Retrozension | Radiohead – OK Computer

Wenn es eine Band gibt, die mich in diesem Jahr ganz besonders begleitet und beeindruckt hat, dann ist es wohl Radiohead. Grund genug für mich, ein weiteres Album der Band aus Oxford mit einer Retrozension zu ehren.

Heute geht es also um das dritte Album, das im Falle von Radiohead wohl in seiner Bedeutung gar nicht überschätzt werden kann. OK Computer, so der etwas ungewöhnliche Titel, katapultierte die Band in einem Schlag aus dem Schatten aller zuvor verarbeiteten Einflüsse und etablierte im Grunde ein eigenes Genre. Ich meine hier nicht das oft angebrachte Label Postrock, sondern vielmehr die unglaubliche Komplexität und Kompositionstiefe, die die Songs auf dem Longplayer von allem abheben, was die Rockmusik sonst so zu bieten hat.

Der aufmerksame Leser bemerkt unschwer, dass das Ergebnis dieser Retrozension gar nicht schlecht werden kann. Es tut mir leid, dass ich es hier gar nicht erst versuche einen Spannungsbogen aufzubauen, aber OK Computer begeistert mich derart nachhaltig, dass ich mit meiner Meinung gar nicht hinter dem Berg halten möchte. Schauen wir uns das Album aber im Einzelnen mal etwas genauer an:

Der Opener Airbag beginnt zunächste eher unauffällig mit bis dahin typischen Gitarrenriffs und Schlagzeugeinlagen. Schon beim Einsetzen von Thom Yorkes Gesang wird aber klar, dass irgend etwas diesmal anders wird. Die Stimmung wirkt irgendwie fragil, der Sound trotz zurück haltend agierenden Instrumenten unglaublich dicht und atmosphärisch. Dies wird mit Paranoid Android noch deutlich verschärft. Hier verfällt die Rythmussektion bereits in Muster, die man bis dahin eher von elektronischer Musik kannte. Dazu werden Gitarreneinwürfe geboten, die so voller Leidenschaft und Schmerz klingen, dass man sich dem Zauber des Songs eigentlich nicht entziehen kann. Insbesondere der dynamisch sehr krasse Wechsel zwischen absolut dichten Gitarrenwänden und atmosphärisch entrückten Songfragmenten macht schon beim zweiten Song klar, dass OK Computer in anderen Sphären unterwegs ist.

Subterranean Homesick Alien lautet der etwas sperrige Titel des nächsten Songs, der im Dreiviertel-Takt daher kommt. Auch hier wieder absolut entrückte Gitarrensounds, eigenwillige Gesangslinien und dieses bestimmte Gefühl als ginge es um Alles oder Nichts. Hier wird Musik mit einer Hingabe gefeiert, die man sonst eher von Jazzplatten kennt. Exit Music (For a Film) ist das wohl traurigste Stück auf dem ganzen Album. Thom Yorkes Stimme klingt geradezu zerbrechlich, das Tempo ist absolut rausgenommen. Zunächste wird die Begleitung nur durch eine Akustikgitarre übernommen, erst nach und nach setzen Synthiesounds, Klangsamples und der Rest der Band ein, um den Song schrittweise zur Ekstase zu führen. Das ist Songwriting par Excellence grandios umgesetzt!

Let Down baut wieder auf klassischeren Songstrukturen auf und überzeugt durch seine Einfachheit, die wieder überwiegend durch die überirdische Gesangsleitung von Thom Yorke getragen wird. Die Band bleibt vornehm im Hintergrund und schafft einfach nur eine dichte Stimmung, die den Song absolut passend trägt. Das nächste Highlight lässt mit Karma Police nicht lange aus sich warten. Ich erinnere mich noch gut daran das Video zu diesem Song dereinst auf MTV gesehen zu haben und völlig in den Bann gezogen zu werden. Nicht nur musikalisch taten sich da ganz neue Welten für mich auf, auch das Video mit seiner alptraumhaften Atmosphäre hinterließ einen bleibenden Eindruck. Der Song selbst wird vorwiegend durch das Piano und den Bass getragen, die verqueren Lyrics geben einem Rätsel auf aber auch hier unterliegt eine Simplizität, die ich einfach faszinierend finde.

Fitter Happier lässt dann in ungewöhnlicher Weise den Computer zu Wort kommen. Im Grunde besteht der Titel nur aus den elektronisch verlesenen Lyrics, unscheinbar hinterlegt mit Samples und Pianoklängen. Electioneering bringt dann einen der vielleicht ehrlichsten Rocknummern auf OK Computer. Hier treibt der Rythmus, hier krachen die Riffs und es wird einfach mal wieder ganz bodenständig gerockt. Textlich ist diesem Song, wie eigentlich allen auf dem Album, sehr viel abzugewinnen, wenn man sich ein wenig Zeit für eine Interpretation nimmt.

Climbing up the Walls ist die nächste Nummer und hier wird wieder stärker auf elektronische Klangwelten gesetzt. Zurückhaltung und Depression in hervorragender Intonierung, kein Hit aber irgendiwe absolut notwendig und grundehrlich. Sehr schön auch das anschließende No Surprises, das zunächst irgendwie an ein Schlaflied erinnert. Textlich entpuppt sich der Song jedoch zunächst als abschließende Gedanken eines Selbstmörders, diese werden dann in der letzten Strophe unmittelbar mit einem ruhigen leben in einem hübschen Vorstadthäuschen gesetzt. Sozialkritik am Rande des Erträglichen. Davon mag man halten was man möchte, die Umsetzung macht auch diesen Song zu einem der vielen absoluten Highlights des Longplayers.

Lucky setzt noch einmal alles auf große Emotion und wirkt fast etwas pathetisch. Aber nur fast. EIn grandioser Refrain und ebenso grandiose Strophen, dazu wieder eher grungenahe Gitarrenarrangements, die nicht unwesentlich an Bush erinnern, nur das Bush nie diese Genialität erreicht haben. The Tourist schließt dann letztlich das Album. Auch hier setzen Radiohead ganz klar auf ruhige, melancholische Elemente. Sehr gemäßigtes Tempo, sehr stark zurückgenommene Instrumentierung, dafür aber umso mehr Raum für den Gesang gelassen. So wirkungsvoll können Songs produziert werden, wenn die Musiker in einer Band dazu bereit sind sich selbst mal ein bißchen zurückzunehmen. Das Ergebnis ist dafür absolut umwerfend.

Ich habe es bereits zu Anfang vorweggenommen, aber ich wiederhole mich gerne. Mit OK Computer haben Radiohead sich eine eigene Liga geschaffen, die meines Wissens nach bislang auch nur von Radiohead bedient wird. Die Band hat sich dem Fortschreiben der Rockmusik verschrieben und mit OK Computer 1997 ein Werk vorgelegt, dass derart viele Maßstäbe setzte, dass man meinen müsste ein komerzielle Erfolg sei so nicht machbar. Ganz im Gegenteil schaffte es das Album im United Kingdom (sowie in Neuseeland) gar auf Platz 1 der Albumcharts. Darüber hinaus dürfte es wohl auch retrospektiv zu einem der Einflussreichsten Alben der 90er Jahre gehören. Besonders reizvoll für mich ist dabei diese irgendwie vorhandene, aber kaum greifbare Nähe der Songs und Arrangements zum Jazz. Zwar klingt wirklich Nichts auf OK Computer wie Jazz, aber die Atmosphäre und Songtiefe scheint mir unmittelbar vergleichbar zu einem Künstler wie Miles Davis. Fest steht: Ok Computer ist ein Geniestreich, wie er nach diesem Album nur Radiohead selbst wieder gelungen ist.

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Retrozension | Silverchair – Neon Ballroom

1999 erschien mit Neon Ballroom das erste letzte Album der australischen Band Silverchair. Zwar sind mittlerweile zwei neue Alben veröffentlicht worden, aber die Band selbst distanziert sich offenbar zunehmend von ihrer frühen Schaffensphase, die mit Neon Ballroom ihren Abschluss fand.

Das irritierende für mich war dabei immer, dass Neon Ballroom ein wirklich grundsolides und ausgereiftes Werk ist, dass für Silverchair eigentlich den Weg nach ganz oben hätte sichern können. Die Songs diese dritten Albums haben eine vergleichbare Kraft wie die Songs von Frogstomp und dazu die emotionale Tiefe von Freak Show. Dabei schafft es das Album deutlich erwachsener zu klingen als alles was die drei Australier bis dahin geschaffen haben. Das mag mit Sicherheit auch an der Schützenhilfe von ein paar Gastmusikern und -Komponisten gelegen haben, die den Songs den letzten Schliff verpasst hatten. Zu erwähnen seien hier besonders der Pianist David Helfgott sowie der Produzent Kevin Shirley.

Leider hat das Album auch einen eindeutigen Tiefpunkt: Die Anthem for the Year 2000 war ein so wiederlich auf die Millenium-Mania ausgelegtes Stück, dass einem dabei fast das Verspeiste wieder … naja, vertiefen wir das lieber nicht. Das erfreuliche ist ja, dass das Album insgesamt eher von den guten Momenten leben kann. Und hierfür finden sich deutlich mehr Beispiele, denn Neon Ballroom ist so mutig wie kein Silverchair Album zuvor. Emotion Sickness wird unter anderem dank des Einsatzes von David Helfgott zu einem geradzu avantgardistischen Meisterwerk. Spawn again geht dagegen ganz andere Wege und rockt im Grenzbereich zwischen Grunge, Punk und Metal. Ansonsten gibt es unzählige balladeske Nummern, mal mehr, mal weniger rockig ausgelegt und viele schöne Einfälle.

Dennoch hatte es zum großen Erfolg leider nicht gereicht. Neon Ballroom wurde Opfer einer Zeit, in der Alternative Rock als ziemlich tot galt. Mit dem Ende der Neunziger sahen viele Leute auch die Alternative-Szene am Ende und man kann nicht leugnen, dass Neon Ballroom mit Sicherheit keinen Beitrag zur Zukunftsentwicklung der Rockmusik beigetragen hatte. Das soll aber nicht überschatten, dass das Album trotz aller Widrigkeiten ein wirklich spannendes und auch heute noch interessantes Stück australische Rock-Geschichte geworden ist.

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Retrozension | Bush – The Science of Things

Mit ihrem dritten Album machten Bush musikalisch einen großen Schritt in Richtung Modernisierung des eigenen Stils. Erschienen ist der Longplayer im Jahr 1999, also nach etwa dreijähriger Releasepause. Etwas über 50-Minuten Bush-typische, schwer melancholische Grunge-Rock Mucke, die mir damals zunächst nur mittelmäßig gut gefiel.

Grund hierfür war die Vermischung der bis dahin eher klassischen Bandbesetzung mit elektronischen Elementen. Nun, ich war jung und da neigt man ja gerne dazu, etwas übermäßig polarisiert zu denken. The Science of Things schaffte es aber nach ein paar Tagen, auch mir wirklich gut zu gefallen.

Von der Andersartigkeit der Musik merkt man beim Opener Warm Machine zunächst noch nicht so viel. Aber schon das darauf folgende Jesus Online klingt ein bißchen, als ob im Hintergrund jemand Depeche Mode dazugemischt hätte. Noch stärker dringen dann die elektronischen Beats bei The Chemicals Between Us zu Tage. Trotz alledem bleiben die Songs jederzeit eindeutig als Bush-Kompositionen zu erkennen.

Der vierte Song offenbart eine andere Stilwandlung von Bush. English Fire verzichtet im Grunde komplett auf eine eingängige, herzerweichende Melodie und malträtiert dafür umso mehr mit brachialen Gitarrenriffs und Schlagzeugbeats. Das aber selbst hierzu noch Streicher spielen gehört wohl zu den Eigenheiten von Gavin Rossdale. Spacetravel und 40 Miles from the Sun bieten wieder eher gewohnte Bush-Klänge. Auch Prizefighter bringt musikalisch keine nennenswerten Überraschungen, dafür trumpft The Disease of The Dancing Cats mit einem hübschen und relativ harten Gitarrenriff in der Bridge auf.

Altered States bringt dann im Intro eine Menge Elektronica mit, die sich auch in Teilen im Song selbst fortsetzt. Dabei entwickelt sich der Song durch einen sehr spannenden Refrain zu einem der Highlights der Platte, insbesondere weil hier wieder etwas mehr Hang zur Experimentierfreude durchscheint. Die letzten drei Songs Dead Meat, Letting the Cables Sleep und Mindchanger schließen dann das Album wieder mit typisch Bushigen Nummern zwischen Rock und Seelen-/Herzschmerz.

Alles in allem gehört The Science of Things zu den wirklich guten Alben von Bush – ok, bei einer Gesamtschnittmenge von nur vier ist das nicht so schwer zu erreichen. Dennoch muss ich sagen, dass ich Bush insgesamt nur selten noch bewusst höre. Das liegt vor allem an der sehr stark depressiven Grundstimmung,  die allen Bush-Kompositionen zugrunde liegt, und die mittlerweile nur noch sehr wenig mit meinem Leben zu tun hat. In meinen düsteren Teenie-Jahren sah das natürlich noch anders aus. Dennoch ist The Science of Things kein schlechtes Album, und wenn man die richtigen Momente erwischt, das Album zu Hören, dann macht es auch heute noch wirklich viel Spaß.

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Retrozension | Soundgarden – Louder than Love

Louder than Love ist das zweite Studioalbum von Soundgarden. Release war 1989, also schon bevor ich mich überhaupt ernsthaft mit Musik beschäftigte. Um es erst mal kurz zu machen: das Album machte Soundgarden sicher nicht berühmt, dürfte aber in der Szene schon deutlich zur Festigung des Rufs der Band beigetragen haben.

Umso interessanter ist es natürlich das Album nach Bekanntwerden der Band zu erleben. Denn trotz aller Unterschiede bietet Louder Than Love schon viele Ansätze und Sounds, die auch später bei Soundgarden zu finden sind.

Opener ist der über 5-minütige Song Ugly Truth. Eine Midtempo-Nummer, die insbesondere klanglich stark an das spätere Down on the Upside zu erinnern weiß. Markant auch die Stimme von Chris Cornell, die leider nur ein wenig zu viel in Sphären verweilt, in denen auch Mister Cornell nicht wirklich entspannt sind. Letzteres zieht sich auch durch das schon rockigere Hands all Over. Hier werden Songstrukturen und Riffs aufgefahren, die zweifelsohne dem Grunge zuzuordnen sind. Das hat noch nicht die Qualität späterer Alben, macht aber nach einer Kennenlernphase schon unheimlich viel Spaß. Playtime hier sind übrigens ganze sechs Minuten! Gun stampft dann mit schwerem Rythmus und ebenso schweren Riffs für meinen Geschmack etwas zu nah an Hardrockgefilden vorbei. Dazu ein Accelerando, das mir zumindest nicht gefällt. Ansonsten ist der Song sicher nicht schlecht, aber mein Fall eben nicht. Soll vorkommen.

Power Trip tut erst mal weh. Und das meine ich. Quikige Gitarren, schriller Gesang, aber nur in den ersten Takten, dann schafft es Chris Cornell endlich mal seine Stimmlage zwei Stockwerke nach unten zu verlegen und entspannt und betont zu singen. Das ganze in einer mittelschnellen Nummer, die sich dynamisch sehr schön steigert und dabei wunderbar unaufdringlich bleibt. Eines meiner persönlichen Highlights der Platte. Get on the Snake gehört dann wieder mehr zu den Hardrocknahen Nummern. Bemerkenswert ist hier wieder die klangliche Nähe zu Down on the Upside. Auch schön zu bemerken sind die Spielereien mit dem Taktmaß. Gerade diese Spielereien heben Soundgarden ja doch von den meisten Seattle-Bands ab. Full on Kevin’s Mom ist textlich, naja ich schätze sowas nennt man Jugendsünde. Ansonsten Highspeed-Rock mit highpitch Voice und coolem Bridge-Riff. Auch hier lassen sich in den Sounds wieder einige Parallelen zu DOTU ziehen. Ich denke da besonders an Rhinosaur.

Loud Love darf sich wohl sowas wie Titel-Track nennen. Zur Einleitung gibts violinenhafte Gitarrenklänge (na, wenn das mal kein Widerspruch ist?). Dann darf sich ein wunderbares Riff etablieren und da steckt wirklich Kraft dahinter. Hier passt auch die Produktion ziemlich gut. Gitarren sind gedoppelt und schaffen Druck wo Druck hingehört. Klangliche Parallelen ziehe ich diesmal besonders zu Superunknown (dem Album, nicht dem Song) und da insbesondere Limo Wreck. Wirklich toll! Das Highlight des Albums. I Awake ist dann wieder etwas zum reinhören. Der Song wächst mit der Zeit, erinnert ein wenig an Nirvana auf Bleach, klingt dabei aber unverkennbar nach Soundgarden. No wrong no Right folgt auf dem Fuße und bringt ehrlich gesagt wenig Neues, ist dabei aber eine spannende Klanglandschaft mit Ähnlichkeiten zu Alice in Chains, aber sehr dezent. Auch dieser Song macht wieder Spaß und ist unverkennbar ein Kind des Grunge.

Uncovered überrascht dann schon im Intro, weil sich der Song durch seine klangliche Vielseitigkeit deutlich von den anderen abhebt, dabei sehr stark wieder an Superunknown zu erinnern weiß (wohlgemerkt Jahre vor Veröffentlichung des Megasellers) und auch sonst sehr stimmig ist. Für mich wieder eines der Highlights des Longplayers. Big Dumb Sex schwankt stimmungstechnisch um in fröhlichere Gefilde. Ein knackiger Song zum abrocken mit unnötiger aber nicht störender Zweistimmigkeit (erleichtert das mitgrölen) und geradezu obligatorischer Verwendung des Wortes Fuck. Rock muss halt auch immer ein Stück weit rebellisch sein – und eine Jugendsünde kommt auch selten allein. Zum Abschluss des Albums gibts dann ein Reprise auf Kev’s Mom. Full On (Reprise) sollte nicht unbedingt als Song gewertet werden und versucht nur das Album nach hinten abzurunden. Das wäre an sich nicht nötig gewesen, da die Scheibe für sich eine ziemlich runde Sache ist, und das meine ich nicht nur auf den Wortwitz bezogen. Dennoch ist Reprise auch ein sehr angenehmer Abspann, der zum Entspannen taugt und als Rausschmeiser sicher gute Dienste leistet.

Louder than Love ist alles in allem ein beachtliches Album, das zwar auch nach dem Erfolg von Superunknown eher unbemerkt blieb, aber ziemlich viel Gutes erkennen lässt. Zugegeben, das Album muss durch mehrmaliges Hören wachsen. Die Sounds sind doch noch sehr stark an Klänge des Hardcore angelehnt und das sagt nicht jedem zu. Wer dem Album aber die nötige Zeit widmet, wird sich freuen ein bißchen mehr von Soundgarden zu kennen und mit Sicherheit hin und wieder mal reinhören.

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Retrozension | Alanis Morissette – Supposed Former Infatuation Junkie

Es wird mal wieder Zeit, sich mit Musik zu beschäftigen die uns so langsam auf den Herbst einzustimmen vermag. Schließlich steht der September nicht nur vor der Tür, sondern ist mittlerweile ohne zu fragen reingekommen. Die Tage werden wieder merklich kürzer; Menschen, die ohne Schirm zur Arbeit gehen können plötzlich ziemlich nass werden (Ja, ist mir heute passiert) und die ersten Weihnachtsprodukte finden sich auch schon in den Supermärkten.

Herbst, also. Was passt da besser als leicht melancholischer Rock der etwas anderen Art. Zu finden zum Beispiel auf Supposed Former Infatuation Junkie von Miss Morissette aus Kanada. Alanis, wie sie unter anderem auch gerne genannt wird, hatte ja 1995 mit ihrem (fast) Debut Jagged Little Pill enorm erfolgreich in der Rockindustrie Fuß fassen können. Danach passierte erstaunlich lange erstaunlich wenig. Erst 1998 sollte mit SFIJ der Nachfolger erscheinen. Dazwischen stand meiner Erinnerung nach so etwas wie Sinnsuche in Indien und was man als hippielastiger Rockmusiker noch so alles zu tun pflegt. Ob Miss Morissette den Sinn gefunden hat, weiß ich jetzt nicht mehr, was sie jedoch gefunden hatte war die Muse (und Muße) ein neues Album zu schreiben und aufzunehmen, welches sich als deutlicher Schritt gegenüber JLP darstellt.

War Jagged Little Pill noch ein sehr klar als grunge-nahes Album konzipiertes Werk, löst sich der Stil auf Supposed … (Anm. d. Red.: Titel einfach zu lang) deutlich von diesem Stil. Hier wird ein sehr studiolastiges und teilweise sehr clever arrangiertes Album aufgefahren. Die Songs werden schwieriger, wütender, vielleicht sogar weiblicher als auf dem Vorgänger. Die Texte ecken an, und zwar eher noch am Rythmus als durch Worte. Es scheint zuweilen, als wolle Alanis zu viele Worte in einzelne Zeilen packen und man hat das Gefühl, dass der Song gleich an allen Ecken und Enden auseinanderbricht. Das tut er dann doch nicht sondern gewinnt durch die vielen Ecken und Kanten an Profil und wird interessant.

Dazu setzt Alanis Morissette zweistimmige Elemente ein, die auch eher ungewöhnlich sind. Vielleicht ein Einfluss aus ihrer Zeit in Indien. Indische Elemente in der Rockmusik sind ja dank den Beatles (korrekterweise müsste es “dank den The Beatles” heißen) gut bekannt und durchaus etabliert. Alles in allem kann man auf jeden Fall sagen, dass das Album für Alanis eine Art Befreieungsschlag darstellt. Man merkt, dass sie jetzt wirklich ihre eigene Musik macht und dass sie mit ganzem Herzen in ihrer Musik aufgeht.

Das ist dann auch die Grundlage für einige der besten Songs, die die Dame aus Kanada bisher veröffentlicht hat. Dazu gehören für mich der Opener Front Row, Are You still mad?, That I would be good, Can’t not, I was hoping und nicht zuletzt Joining You. Im Grunde ist das gesamte Album aber durchgehend wirklich gut und darüber hinaus mit 17 Songs auch überaus umfangreich.

Einen Wermutstropfen muss man dann aber doch dazu geben. Insgesamt steht Supposed Former Infatuation Junkie dem hochgelobten Vorgänger etwas hinten dran. Das Freche und Erfrischende von Jagged Little Pill fehlt dem Zweitalbum des zweiten musikalische Lebens von Alanis Morissette leider. Dennoch ein großartiges Stück Musik aus den 90ern. Prädikat absolut höhrenswert. Gerade jetzt im Herbst, wo die Tage wieder kürzer …….

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Retrozension | Radiohead – The Bends

Radiohead hatten mit ihrem Debutalbum Pablo Honey bereits Aufmerksamkeit generieren können. Der Nachfolger The Bends sollte die Band aus England schließlich als feste Größe im Rock-Business etablieren. 1995 erschienen ist The Bends deutlich dichter als das Vorgängerwerk. Wer Muse mag wird The Bends mit Sicherheit lieben. Auf keinem anderen Album geben sich Radiohead dermaßen rockig.

Der Opener Planet Telex markiert ziemlich gut die Bandbreite, in der sich The Bends bewegt. Dichte Sounds, viel Atmosphäre, viel Gewicht auf Produktion und einen sehr eigensinnigen musikalischen Stil. Insgesamt vielleicht einer der besten Opener die ich kenne. Auch der Titelsong The Bends ist ein sehr eingängiger Rocksong. Hier ist die Nähe zum amerikanischen Alternative Rock und Grunge ganz klar zu erkennen. Lediglich gesanglich zeigen Radiohead schon erste Ansätze dessen, was in OK Computer so deutlich zum Tragen kommen würde.

High and Dry widmet sich der ruhigeren, noch melancholischeren Seite des Albums. EIn sehr ruhiger, getragener Song mit traurig schöner Melodie und Text. Die Stimme von Thom York ist in großen Teilen verantwortlich für die Eindringlichkeit dieses Liedchens. Fake Plastic Trees beruht sogar noch stärker auf der Stimmgewalt des schmächtigen Frontmanns. Der Song steigert sich im Verlauf immer stärker bis hin zur musikalischen Ekstase. Sowas geht unter die Haut – wirklich genial.

Bones täuscht dann irgendwie Fröhlichkeit vor, die man dem Song aber dann doch nicht abnimmt. Dabei geht es dann wieder deutlich rockiger zu. Ein geniales Riffspektakel im Refrain, dezentere Klänge im Strophenteil und wieder diese Eindringlichkeit, als wäre jedes gesungene Wort bedeutend auf Leben und Tod. (Nice Dream) stützt sich wieder stärker auf akustische Klangwelten. Die Schönheit dieses Songs lässt sich für mich im Grunde nicht in Worte packen. Hört am besten selbst mal wieder rein. Ich schmelze bei solchen Songs einfach dahin.

Just dürfte zu den bekannteren Songs auf The Bends zählen. Auch hier wieder starker Hang zum Alternative Rock des “neuen” Kontinents und ein genialer Song, aber abgesehen vom Gitarrensolo am Schluß sicher kein Highlight auf dem Album, was alleine schon für die Gesamtqualität des Longplayers spricht. My Iron Lung ist dann wirklich in Musik verpacktes Genie. Dieses so schepp klingende Riff berührt einfach mit jeder Note. Dazu der sehr eigenwillig verpackte Refrain und das alles in perfekter Produktion. Hier hat auch der Produzent Nigel Godrich ein dickes Lob verdient. Da passt einfach alles.

Bullet Proof … I wish I was lautet der Titel des nächsten Songs und hier kann man sich getrost zurück lehnen und einfach in den Klangsphären schwelgen. Hier zeigt sich ganz deutlich, was ich bis heute an Radiohead so bewundern kann, Hier scheint einfach jeder Klang so unglaublich gut erarbeitet und der Song so wunderbar arrangiert. Da zeigt sich ein klarer Unterschied zu Bands, die weniger hart an ihren Stücken feilen. Der Sound zeigt aber klar, dass sich jedes Feilen unendlich lohnt. Black Star wirkt gegen die vorigen Songs erstaunlich leicht. Das ändert nichts an der sehr melancholischen Grundstimmung, aber der Song klingt eher nach Travis (aber sowas von) als nach Grunge, und das tut zuweilen auch mal gut. Sulk passt sehr gut in die selbe Kategorie, ich glaube soeben entdeckt zu haben auf welcher Inspiration wenigstens zwei Alben von Travis beruhen. Den gleichen Produzenten hatten sie ja eh. Der Song hat wieder ein fantastisches Gitarrensolo gegen Ende. Ich liebe diesen Krach! Mit Street Spirit (Fade Out) geht dann auch das zweite Album von Radiohead zu Ende. Eindrucksvoller lässt sich dieses wirklich ergreifend traurige und geniale Album nicht beenden.

Insgesamt gehört The Bends sicher zu den drei besten Alben von Radiohead bisher. Nach diesem Album entfernte sich die Band deutlich vom Grunge und schuf mehr oder weniger ihre eigene Musikrichtung, die auch meines Wissens nach bis heute keine andere Band zu bedienen weiß. Hier würde ich mich aber liebend gern vom Gegenteil überzeugen lassen. Denjenigen, die bedauern, dass Radiohead heute nicht mehr so klingen wie auf The Bends kann man wiederum nur Muse ans Herz legen. In der Wertung gibts auf jeden Fall von mir keine Abzüge!

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