Retrozension | Red Hot Chili Peppers – By The Way

Dass die Red Hot Chili Peppers grundsätzlich eine der besten Bands sind, die im Laufe der 90er zu berechtigtem Weltruhm gekommen sind, steht wohl grundsätzlich nicht zur Debatte. Wenige andere Bands schafften es so grundlegend einen eigenen Sound zu entwickeln und fast schon ein eigenes Genre zu begründen.

Das erstaunliche an den RHCP war aber für mich das wiederaufstehen, nachdem die Band eigentlich schon komplett abgeschrieben war. Californication war der Befreiungsschlag nach langer Pause und einem guten, aber erfolglosen Album. Nach dem Erfolg von Californication kann By the Way sicher kein einfaches Album für die Band gewesen sein. Schließlich galt es genau das durchzumachen, an dem die Band nach Blood Sugar Sex Magik schon einmal gescheitert waren: Den Erfolg des Vorgängeralbums einzustellen und die Fans an der Stange halten.

Die Band entschloss sich erfreulicherweise zu einem recht mutigen Ansatz für ihr achtes Studioalbum: By the Way wurde ganz anders angegangen. Es wurde erwachsener, nachdenklicher und insgesamt ein Schritt in eine neue Richtung. Der Stil der Band verschiebt sich ganz stark in eine “gesetztere” Richtung; die Songs werden ruhiger und detaillierter in der Produktion umgesetzt. Die Zweistimmigkeit vieler Songs wirkt bisweilen etwas ungelenk und entwickelt gerade daraus ihren ganz eigenen Charme. Es scheint geradezu, als sei bei den Red Hot Chili Peppers ein neuer kreativer Prozess in Gang gesetzt, der den Weg in die Zukunft der Band weisen würde.

Es finden sich zwar nach wie vor noch funkige Crossover-Stücke wie etwa Throw away Your Television oder Can’t Stop, die Oberhand gewinnen aber die eher nachdenklichen Songs, die auf Californication noch einen eher zaghaften Einstand hatten. Das sind wunderbare, entspannte und sehnsüchtige Songs, die eine neue Ära bei den RHCP einläuten.

Die Chili Peppers entfernen sich damit aus ihrer Comfortzone, was insbesondere nach dem erneuerten Erfolg mit Californication erfreulich mutig war. Das Ergebnis spricht für sich. By the Way war zum Erscheinen ein absolut richtiges und gutes Album. Im Nachhinein verblasst es allerdings aus meiner Sicht ein wenig hinter den kantigeren und damit etwas spannenderen Alben Blood, Sugar, Sex, Magik, Californication und aus meiner Sicht sogar One Hot Minute.

Dennoch ist By The Way ein wirklich gutes Album, dass außerdem stilistisch den Weg ebnete für das darauf folgende Stadium Arcadium. Ich muss zugeben, dass ich deutlich weniger oft höre, als die anderen Alben der Band (Freaky Stiley mal außen vor gelassen).

Immer noch gut

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Retrozension | Pearl Jam – Binaural

Pearl Jam waren, sind und werden auch immer die wahre Größe des Seattle Rock sein. Keine der Bands, die im Zuge des Nirvana-Hypes zu Weltruhm gekommen sind kann in Sachen Beständigkeit und kreativem Output mit den einzig wirklich verbleibenden Grunge-Größen mithalten.

Das Jahr 2000 sollte für die Band ein besonders prägendes Jahr werden. Am Anfang stand hierbei die Veröffentlichung des sechsten Studioalbums Binaural. Der Titel verweist auf die besondere Aufnahmetechnik, die hier zur Verwendung gekommen ist. Kurz gefasst wird hierbei ein Modellkopf zwischen zwei Mikros platziert. Damit soll ein besonders lebensechter Raumklang eingefangen werden. Mehr darüber weiß natürlich Wikipedia (Achtung: Englisch!).

Weiterhin besonders zu erwähnen ist, dass Binaural das erste Studioalbum ist, auf dem Matt Cameron, allen bekannt als Drummer von Soundgarden, die Holzklöppel auf die Trommeln hauen darf nachdem Jack Irons das Handtuch geworfen hatte. Schlagzeuger hielten sich bei Pearl Jam bis dahin nie besonders lange …

Erwähnenswert natürlich auch der Schicksalsschlag von Roskilde, als während eines Konzert der Band neun Fans/Zuhörer in der Menschenmenge erdrückt wurden.

Wir wollen uns aber mal der Musik zuwenden, die Binaural zu bieten hat. Eröffnet wird mit Breakerfall erfreulich kraftvoll. Keine Frage, hier wird Rockmusik zelebriert. Irgendwie klingt der Song deutlich anders als alle anderen Songs, die die Band bis dahin geschrieben hatte. Man scheint sich ein wenig vom Grunge loszulösen, was natürlich auch dringend nötig ist anno 2000. Auch God’s Dice hält das Tempo hoch, experimentiert mit vielen Soli-Einwürfen, vollem Sound und voller Energie. Pearl Jam klingen geradezu erfrischend, weniger wehleidig als noch auf No Code oder teilweise auch noch auf Yield. Retrospektiv kann man behaupten, dass Binaural für den aktuellen Sound der Band wohl mit am prägensten war. Evacuation wirkt dann geradezu experimentell, fragmentiert. PJ experimentieren mit ihrem Sound gnadenlos und lassen die Fans teilhaben. Ob Evacuation wirklich Album-Qualität hat, bleibt Geschmackssache.

Bekanntere Klänge werden mit Light Years angeschlagen. Eine klassische PJ-Slow-Rock-Nummer, die schnell zum Mitsingen verleitet und einen den Alltag wahlweise vergessen oder umso schmerzhafter erleben lässt. Verdammt gut, aber sicher nichts Neues an sich. Nothing as it Seems hingegen hat das Zeug, aus dem Pearl Jam Evergreens gestrickt sind: episch gut und doch ganz persönlich, nah und verletzlich präsentiert sich die Band. Gitarrensoli, die aus den Untiefen des Raums zu kommen scheinen, perfekt produziert und doch mit diesem Live-Gefühl versehen. Dazu ein Eddie Vedder, der überwiegend zurückhaltend singt, dabei aber dennoch perfekt die Stimmung des Songs trifft. Zu recht einer der besten Pearl Jam Songs bis heute.
Thin Air ist dann eine perfekte Akustik-Gitarren Nummer, die insbesondere aufgrund der fragil wirkenden Zweistimmigkeit, eine besondere Schönheit zu entfalten weiß. Schön auch die leichten Country-Einschläge ab Strophe zwei.

Insignificance rockt einfach nur gewaltig. Der Song strotzt nur so vor Energie, bleibt dabei aber PJ-typisch eher nachdenklich. Besonders gut sind die etwas fuzzigen Gitarrensounds, die fast schon zu modern für die Band wirken. Tolle Nummer. Geniales Nicht-Solo gegen Ende! Noch nie hat die Abwesenheit eines Solos so gut gewirkt. Of the Girl ist einer der Songs, die mit dem Binaural Verfahren auf Band gebannt wurden. Eine sehr organisch wirkendes Stück, das insbesondere die Solo-Qualitäten von Mike McCready in den Vordergrund stellt. Ansonsten sehr entspannt und beeindruckend gut.

Grievance bringt wieder etwas Tempo und experimentierfreude ins Album. Stakkatogitarren, Druck, Optimismus reißen mit und machen Spaß. So einfach ist das. Rival wird von Hundegeknurre eingeleitet, nur um dann in einem besonders schweren Groove einzusteigen und einen sehr spannenden Dialog zwischen den beiden Gitarren von Gossard und McCready zu eröffnen. Dazu reichlich viel klangliche Skurrilitäten, wie dissonante Klavierklänge, viel Hintergrundgeschreie und Zwischenrufe. Man spürt förmlich den Spaß, den die Aufnahme gemacht haben muss. Toll.

Sleight of Hand ist hingegen wieder sehr ruhig, sehr schwermütig und trübsinnig. Man hat so ein bißchen den Eindruck, dass die Nummer nicht unbedingt so richtig in das Album passt. Es fehlt ein bißchen der richtige Guss. Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich toll. Soon Forget klingt fast wie Somewhere over the Rainbow, dank Ukulele, einsamer Gesangsperformance von Eddie Vedder und einer leicht bedröpselten Stimmung. Der übliche Lückenfüller, den Pearl Jam auf nahezu jedem Album zu präsentieren wissen. Trotzdem nett, und natürlich voll mit Botschaft versehen. Dafür macht der Song schnell Platz für das fast monumentale Parting Ways. Nur etwas dreieinhalb Minuten geben Pearl Jam ihrer Schlussnummer, die sich dennoch langsam entfalten darf und dabei ins schier übermenschliche wächst. Genial gut, typisch Pearl Jam und vielleicht ein wenig zu viel des Guten, aber was solls; mir hat die Nummer immer richtig gut gefallen. Besonders wenn die schrammige Gitarre dazwischenkracht stellt sich ein Gänsehaut-Gefühl ein. Nach einigen Minuten Stille darf man sich dann noch ein wenig Gehacke auf einer Schreibmaschine anhören. Was das soll weiß man nicht, aber Hidden Tracks waren scheinbar mal in Mode.

Binaural ist sicher nicht das beste Album von Pearl Jam, aber es macht auch heute noch Spaß und landet auch bei mir immer mal wieder im Player und auf meinen Ohren. Insbesondere die klanglich Prägung lässt sich auf den beiden letzten Alben der Band wiederfinden, was ich besonders spannend finde, schließlich klingt das dazwischen liegende Riot Act nochmal ganz anders.


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Retrozension | Muse – Origin of Symmetry

Man könnte ja meinen, in einem so unsonnigen Sommer bliebe mehr Zeit fürs Bloggen. Nun, leider weit gefehlt und zwar nicht nur was das Bloggen, sondern auch was das Musikhören betrifft.

Dennoch, der morgentliche Weg zur und der abendliche Weg weg von der Arbeit geben mir genug Raum, auch mal wieder ein paar alte Sachen auf meine Ohren dröhnen zu lassen. Besonders gepackt hat mich dabei in der letzten Zeit mal wieder Muse, diesmal mit dem Zweitalbum Origin of Symmetry, dass nunmehr auch schon wieder neun Jahre zurückliegt.

Muse 2001 klingt anders als Muse 2010, und das ist in beide Richtungen gut. Die neuen Sachen der Band sind grandios arrangiert und genial produziert, lassen aber immer mehr den Mitsing-Faktor vermissen. Da sind die älteren Alben der drei Engländer noch bodenständiger, obwohl der Hang zur musikalischen Arroganz auch da schon tief verwurzelt war – zu recht, wie ich finde.

Opener ist das über sechs-minütige New Born, das Muse-typisch, sanft einsteigt mit Klavierklängen und ein wenig Bass, der schon mehr vermuten lässt was Dynamik und Lautstärke angeht. Auch die Stimme Matthew Bellamys erkennt man unweigerlich auf den ersten Metern. Nach knapp über einer Minute bricht dann das Feuerwerk los und der Song wird zu einer mitreißenden Rocknummer, wie es leider immer noch viel zu wenige gibt. Auffälliger Unterschied zu anderen Bands ist die aktivere Bassarbeit und die höhere Kreativität im Gitarrenspiel. Druck nach vorne gibts reichlich und das Album macht schon richtig Spaß.

Bliss lässt die andere Seite von Muse erkennen, die etwas poppigere, von Synthesizern gestützte Seite. Der Song ist ein wenig ruhiger, in der Geste aber kein Stück zurückhaltender. Selbiges gilt auch für Space Dementia, das die orchestrale Seite von Muse zum Vorschein kommen lässt, wobei der klassisch anmutende Klavierpart eigentlich nur die Bühne bereitet für eine hektische Rocknummer die eine Dringlichkeit vermittelt, wie ich sie in der Musik nur selten erlebt habe. Muse verdeutlichen, dass sie den großen Wurf machen wollen. Jede Note ein Statement, jeder Satz die ultimative Wahrheit, jeder Akkord eine Geste der Überlegenheit. Wirklich genial.

Hyper Music strapaziert dann etwas die Nerven, mit viel Gefiepse zum Einstieg und viel Geheule vom Fronteunuch, aber auch dieser Song fängt sich, marschiert unaufhaltsam los und nimmt alles mit, was sich ihm in den Weg stellt. Direkt darauf folgt der vielleicht beste Song des Albums: Obwohl für Muse geradezu banal komponiert, überzeugt Plug in Baby mit einem vertrickten Gitarrenriff, einem eingängig simplen Refrain und kommt, anders als die meisten anderen Stücke auf OOS gleich zur Sache.

Citizen Erased ist da wieder anders, viel Klangexperiment dank Obertönen zu Beginn, ein nettes Akkordintro und dann eher ruhiger angelegter Gesang. Untermalt mit viel Gitarren und Bass und Synths. Kein echtes Highlight, aber wieder diese Eindringlichkeit, diese Ernsthaftigkeit. Micro Cuts ist dann die Eunuchennummer schlechthin, und ehrlich gesagt auch gelegtnlich ziemlich anstrengend. Mitsingen nicht empfohlen.

Screenager ist anders als man vermuten möchte ein ganz ruhige, entspannte Nummer. Die erste auf dem Album, wenn man es genau nimmt. Ein Hort der Entspannung im Sturm des restlichen Albums. Sehr schön. Auch Darkshines geht es eher etwas gelassener an, zeigt aber wieder deutlicher in Richtung Rock. Besonders schöne der etwas groovig angelegte Strophenteil. Im Refrain wird dafür wieder ordentlich Strom verbraten. Toller Song.

Mein zweites Highlight ist dann ganz eindeutig Feeling Good, eine gesangsstarke Nummer, die auch wieder dank der simplen Struktur und der einfachen Linie heraussticht aus dem sonst oft kopflastigen Album. Trivia hierzu: die Nummer wurde sogar von Michael Bublé gecovert, auch wenn ich sicher bin, dass Muse das besser gemacht haben. Den Schluss macht dann noch Megalomania, dass wieder eine große Geste und viel Arrangierarbeit zu Grunde legt. Ein guter Schluss und doch hätte man sich etwas positiveres als Abschluss gewünscht, aber fröhliche Musik haben Muse ja noch nie gemacht.

Origin of Symmetry ist ein wirklich starkes Album und gerade aus heutiger Sicht für mich spannend. Muse haben sich im Laufe der Jahre deutlich entwickelt was Klang und Arrangements betrifft. Anders als bei vielen anderen Bands ist hier aber nicht festzustellen, dass die alten Alben irgendwie ungeschliffen wirken. Muse haben schon damals großartige, eindringliche, arrogante Musik gemacht. Allerdings hat sich mittlerweile der Sound etwas verschoben. Was besser ist wage ich nicht zu sagen, das beides gut ist muss kaum erwähnt werden. Muse rocken nach wie vor.


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Retrozension | Stone Temple Pilots – Shangri-La Dee Da

Nachdem dieses Jahr sich anschickt wenigstens zwei spektakuläre Reunions wahr werden zu lassen, nutze ich die Gelegenheit einer dieser Bands mal wieder zu huldigen.

Die größere Überraschung in der Reunion-ankündigung sind für mich die Stone Temple Pilots, die nun für den 25. Mai ihr Amerika-Release des selbstbetitelten sechsten Studioalbums angekündigt haben. Nachdem sich die Band ja in den letzten Jahren ihres Bestehens immer wieder in die Haare gekommen war weil Frontmann Scott Weiland es einfach nicht hinbekam die Finger von Drogen zu lassen, hätte ich eine Reunion insgesamt eher nicht erwartet. Im letzten Jahr straften die Pilots meine Einschätzung dann Lügen und reformierten sich für ein paar Live-Auftritte. Es folgt nun also die logische Konsequenz: Ein neues Studioalbum. Nach Aussagen der Band über weite Strecken getrennt voneinander aufgenommen was zwar verhindert, dass man sich wieder gegenseitig die Haare rauft, was aber auch nicht gerade als sehr positive Prognose für die weitere Zukunft und Eintracht der Band herhalten kann.

Das letze Studioalbum der Stone Temple Pilots erschien mit Shangri-La Dee Da bereits Mitte 2001 und bot damit zum vorerst letzen Mal den sehr prägnanten Power-Rock, der die Band so einzigartig gemacht hatte. Dreizehn Songs präsentierten die Pilots auf ihrem letzten Album und diese waren von einer seltsam düsteren, sehr dichten Atmosphäre geprägt. Obwohl textlich immer wieder um positive Botschaften bemüht, sprach die Musik hier insgesamt eine andere Sprache. Zwar kann man dem Album nicht vorwerfen, sich in Melancholie zu ergießen, dennoch hat der Sound insgesamthäufig fast etwas bedrohliches.

Vorbei sind die Zeiten á la Tiny Music … in denen Jazz-Einflüsse und Psychedelic den Stil der STP ins Experimentelle beeinflussten. Shangri-la Dee Da konzentriert sich auf Gitarrenwände, starke Vocals und hämmernde Drums. Das ist bisweilen tatsächlich genial, war aber zu Anfang für mich setsam gewöhnungsbedürftig. Irgendwie klang das fremd, obwohl es zu jeder Sekunde des Albums unverwechselbar nach den Stone Temple Pilots klingt.

Shangri-la Dee Da bietet wirklich viele sehr gute Songs. Mein persönlicher Favorit ist Bi-polar Bear, das sehr dynamisch ist und die Stimmung des Albums am besten auf den Punkt bringt. Der Song Hollywood Bitch, die zweite Singleauskopplung nach Days of the Week ist hingegen fast poppig, geradezu anstrengend, geht aber mit der Zeit auch richtig gut ins Ohr. Ich weiß nicht, wen Scott Weiland da eigentlich besingt, sich das ganze als Anti-Hymne auf Courtney Love vorzustellen, passt ziemlich gut.

Auch wundervoll: A Song for Sleeping, ein Begrüßungssong für den damals Neugeborenen Sohn von Scott Weiland und das positivste Stück auf dem ganzen Album, dass aber interessanterweise auch die Angst vor einem erneuten Drogenrückfall musikalisch mitverpackt hat. Musik, die aus der Seele spricht. So muss das sein.

Shangri-La Dee Da leistet sich über die gesamte Spielzeit keine Patzer und ist so ein Album auf dem typischen Stone Temple Pilots Niveau. In meiner Einschätzung eines der drei besten Alben der Band, zusammen mit Purple und Tiny Music. Leider schaffte es die Band trotz dieser guten Arbeit nicht, sich wieder zusammenzufinden und löste sich ob der Exzesse und Entziehungen des Sängers Scott Weiland schließlich auf. Lediglich ein Best-Of erblickte noch das Licht der Welt. Die einzelnen Bandmitglieder begaben sich in dieverse Solo-Projekte, wovon ungerechter- aber nicht ungerechtfertigterweise nur die Supergroup von Scott Weiland unter dem Namen Velvet Revolver wirklich einschlug.

Shangri-La Dee Da bleibt in jedem Fall stehen als genial-brachiales Rockalbum, als eines meiner Lieblingsalben aus dem Alternative-Grunge-Rock Bereich. Deshalb gibts auch volle Punktzahl.


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Retrozension | Travis – Good Feeling

Travis habe ich ja schon mit zwei Alben retrozensiert, streng chronologisch nach Aufnahme in meine bescheidene Musikkollektion. Entsprechend weiter geht es daher nun mit dem ersten Album der vier sympatischen Schotten.

Good Feeling hieß das Debutalbum und es macht zunächst so ziemlich alles anders als die beiden Nachfolger The Man Who und The Invisible Band. Good Feeling ist fröhlich, sprüht nur so vor positiven Emotionen und Lebensfreude. Von der sehr geefühlvollen Melancholie, die danach die Musik von Travis bestimmte ist auf Good Feeling zu Beginn ziemlich wenig mitzubekommen.

Der Opener All I want to do is Rock markiert in Sachen Tempo und Attitude schon ziemlich gut, wo das Album hin will. Rock! Nicht unbedingt besonders innovativ, nicht einmal besonders einfallsrecih, aber überzeugend, treibend und zum Springen und Mitgrölen gemacht. Da schließt sich nahtlos auch U16 Girls an. Wie gesagt; nicht innovativ, aber es funktioniert mehr als prächtig. Travis geben sich als Party-Band und sprühen nur so vor Glückseligkeit.

The Line is Fine ändert nicht viel in Sachen Gesamteindruck, nimmt nur ein wenig das Tempo raus. Dennoch brettern die Gitarren in Travis-typischem Sound durch den Song. Erst Good Day to Die wirkt etwas ruhiger, obwohl auch hier Gitarren und Schlagzeug durchgehend reiclich Druck machen. Dennoch klingt der Sound hier deutlich stärker nach Britpop á la Oasis oder Blur.

Good Feeling zeigt schon deutlicher, wozu Travis in der Lage sind. Der titelgebende Track lässt nun wirklich etwas Tempo zurück und überzeugt mit guter Melodie und starker Rythmusbetonung. Das viele La-La-La müsste natürlich nicht sein. Ansonsten echt ein cooler Track. Obwohl hier schon deutlich differenziertere Emotionen einfließen wirkt der Song erstaunlich und erfreulich positiv. Auch das Klaviersolo im Stil von Saloon-Piano kommt sehr gut an.

Nach so viel Gefühl rockt Midsummer Night’s Dreamin’ dann wieder ordentlich, um die Stimmung nicht unter das Good-Feeling-Niveau fallen zu lassen. Ebenso kommt We’re tied to the Nineties daher. Dank “Hey”-Rufen fast ein wenig punky, aber insgesamt herrlich brav und doch gut. Diese kindliche Naivität schafft irgendwie nur Fran Healey unterzubringen ohne dass es peinlich werden würde.

I love you anyways ist dann der erste wirkliche Bezug zu den zwei folgenden Alben der Band. Dank Akustikgitarren und zurückhaltendem, melancholischen Gesang macht sich diese wundervolle Stimmung breit, die die Band so unverkennbar machen sollte. Einfach wunderbar…

Die Stimmung muss wieder zurück zu Good Feeling, also wird Happy eingeworfen. Party-Rock von vorne bis hinten. Mitsingen schon beim ersten Refrain möglich und Pflicht, springen, lachen, fröhlich sein. Wer dagegen immun ist, hat seinen Sarg schon gekauft.

Nach so einer Dosis Lebensfreude kann man auch nochmal eine ruhigere Nummer vertragen. Das eigentliche Highlight des Albums ist das behutsame More than us, dass für mich bis heute zu einer der besten Nummern von Travis gehört. Im Mainstream-Radio würde so etwas wohl  Ballade genannt, ich bevorzuge es einfach als grandiose ruhige Nummer zu bezeichnen, die sich Zeit nimmt sich langsam zu entfalten. Extrem gute Streicherarrangements ergänzen den Song auf den Punkt, der Gesang passt perfekt. Einfach genial, nicht weniger!

Danach einen Happy-Song zu bringen könnte nur schief gehen und so schließt sich Falling Down an, das in Atmosphäre sehr gut zu More Than Us passt. Tragende Elemente sind hier Klavier und das fast jazzig gespielte Schlagzeug mit viel Snare und High-Hat. Auch hier kann Fran Healey dank seiner Stimme viel Volumen in einen eigentlich sehr “klein” verfassten Song packen. Wirklich gut.

Funny thing klingt vom Titel her wieder nach einer Nummer im Stile von Happy, aber dem ist nicht so. Travis haben sich langsam aber sicher auf die ernsthaftere Schiene mit melancholischer Grundnote festgelegt, und das kann kaum einer so gut wie die vier Schotten. Hier finde ich besonders bemerkenswert, wie Leadgitarrist Andy Dunlop es schafft, mit viel Noise herrlich und eindrucksvoll die Stimmung des Songs einzufangen und zu unterstreichen. Das klingt fast ein wenig nach Bush und endet im Prinzip in einem Solo ohne Solo. Ein sehr stimmungsvolles Ende in einem Album, das eigentlich ganz anders angefangen hatte.

Good Feeling ist ein eindrucksvolles Debut für Travis, das ein wenig den Eindruck erwckt man könne im Verlauf des Albums der Band beim Reifen zuhören. Die Party-Rock Nummern stehen Travis ausgesprochen gut auch wenn klar ist, dass sie keine Meisterleistungen der Band sind. Besonders live funtkionieren diese Nummern auch heute noch hervorragend, um die Laune schnell zu heben. In der zweiten Hälfte haben Travis dann ihreneigentlichen Stil gefunden; die Melancholie wird tragendes Element und funktioniert so hervorragend, dass sich die nächsten beiden Alben quasi komplett auf die Erforschung dieser Songatmosphäre konzentrieren werden. Dass das zum großen Durchbruch führte ist mittlerweile Geschichte …


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Retrozension | Bush – Golden State

Zeit mal wieder ins Plattenregal (ok, ich gebs zu, es sind nur CDs) zu greifen und einen alten Schinken anzuhören. Bushs Golden State erschien Ende 2001 und markierte das Ende der Band, dass trotz einer Comeback-Ankündigung 2008 meines Wissens bis heute Stand der Dinge ist.

Golden State darf man tatsächlich einen alten Schinken nennen. Das Album klingt mittlerweile schon deutlich angestaubt. Der Sound ist/war typisch für Bush, allerdings ist das Album wenig aufregend. Vor allem nach dem doch relativ experimentierfreudigen The Science of Things verblaßt Golden State deutlich.

Das bedeutet jetzt nicht, dass das Album grundsätzlich als schlecht zu bezeichnen wäre. Es macht sich eher der Eindruck breit, dass die Band einfach unmotiviert war und daher beim Songwriting nicht mehr die Zeit investiert hatte, die notwendig gewesen wäre. So wurde das Album auch kommerziell kein großer Erfolg und die Auflösung der Band folgte auf dem Fuße.

Eigentlich birgt das Album aber durchaus gute Rocknummern. Da wären The People That We Love, Hurricane oder Reasons, die alle zeigen, dass die Band wirklich für gute Grunge-/bzw. Alternativerocknummern stand. Auch wirklich gute ruhige Stücke finden sich mit Inflatable und Out of this World.

Allerdings passte das Album irgendwie nicht mehr so richtig in das neue Jahrzehnt. Zu jammerfreudig, zu wenig Fortschritt im Klang. Die Band hatte ihren Zenit hier schon überschritten. Hier hätte sich die Band wohl eher ein Stück weit neu erfinden müssen. Das hat sie leider verpasst. Die Bandmitglieder trennten sich 2002 auch nicht gerade in enger Freundschaft, was sicher auch am Riesenego von Frontmann Gavin Rossdale lag.

So bleibt Golden State vor allem als Marker des Endes der Band in Erinnerung. Trotzdem ist Golden State ein insgesamt gutes Album gewesen. Leider kam es ein paar Jahre zu spät auf den Markt.


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