Recently Released | Akron/Family – Set ’em Wild, Set ’em Free

Wieder einmal eine musikalische Erleuchtung, die ich dem Popkiller zu verdanken habe: Die neue Platte der Band Akron/Family. Der etwas ungewöhnliche Bandname ist im Prinzip nur der Auftakt zu einem noch ungewöhnlicheren musikalischen Abenteuer. Der Albumtitel Set ’em Wild, Set ’em Free weckt Bilder einer weiten Prärie mit Büffelherden und Mustangs, und tatsächlich ordnet sich die Musik der Amerikaner (sehr dezent) dem amerikanischen Folk-Rock unter. Keine Angst, wirklich Country ist das nicht und auch Erinnerung an die ein oder andere irische Folk-Band sind glücklicherweise fehl am Platz.

Das Album hatte mich schon mit dem ersten Track völlig überzeugt. Da hatte ich zwar die anderen Songs noch gar nicht gehört, aber allein die Idee hinter Everyone is guilty war schon so überragend, dass der Rest nur gut sein konnte. Der Song startet mit sehr trickigen Percussion und geht dann in ein funkig-grooviges Riff über. Schon hier absolut grandios. Aber es kommt tatsächlich noch besser. Zunächst setzt der fast schon gospelhafte Gesang ein, geht dann aber radikal in eine Art über, die man sonst am ehesten von der Band Battle kennt. Dann eine Interlude á la Portugal. The Man und wieder zurück. So viele Einflüsse in nur einem Song so gekonnt verarbeitet kennt man sonst wirklich nicht. Mir bleibt nur helle Begeisterung.

Ganz anders darf dann der Song River daher kommen. Geradezu brav läutet er die ruhigere Phase des Albums ein, klingt dabei vor allem beim Gesang zunächst nach einer ruhig-melodiösen 50er Jahre Rock-‘n-Roll Nummer, schafft es aber bei aller scheinbarer Banalität immer mal wieder aus den bekannten Muster auszubrechen. Wirklich schön.
Ähnlich zurückhaltend geht es bei Creautures zu. Die Nummer klingt mehr nach Elecronica denn nach Folk oder Rock, atmet aber eindeutig Rockatmosphäre. Ein sehr chilliges Stück, das ein wenig nach Jazz klingt und wundervoll gesungen ist.

The Alps & their Orange Evergreen ist dann die erste Nummer, die man aufrichtiger Weise als Folk bezeichnen darf. Sehr gut vergleichbar mit Matt Costa, entspannt und nachdenklich zugleich, dazu ein schickes Picking auf der Gitarre. So kann man es sich gut gehen lassen. Auch Set ’em Free ist eindeutig eine Folknummer. Hierzu gibt es auch auf YouTube ein Video, aber sehenswert ist das nicht unbedingt, dafür überzeugt der Song an sich durch Country-Atmosphäre im erträglichen Maß, ein gutes Picking und einer bestechend einfachen, aber gehaltvollen Melodie.

Gravelly Mountains of the Moon entzieht sich auf wundervolle Weise jeder Genre-Einordnung. Hier kommt wieder mehr die künstlerische Ader der Band durch. Die Eröffnung macht wildes Querflötengezwitscher. Erst sehr langsam bekommt der Song Struktur, wird zunächst um Gitarre und Bläser ergänzt um dann mit einer nicht wirklich in der Tonleiter liegenden Melodie ergänzt zu werden. Das ist schräg, zugegeben für sich genommen nicht wirklich überzeugend, und kann sicher den ein oder anderen davon überzeugen, dass die Band scheiße ist. Ist aber falsch. Denn die Nummer funktioniert innerhalb des Albums sehr gut. Vor allem nachdem sie letztlich in die wohl wildeste Gitarrenorgie übergeht, die ich in den letzten Jahren gehört habe. Dazu klingt die Band hier so wunderbar direkt und ehrlich nach Rock, dass man einfach nur dahinknien möchte. Das ist Psychedelic Rock in Reinkultur.

Many Ghosts ist dann wieder mehr Song. Bietet wieder etwas gemächlichere Klänge und vor allem eine Melodie. Dazu schicke glockenhafte Klänge im Hintergrund und einen schön schrägen Refrain. Danach MBF das wieder mehr nach Proberaum zu, Verstärker auf laut und dann losgeschrammelt klingt. Ist zwar letztlich kaum mehr als eine Noise-Attacke, macht aber im Zusammenhang doch Spaß und hat seine Berechtigung auf dem Album. Das meine ich ernst.

Dann mein zweiter erster Favorit, They will Appear. Das Stück beginnt in einer Atmosphäre, die mich unglaublich an Fuzzmans Liabale erinnert. Wir erinnern uns kurz: Liabale ist ein Stück, das nach Österreichischer Volksmusik klingt. Doch auch hier schon die ersten Klanglichen Andeutungen in Richtung Mike Watt, der sich gegen Ende sozusagen auch klanglich durchsetzt. Einfach ein klasse Song.

Die beiden letzten Stücke The Sun will Shine und Last Year beruhigen das Album wieder spürbar bilden einen angemessenen Abschluss nach einer wirklichen Achterbahnfahrt. Schön vor allem das musikalische Zitat von “Nehmt Abschied, Brüder” am Ende von The Sun will Shine, sei es Absicht oder nicht. Es ist da.

Set ’em Wild, Set ’em Free ist wagemutig, verrückt, anders aber auch durchweg gut. Hier gibt es wirklich keine Schwachpunkte und auch wenn hier die Grenzen dessen, was landläufig noch als Musik bezeichnet wird, häufig weit überdehnt werden – das kann man natürlich auch gerne als Vorteil auslegen – ist das Album mit Sicherheit einer der Knaller des Jahre. Am ehesten lässt sich das Gesamtkunstwerk wohl mit Mugisons Mugiboogie gleichsetzten. Oft verwegen aber immer wieder auch einfach gute simple und ruhige Nummern und insgesamt ein Act, der die Grenzen der Musik wieder etwas ausbaut. Kurzum: Saugeil!

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Recently Released | Variety Lab – Team Up!

Es fängt an mir Angst zu machen. Nicht nur, dass ich mittlerweile immer öfter auf grandiose Alben stoße, die man selbst mit viel Ausredekunst einfach nicht mehr als Rock bezeichnen kann. Nein, hier machen auch noch Franzosen Musik, und das nicht nur verdammt gut sondern auch noch auf Englisch und das ebenfalls verdammt gut. Vielleicht kommt das ja vom Alter, aber meine alten Vorurteile muss ich wohl langsam mal gründlich überdenken.

Variety Lab, heißt also meine Neuentdeckung, die ich wieder einmal dem Popkiller zu verdanken habe. Im Prinzip lässt sich Variety Lab sehr gut mit Sola Rosa vergleichen: Beides ist mehr Projekt denn Band. Ein Mastermind, in diesem Fall Thierry Bellia, sucht sich Musiker zusammen und nimmt ein Produktionsorientiertes Album auf. Dass die Ergebnisse dabei so gut sind, verwundert mich als alten Bandbefürworter doch immer wieder.

Musikalisch liegt Team Up!, welches übrigens bereits die zweite Platte von Variety Lab ist, ziemlich klar im Pop. Einflüsse aus Rock und sogar Jazz kann man durchgehend mal mehr und mal weniger unterstellen.  Einzelne Songs klingen fast schon nach Maroon 5, nur besser weil ehrlicher in Richtung Pop bzw. auch ehrlicher in Richtung Rock ausgerichtet. Das Album ist voll von echten Highlights, insofern möchte ich nur diejenigen herausstellen, die mir besonders in den Gehörwindungen hängen bleiben. Da wäre zum Einen This Parade (feat. Lily Frost). Mit zuckersüßer Stimme wird hier ein grammophonverkratzter Sound kreiert, der nach Jazz und nach den 1920er-Jahren klingt, dabei aber unglaublich direkt verzaubert. Ziemlich ähnlich gelagert ist das letzte Stück der Platte Love is a Bird (feat. Yael Naim), dass ebenfalls auf eine engelsgleiche Atmosphäre baut.

We should be Dancing ist auch so eine Nummer, die in Erinnerung bleibt. Obwohl unbestreitbar eine Dancepop-Nummer macht das Stück eninfach von vorne bis hinten Spaß. Wirklich genial ist aber der Song Which Way to Go. Der sich als einziger auf dem Album wirklich näher am Rock als am Pop bewegt. Eine Punk-hafte Struktur, ein knackiger, eingängiger Refrain, viel Druck und das permanente Verlangen, dazu mit dem Kopf zu wackeln und die Füße zu bewegen dürften wirklich nur Tote kalt lassen.

Team Up! ist ein definitiver Kauftipp für alle, die gerne bereit sind auch mal über den Tellerrand des Rock zu schauen und sich selbst einzugestehen, dass auch Pop gute Musik sein kann. Das solche Musik immer außerhalb von öffentlichen Radiostationen passieren muss ist eines der zentralen Probleme der Musikindustrie in Deutschland. Aber was solls. Wer Musik liebt kauft ja auch heute noch gerne, und Team Up! hat es wirklich verdient. Also: Reinhören und gegebenenfalls mitnehmen ist angesagt.

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Recently Released | Alter Me – The Fall

Ich freue mich besonders, wieder einmal eine schöne Neuentdeckung vorstellen zu können. Alter Me stammen aus Dänemark, haben mit The Fall gerade am 30. Januar ihr Debutalbum veröffentlicht und sind schon beim Major EMI unter Vertrag. Ich kam mal wieder über mein Engagement bei Popkiller.de an die Scheibe und was die Dänen da an Songs zusammengestellt haben, macht wirklich große Freude.

Das interessante an der Scheibe ist zunächst einmal, dass alles irgendwie schon sehr vertraut klingt, da Alter Me ziemlich unverblümt an Einflüssen zusammenklauen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Die Palette der Referenzenzeugt alleine aber schon von einem sehr guten Geschmack. Da erkennt man Radiohead, da erkennt man Travis, auch Alice in Chains, Nirvana, Portugal. The Man und eine Vielzahl weiterer Einflüsse kann man hier andichten, je nachdem, was man so als musikalischen Hintergrund zur Verfügung hat. Klingt erstmal wenig ehrenhaft, das muss ich zugeben. Dennoch darf man Alter Me getrost in eine andere Ecke stellen, als die mir ungeliebten, aber zugegebener Maßen nicht allzu weit entfernten Coldplay. Denn Alter Me schaffen es, dem Potpourri an Klangzitaten auf spannende Weise einen eigenen Stil zu entnehmen, der gefällt.

Schon der Opener Problems kann so überzeugen. Ein einfacher und sehr eingängiger Refrain, simple Riffs gewürzt mit guten Einfällen und ein sehr gutes Gefühl für Rythmen und Dynamik, machen den Song fast schon zu einer Hymne. You Can’t, die erste Single der Band, klingt zumindest im Strophenteil ganz extrem nach Travis, allerdings nicht auf eine widerlich anbiedernde Weise, sondern im Sinne eines achtungsvollen Zitats. Besonders, da der Refrain dann wieder stärker nach Alter Me klingt. So wird der Song zu einem lockerleichten Poprockstück, dass zwar Melancholie im Herzen trägt, aber gleichzeitig Hoffnung zu versprühen weiß. Love heißt die erste Single, die im Rahmen der Albumveröffentlichung beworben wird. Dieser Song gefällt mir besonders aufgrund der wunderbar arrangierten Akustikgitarre. Die Akkordfolge ist irgendwie recht simpel, hat jedoch für sich genommen schon eine unglaubliche Ausstrahlung. Dazu eine wirklich perfekt gefundenen Gesangslinie machen den Song zum potentiellen Megahit. Alter Me legen dabei eine Radiotauglichkeit an den Tag, die erfrischend ist, da die Songs trotz aller Einfachheit und Eingängigkeit nicht wie auf Erfolg gebügelte Pseudorocknummern klingen. Wenn Radiotauglichkeit immer so klänge, würde auch ich öfter mal in den Äther lauschen. Besonders schön finde ich auch die Bridge am Ende des Songs, die mich unwahrscheinlich an Portugal. The Man erinnert.

You’re Crazy ist eine Nummer, die fast genauso auch von Radiohead stammen könnte. Hier fällt auch besonders auf, wie nahe die Stimmen von Frontmann Hans Mortensen und Radiohead-Chef Thom Yorke liegen können. Dennoch ist auch hier wahr, was schon bisher galt: der Song wirkt nicht wie ein berechnender Abklatsch des Originals, sondern vielmehr wie eine eigene Interpretation eines Stils. Der Song wird so zu einer der gefühlvolsten Stücke des Albums. Me and Myself legt eine Harmonie an den Tag, die mich zumindest unwahrscheinlich an Alice in Chains auf Grind erinnert. Gemessen am Restalbum ein eher sperriger Song, dennoch wirklich stimmig im Gesamtzusammenhang. Und auch trotz eher gewöhnungsbedürftiger Harmonie dank griffiger Songstruktur eine recht poppig ausgelegte Nummer. Pissed liegt wieder näher an Radiohead á la Pablo Honey. Viel Gefühl in der Stimme, eine zurückhaltende aber angemessene Instrumentierung und ein sehr rockiger Refrain machen den Song zu einer schönen Referenz auf Nirvana, lassen aber gleichzeitig wieder viel Eigenleistung erkennen.

Lay Down my Arms gehört zu meinen persönlichen Favoriten des Albums. Besonders die eigenwillig spannende Melodie und der umwerfende Refrain haben es mir hier angetan. Zudem steigert sich der Song geradezu in perfekter Weise. Auch textlich kann ich dem Song einiges abgewinnen. Hier ist jemand mit viel Gespür für Worte unterwegs. Außerdem: grandios dissonante Töne im Solo! Muss man mögen – ich liebe es. Video Tonight ist vielleicht das Stück, das am meisten nur nach Alter Me klingt. Dabei ist die Ballade mit Pianobegleitung ein einfühlsames Meisterwerk: Perfekt produziert, ergänzt um Bläsersektionen, sehr zurückhaltend durch die Band begleitet ist dieser Song mein Zweitliebster auf The Fall.

Kommen wir nun zum Sorgenkind des Albums. Ausgerechnet der Titeltrack The Fall hat es mit leider immer noch nicht angetan, obwohl ich mittlerweile (im Vergleich zu meiner Pokiller Rezension) dem Song schon etwas mehr abgewinnen kann. Dennoch ist mir der Song zu unfertig, zu unausgegoren und im Vergleich zum Rest des Albums einfach ein Stück hintendran. Viellicht hätte der Song einen würdigen Hidden Track abgegeben, als Titeltrack ist die Nummer jedoch eindeutig überbewertet. Einzig überzeugend ist die Darbietung der Stimmgewalt von Hans Mortensen. Ghost ist dann die eigentlich letzte Nummer des Albums, lässt man die Akustikversion von Love mal außen vor, die zumindest momentan noch auf den Alben als Bonustrack mitgeliefert wird. Ghost ist eine verführerische Popnummer, die hinter überschwenglicher Fröhlichkeit einen eigentlich sehr traurigen Text transportiert. Ein würdiger und irgendwie hoffnungsvoller Abschied, der da den düsteren Worten unterlegt wird und ein großer Ausstieg aus den 10 regulären Tracks des Albums.

Alter Me sind meine erste große Entdeckung des neuen Jahres und wecken schon jetzt eine Vorfreude auf mehr Songs der Band. Ich glaube, dass die Jungs aus Dänemark es noch ganz weit nach oben schaffen könnten. Ich würde mir wünschen, dass  das Nachfolgealbum etwas mehr von dem durchklingen lassen wird, was Alter Mes eigenständigen Stil ausmacht. Dennoch sind die vielfachen Referenzen auf bekannte und großartige Bands auf The Fall sicher kein Manko. Das Album passt wunderbar in meiner Musiksammlung und insbesondere der melancholische Stil, vermischt mit teils recht fröhlich klingenden Popanleihen hat das Album für mich so spannend gemacht. Bleibt zu hoffen, dass die Band eine faire Chance auf dem deutschen Musikmarkt bekommt, dass bald eine Tournee stattfindet und dass das Nachfolgealbum nicht allzu lange auf sich warten lassen wird.

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Recently Released | Franz Ferdinand – Tonight: Franz Ferdinand

Das meine Ohren zu dem Vergnügen kamen, die neue Franz Ferdinand Platte zu belauschen, verdanke ich voll und ganz dem Popkiller. Denn selbst wäre ich wohl kaum auf die Idee gekommen, das aktuelle Werk der schottischen Britpopcombo anzuschaffen. Nur um hier keine Zweifel aufkommen zu lassen, ich halte Franz Ferdinand für eine hoch kreative Truppe mit wirklich guten Hits, das Problem ist jedoch, dass die beiden ersten Alben insgesamt eher nicht so gut sind. Hat man die Hits nämlich durchgehört, macht sich fast so etwas wie Langeweile breit.

Nun, Tonight: Franz Ferdinand ist anders. Schon der Opener Ulysses, gleichzeitig die erste Singleauskopplung, erinnert auf schockierende Weise zunächst einmal an die Popband Mika. Löst sich dann zwar schnell wieder in Richtung Franz Ferdinand auf, bleibt aber eine überraschend poppige Nummer. Auffallend bereits hier ist die nicht unwesentliche Ergänzung des Sounds durch Synthies. So wird Ulysses zu einer starken Eröffnungsnummer, die auch den Charakter des Albums ziemlich gut repräsentiert.  Auch Turn it On verbleibt erst einmal in klassischen Poprythmen. Dennoch schaffen es Franz Ferdinand auch hier unverwechselbar nach sich selbst zu klingen.

Man ahnt es fast: Auch No You Girls klingt irgendwie ungewohnt poppig, ja fast funkig und doch nach Franz Ferdinand. Von der Struktur her eine sehr einfacher Song,  der vielleicht gerade deshalb sofort mitreißt und zum mitwippen zwingt. Hier, wie auch schon in Ulysses, greift die Band auch gerne mal  zum Stilmittel der Atonalität und schafft es so auch einer sonst so glatten Nummer noch etwas mehr Ecken zu verleihen. Send Him Away orientiert sich stärker an Retroeinflüssen und klingt ein bißchen nach siebziger-Jahre Rock mit viel Funk und einer Basslinie, die auch einem Tatort-Vorspann würdig wäre.

Twilight Omens ist für mich eines der Highlights des Albums. Irgendwie in einer sehr düsteren Stimmung verpackt, dennoch irgendwie leicht und absolut tanzbar. Dazu ein cooler Refrain und ein Synthiethema, das einfach im Ohr hängen bleibt. Wirklich groß! Es folgt Bite Hard, ein Stück das zunächst anfängt wie ein sehr schönes ruhiges Beatles-Stück, dann aber in eine fast punkige Nummer übergeht, die besonders im Refrain stark an Franz Ferdinand Hits wie etwa Do You Want To erinnert. What She Came For klingt dann irgendwie wie Punkrock aus den 60er Jahren. Ein Widerspruch in sich, aber ich lasse das mal so stehen.

Live alone widmet sich dann wieder etwas stärker dem Pop. Geht dabei fast ein Stückchen zu weit, denn der Song erinnert teils zu stark an die gar nicht so glorreichen Produktionen aus den 70er Jahren. Dennoch eine absolut tanzbare und melodiös einprägsame Nummer. Direkt gefolgt von Can’t Stop Feeling, einem Dance-pop Stück der Extraklasse, natürlich ein bißchen in Richtung Britpop verzerrt und wirklich gut. Auch hier wieder eine eindrucksvoll produzierte Soundkulisse mit Synthiesounds und diesem funkigen Bass. Lucid Dreams ist dann irgendwie das am meisten hervorstechende Stück auf dem Album. Zunächste eine weniger auffälige Nummer , die erst zum Refrain wirklich Druck entwickelt, dann aber abgeht wie Schmitz’ Katze. Etwa in der Hälfte der Gesamtspielzeit des Songs ist das “Lied” dann fertig und geht über in einen fast vollelktronische Rythmustrack, der hier und da noch leichte Referenzen zum Song aufweist. Solche Experimente kennt man bereits von anderen Bands, so konsequent und vor allem so lang hat das aber meines Wissens noch keine Rockband ausgehalten. Spannend daran ist, dass man an sich selbst bemerkt, dass einem auch diese Rythmussektion absolut ins Ohr gehen kann. Selbsterkenntnis kommt also frei Haus.

Dream again zeigt sich dann wieder versöhnlich mit all denjenigen, die die Selbsterkenntnis nicht hören wollten. Der Song erinnert jedoch dank Dissonanz zunächst eher an einen Albtraum. Ist aber durch und durch passend zum Restalbum. Katherine Kiss Me gibt sich dann noch als Friedensangebot an all Jene, die in Tonight: Franz Ferdinand gar keinen Anker werfen konnten. Lennonesk gesungen, McCartneyesk gezupft und irgendwie eine traurige Schönheit nach einer wilden Reise durch Klanglandschaften, die man bestimmt nicht erwartet hätte.

Tonight: Franz Ferdinand ist ein schwieriges Album für eingefleischte Fans der Band, denn vom Retrostil-Britpop versuchen Franz Ferdinand immer weiter wegzukommen, und das gelingt auch ziemlich gut. Die gute Nachricht ist, dass die neuen Franz Ferdinand klanglich dennoch sehr nah an den alten Franz Ferdinand. Liegen. Was dem Album vermutlicht fehlt, ist ein klarer Radiohit, denn kein Song steht wirklich hervor. Was für manche jedoch ein Abwertungsgrund darstellen würde, ist in diesem Fall meiner Meinung nach ein klares Indiz dafür, dass das Album eine durchgängige Qualität erreicht hat, die Franz Ferdinand Alben bislang gefehlt hatte. Tonight: Franz Ferdinand wird vermutlich nie den Status der Vorgängeralben erreichen, es ist aber mit Sicherheit das beste Album der Band bisher.

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Seen Live | Mugison – Hafenklang/Hamburg – 08/12/2008

Was war das für eine Aktion: über 600 km Anreise um einen Künstler bewundern zu können, den momentan leider immer noch kaum Jemand überhaupt kennt. Dabei hätte Mugison es längst verdient auch hierzulande vor mehr als 50 Leuten aufzuspielen.

Aber mal der Reihe nach; im Dienste des Popkillers machte ich mich am Wochenende auf die Weite Reise in die Hansestadt Hamburg, um einen sehr denkwürdigen Abend im ebenfalls sehr denkwürdigen Hafenklang zu erleben.

Die Eröffnung des Abend besorgte Peter Broderick, ein Musiker aus Dänemark, der versuchte alleine das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Nun, die Wahrheit ist leider, dass es beim Versuch blieb. Um Klangdichte zu erzielen bediente sich Herr Broderick immer und immer wieder live eingespielter Samples. Das mag mal ganz nett sein, aber nur so zu musizieren wird schnell eintönig. Darüber hinaus konnten die Kompositionen auch an sich nicht überzeugen. Nach dem Konzert erzählte er überdies noch munter beim CD-Verkauf, dass das aktuelle Album in nur einer Woche geschrieben worden war und sogar in nur einer Stunde aufgenommen war. Hingabe und ernsthaftes Arbeiten an Songs sieht meiner Meinung nach anders aus.

Nach der enttäuschenden Eröffnung betrat dann Mugison mit seinen zwei Mitstreitern die Bühne. Mit (Akustik-)Gitarre, Bass und Schlagzeug bewaffnet brauchte es dann auch keinen ganzen Song, um endlich Stimmung aufkommen zu lassen. Dabei war der Sound aufgrund der sehr rudimentären Besetzung wesentlich roher als auf dem aktuellen Album Mugiboogie. Die Songs dieses Longplayers stellten auch den wesentlichen Teil des Abend, aber auch Stücke der beiden Vorgängeralben wurden wiedergegeben.

Alles in allem überzeugte Mugison so auf mehr als nur eine Weise. Musikalisch war der Auftritt topp, aber auch unglaublich unterhaltsam. Der Schlagzeuger war dermaßen aktiv, dass man mehr als einmal einfach nur über so viel Charme lachen musste. Mugison zeigte in seinen Ansagen eine ordentliche Portion Selbstironie und einen feinen Sinn für Humor, so war der Abend auch schon deshalb ein echter Knaller. Was mich aber mit am meisten berührte, war die unglaubliche Stimmgewalt des sympathsichen Isländers. Mehr als einmal fühlte ich mich an Kurt Cobain erinnert, aber auch immer mal wieder an die Intensität eines Jimmi Hendrix.

Ich bin wirklich froh, dass ich in diesem Jahr noch die Gelegenheit hatte, Mugison mal live zu sehen. Schade, dass der Mann, der in den USA schon für die Queens of the Stone Age supporten durfte hier nur in so kleinem Rahmen auftreten kann, andererseits aber auch schön so hautnah dran sein zu können. Für mich ist Mugison einer der kreativsten Köpfe, die die Alternative Rock Szene derzeit aufbringen kann.

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Recently Released | Fuzzman – Fuzzman 2

Und wieder einmal ein Zuwachs zu meiner Musiksammlung aus meinem Neben”beruf” beim Popkiller.

Fuzzman heißt der Künstler, namentlich zumindest dem ein oder anderen auch gelegentlich als Herwig Zamernik bekannt. Aus Österreich kommt der Herr und neben seinem Projekt Fuzzman ist oder war der Guteste bei Naked Lunch am Bass zu hören.

Das Projekt Fuzzman strotzt was die Benennung der Alben betrifft nicht gerade vor Kreativität: Nach dem Debutwerk Fuzzman folgt nun am 14. November der Nachfolger mit dem vielleicht etwas offensichtlichen Titel Fuzzman 2. Das schöne an der Sache ist: Die Kreativität die beim Albumnamen ausgespart wurde wird musikalisch mehr als wieder gut gemacht.

Das Album beginnt mit den wunderbaren Eingangsgesängen zu The Wild Gods nach etwa 20 Sekunden fängt sich der Song dann und zeigt ganz deutlich, wo Fuzzman musikalisch Fuß fasst. Das Stück ist ein wunderbar entspanntes Stück IndiePop. Vorwiegend getragen durch die Stimme und das begleitende Keyboard entfaltet sich hier ein Melodie, die zum Träumen zwingt. Im Hintergund ergänzen Bläser den verträumten Eindruckdes Stücks, das zu weiten Teilen komplett auf Unterstützung durch eine Rythmussaktion verzichtet. Absolut große Klasse!

Love & Laugh wendet sich dagegen eher dem traditionellen IndiePop zu. Klare Rythmen und Akkorde, erzeugt durch Schlagzeug und Gitarre. Dazu ein kaskadierender Refrain; mehr brauchts nicht um ein schönes Liedchen zu erzeugen. Zumindest wenn man ein gutes Gespür für Melodien hat. When Life Becomes a Handgrenade schafft es dann, einen aus dem Sessel zu fegen. Krach wäre an sich keine schlechte Beschreibung, wer jedoch wie ich Willens ist, auch in diesem Tohuwabohu noch die Ordnung zu finden, der wird auch dieses Stück lieben.

Old Man Down hilft dann, sich wieder zu sammeln und zurück in den Sessel zu steigen. Wieder gibt es diese wundervolle, zuckersüße Melodienführung die Fuzzman beherrscht wie kaum ein Zweiter. Die Begleitung wieder sehr dezent durch Keys und Rythmus. Dieser minimalistische Einsatz hilft umso mehr, die dichte Atmosphäre des Songs zu bestimmen. Dazu kommt, dass Fuzzman diesem Song Zeit lässt, sich voll zu entfalten. Based on Nothing wird dagegen wieder deutlich experimenteller. Hier sind insbesondere die Bläser als tragendes Element wahrzunehmen, obwohl diese sehr zurückhaltend und fast schon unarrangiert klingen.

Let’s Bury One ist dagegen wieder eine absolut klassische Popnummer, die in besonderem Maße an R.E.M. auf Up erinnert. Erst gegen Ende scheint auch hier wieder die Experimentierfreude Oberhand zu gewinnen, während der Song sich quasi langsam selbst auflöst. Fairytaleman transportiert dann eine Stimmung, wie sie auch auf einem Radiohead-Album zu finden sein könnte. Zunächst besteht der Song aus einem sehr minimalistischen Klavier-Intro. Erst nach über zwei Minuten setzen Melodie und Gesang ein; auf eine rythmische Untermalung wird gar gänzlich verzichtet. Sailorman schließt sich dann atmosphärisch sehr dicht an Fairytaleman an und liegt dabei sogar noch etwas dichter an Radiohead.

A Break for the broken Ones leitet in gewissem Maße dann bereits das Ende der Platte ein. Eine wunderbare wieder eher klassisch besetzte IndieRock/Pop Nummer die sich der bis dahin vorherrschenden Grundstimmung der Melancholie unterordnet und besonders durch die Bläsereinsätze den Weg für die nächste Nummer bereitet. My Friends the Feet stellt nämlich gerade im Bereich der Bläser wieder eine kleine Herausforderung an diejenigen, die mit experimentellen Elementen wenig anfangen können. Hier werden die Arrangements bis jenseits jeglicher Harmonie geführt, finden dann aber doch immer wieder den Anschluss an die Melodie. Cake hätten es nicht besser machen können.

Discoman ist dann nochmal ein echtes Highlight auf der Platte. Die Nummer ist mit Abstand die druckvollste und rockigste. Hier ist insbesondere eine Ähnlichkeit zu den Nine Inch Nails nicht von der Hand zu weisen. Eine echte Tanznummer!

Der Schluss gehört der Tradition: Liabale (bitte mit schönem österreichischen Bergakzent aussprechen) könnte auch in der nächsten Volkstümlichen Hitparade dargeboten werden. Dennoch setzt auch dieser Song einen wirklich guten, weil unerwarteten Schlusspunkt unter ein hervorragendes, sehr außergewöhnliches Album. Ich bleibe bei meiner Einschätzung von der Popkiller-Rezension, dass Fuzzman einen Vergleich zu Beck nicht zu scheuen braucht. Fuzzman 2 biete grandiosen, teils komplexen, meist experimentell angehauchten Indie-SlackerPop der feinsten Art.

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