise in die Hansestadt Hamburg, um einen sehr denkwürdigen Abend im ebenfalls sehr denkwürdigen Hafenklang zu erleben.

Die Eröffnung des Abend besorgte Peter Broderick, ein Musiker aus Dänemark, der versuchte alleine das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Nun, die Wahrheit ist leider, dass es beim Versuch blieb. Um Klangdichte zu erzielen bediente sich Herr Broderick immer und immer wieder live eingespielter Samples. Das mag mal ganz nett sein, aber nur so zu musizieren wird schnell eintönig. Darüber hinaus konnten die Kompositionen auch an sich nicht überzeugen. Nach dem Konzert erzählte er überdies noch munter beim CD-Verkauf, dass das aktuelle Album in nur einer Woche geschrieben worden war und sogar in nur einer Stunde aufgenommen war. Hingabe und ernsthaftes Arbeiten an Songs sieht meiner Meinung nach anders aus.

Nach der enttäuschenden Eröffnung betrat dann Mugison mit seinen zwei Mitstreitern die Bühne. Mit (Akustik-)Gitarre, Bass und Schlagzeug bewaffnet brauchte es dann auch keinen ganzen Song, um endlich Stimmung aufkommen zu lassen. Dabei war der Sound aufgrund der sehr rudimentären Besetzung wesentlich roher als auf dem aktuellen Album Mugiboogie. Die Songs dieses Longplayers stellten auch den wesentlichen Teil des Abend, aber auch Stücke der beiden Vorgängeralben wurden wiedergegeben.

Alles in allem überzeugte Mugison so auf mehr als nur eine Weise. Musikalisch war der Auftritt topp, aber auch unglaublich unterhaltsam. Der Schlagzeuger war dermaßen aktiv, dass man mehr als einmal einfach nur über so viel Charme lachen musste. Mugison zeigte in seinen Ansagen eine ordentliche Portion Selbstironie und einen feinen Sinn für Humor, so war der Abend auch schon deshalb ein echter Knaller. Was mich aber mit am meisten berührte, war die unglaubliche Stimmgewalt des sympathsichen Isländers. Mehr als einmal fühlte ich mich an Kurt Cobain erinnert, aber auch immer mal wieder an die Intensität eines Jimmi Hendrix.

Ich bin wirklich froh, dass ich in diesem Jahr noch die Gelegenheit hatte, Mugison mal live zu sehen. Schade, dass der Mann, der in den USA schon für die Queens of the Stone Age supporten durfte hier nur in so kleinem Rahmen auftreten kann, andererseits aber auch schön so hautnah dran sein zu können. Für mich ist Mugison einer der kreativsten Köpfe, die die Alternative Rock Szene derzeit aufbringen kann.


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