Recently Released | Radiohead – The King of Limbs

Fangen wir diese Rezension doch einmal ganz anders an. Mit Dankbarkeit, dass Retrozension.de nicht den Anspruch hat Nachrichten als Erster unter die Leute zu bringen, sondern die Zeit hat, Musik wirken zu lassen bevor man seinen Senf abgibt. Sehr dankbar! Aber soviel sei nur als Ankündigung genutzt, dass es die Tage auch eine kleine Presseschau zu diesem Thema geben wird.

Widmen wir uns nun dem Release um das es hier gehen soll. Radiohead haben dieser Tage mit rekordverdächtig kurzer Ankündigung den Releasetermin für ihr achtes Studioalbum bekannt gegeben (Digitalrelease Samstag den 18.02.2011) und dann doch noch einen Tag früher releast. Ich liebe Radiohead und habe natürlich zugegriffen. Ich freue mich schon jetzt darauf in ein paar Wochen das Newspaper-Album in den Händen zu halten. Bei In Rainbows hatte ich die Gelegenheit leider nicht genutzt.

Zwischenzeitig kann man aber ja schon das Machwerk hören, und das habe ich in den letzten Tagen ausgiebig getan.
The King of Limbs ist keine leichte Kost, aber das war bei Radiohead schon vorher klar. TKOL ist zudem enttäuschend, weil es mal wieder so anders ausgefallen ist, als erwartet. Wer Gitarrenklänge erwartet wird kaum fündig. Verzerrerklänge sind noch spärlicher gesät. TKOL ist näher an Amnesiac als an jedem anderen Radiohead-Longplayer und doch gar nicht vergleichbar. Der erste Eindruck erinnerte mich am ehesten an Jazz. Vermutlich geht das in eine Fusion-Richtung, so gut kenne ich mich da aber nicht aus.

Acht Songs sind auch so eine Enttäuschung und kein Vergleich zu opulenten Hail to the Thieves-Zeiten; die Gesamtspielzeit erreicht nicht mal 38 Minuten. Ist deswegen das ganze Album eine Enttäuschung? Man ahnt es schon: Mitnichten!

TKOL liebt die Stille, vielmehr die Ruhe, ist fragil und hauchzart. Ich fühle mich an eine Seifenblase erinnert, ein Traum, der jederzeit zu zerplatzen droht und einen doch völlig in seinen Bann zieht. Die Schöhnheit der Songs liegt in der Detailverliebtheit der Arrangements. In der offen höhrbaren Verletzlichkeit des gesamten Konzepts. Der erste Hördurchgang lässt einen leiden. Man ist enttäuscht, desillusioniert und ein wenig orientierungslos. Die Songs wirken völlig belanglos; soll das etwa Radiohead nach dem Geniestreich von In Rainbows sein? Man sucht vergeblich nach Rock, nach den Elementen, die Radiohead bisher dann doch noch als Rockband durchgehen ließen, obwohl die Musik schon längst nicht mehr so richtig in die vorbereitete Schublade passen wollte.

Aber The King of Limbs wächst schnell und nachhaltig. Die Songs dringen ein, sickern geradezu ins Unterbewusstsein und nisten sich fröhlich ein in ihrer ausgesprochenen Unfröhlichkeit. Schon Freitagabend kamen mir einzelne Höreindrücke nicht mehr aus dem Sinn. Es entstand eine wahre Sucht nach den so herrlich minimalistsch aber doch effektvoll inszenierten Stücken.

Alle Songs bedienen dabei ähnlichen Grundstimmungen der Melancholie. Es gibt keine groß angelegte dynamische Vielfalt im Sinne von Track 1 rockt und Track 5 ist dafür eher balladesk angelegt. Nein, Radiohead bearbeiten im Wesentlichen acht musikalische Einfälle mit allem gebotenen Ernst und dem musikalischen Wissen, dass im wirtschaftlich verwertbaren Musikbereich so wohl nur bei Radiohead gefunden wird. Dabei bauen sie die einzelnen Tracks sehr gekonnt auf und schaffen dynamische Bandbreiten, die ohne das übliche Laut-Leise auskommen. Da liegen noch in den entferntesten Winkeln der Klanglandschaft Elemente, die es zu entdecken und zuzuordnen gilt. Dass das ganze Album dabei dennoch so organisch und aufgeräumt wirkt ist die wahre Kunst und wohl auch die wahre Arbeit beim austüfteln der Stücke gewesen.

Das Album könnte keinen oder kaum Wiederhall erwarten, käme es von einer unbekannten Indiecombo. Das ist schade, aber leider wahr – sagt aber glücklicherweise nichts über die Qualität und melancholische Schönheit des Machwerks aus.
Radiohead stehen schon lange weit außerhalb des Mainstreams, sogar weit außerhalb jeglicher Kategorien und Genres, in die Musikblogger und -journalisten so gerne einordnen; ich nehme mich da nicht raus.

Das Radiohead dennoch so gut funktionieren und millionenfach Platten unters Volk bringen; dass sie mit ihrem Album derart die Medien beherrschen, einfach weil jeder glaubt, seine Meinung zum Ausdruck bringen zu müssen, das spricht für sich und hat alleine schon jeglichen Respekt verdient. Das Radiohead es aber davon scheinbar unbelastet weiterhin schaffen, geniale, wenn auch schwierige Alben zu schreiben, ohne den Versuchungen des simpleren Pops und den Verlockungen des einfacheren Ruhms zu verfallen, dass zeichnet sie in meinen Augen wahrlich aus.

Über all dem Meta-Zeugs sollte nicht vergessen werden, dass The King of Limbs nicht an In Rainbows anknüpft, es aber auch keinen Takt lang versucht. TKOL steht für sich, genau wie die alte Eiche, deren Namen es sich entliehen hat. Ob es gefällt ist Geschmackssache. Mir jedenfalls gefallen die Songs verdammt gut.


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Seen Live | Akron/Family – Studio 672 Köln/18. November 2009

Keinen Aufwand scheute ich diesen Mittwoch, um im Auftrag des Popkillers Akron/Family live zu sehen. Einziges Konzert der Band, das halbwegs in meiner “Nähe” stattfand, war der dieswöchige Auftritt in Köln im Studio 672. Nun, zum Einen wurde die Tour vom Popkiller präsentiert, zum Anderen muss ich sagen, dass das Album der drei Amis für mich das absolute Releasehighlight des Jahres ist.

Es war daher sozusagen erste Bloggerpflicht, auch einen etwas größeren Aufwand in Kauf zu nehmen, um die Band live erleben zu können. Aufwand hieß in diesem Fall nach der Arbeit in den Zug, dann ins Auto, 260 km, 2h 45 min Fahrtzeit und 10 Autobahnbaustellen (Danke, Konjunkturpaket) in Kauf zu nehmen, um den Weg nach Köln zu bewältigen. Der Bericht zum Konzert ist bereits seit gestern auf Popkiller.de zu lesen, und wird nun auch noch hier nachgereicht. Benjamin von Popkiller (ja, das bin ich) schreibt also:

So richtig lässt sich gar nicht beschreiben, was da gestern im Studio 627 in Köln passierte. Gegen viertel vor zehn betraten drei schüchtern wirkende, bärtige Musiker die Bühne, ohne großes Tamtam, fragten erst mal das Publikum, ob es ihm gut ginge, erwähnten noch, dass eigentlich eine Freundin zur Verstärkung mit auf die Bühne kommen sollte, diese aber wegen nicht näher spezifizierter Probleme mit der „Transportation“ es doch nicht schaffte und begannen sogleich, mit Hilfe zahlreicher Livesamples im Endlosloop Schritt für Schritt eine Soundkulisse aufzubauen, die einen zweifeln lies, dass da tatsächlich nur drei Männlein auf der Bühne standen.

Und was für drei Männlein: Optisch wie aus einem schlechten Witz. Treffen sich ein Hippie, einer aus den Achtzigern und ein Computernerd und machen gemeinsam Musik. Und was für Musik. Für mich ohne jeden Zweifel stammt das bislang beste Album des Jahres 2009 von Akron/Family. Nun also das ganze live. Die Eröffnung ist schon eine sehr interessante Wahl: Gravelly Mountains of the Moon, ein Stück, dass man eigentlich nur mit dem Label Programmmusik treffend beschreiben kann. Aber es funktioniert. Das Stück wird auf das Wesentliche eingedampft. Zwei Gitarren, ein Bass und zur Einleitung die bereits erwähnte vielschichtige Soundkulisse, die auch insgesamt das Markenzeichen des Abends werden sollte. Auch der nächste Songs wird als wunderbar ruhige Ballade intoniert; glasklar gespielt, sehr fein abgemischt und von vorn bis hinten der pure Genuss.

Aber Akron/Family können und wollen auch anders: Immer wiederverfallen sie in wildeste Improvisationstiraden, immer mit dem Ziel, eine von Loops geprägte, völlig anarchisch wirkende Soundkulisse aufzuschichten, die – umso erstaunlicher – immer wieder zu Klängen führt, die einem vom Album her bekannt vorkommen. Und so werden aus gelegentlich überlangen und unnötig wirkenden Minuten dann doch wieder nur Intros zum nächsten Stück. Die Übergänge zwischen den Songs, die hauptsächlich aus den beiden letzten Alben Set em Wild, Set em Free und Love is Simple stammen, sind überwiegend fließend. Oft kommt man über mehr als zwanzig Minuten nicht zum Klatschen, denn Akron/Family verschnaufen nur selten, ziehen Ihr Programm mit voller Konzentration durch. So hat man auch immer wieder den Eindruck, dass es sich bei dieser Rock-Orgie eigentlich um ein Jazz-Konzert ohne Jazz handelt. Oder um die Darbietung einer Symphonie.

Fest steht: es ist ein wahrer Genuss, den drei Multiinstrumentalisten zuzusehen. In den Improvisationsphasen kann gelegentlich die ein oder andere Länge entstehen und ob das in jedem Moment noch Musik ist, was da dargeboten wird, oder ob hier doch nur Krach gemacht wird, ist Jedem im Publikum selbst überlassen. Kunst ist es allemal, definitiv kein Pop aber Rock as Rock can be. Ehrlich, rau, experimentell, spannend, mitreißend, laut, auch zu laut, dringlich, genial.

Nach etwas mehr als eineinhalb Stunden ist das Spektakel dann vorbei. Eine Zugabe, Everyone is Guilty, lassen sich Akron/Family noch entlocken, dann gehen die Lichter wieder an und des Spektakel ist vorbei. Die Eindrücke und der Tinnitus aber halten noch eine ganze Weile an.

Soweit der Bericht auf Popkiller. Viel möchte ich dem gar nicht hinzufügen. Der Abend war gut, das Konzert echt ein Erlebnis trotz hier und da der ein oder anderen Länge in den Noise-Improvisationsteilen, aber durch die immer wieder hergestellten Übergänge in die Songs lies sich das auch immer wieder verschmerzen.

Akron/Family überzeugten mich dadurch, dass sie ihre Songs irgendwie komplett demontierten, um sie dann Schicht für Schicht wieder zusammenzusetzen, mal mit mehr Variationen gegenüber den Studioversionen, mal mit Weniger. Das Live-Erlebnis war jedenfalls die kleine Reise wert. Also zurück, 260 km, 10 Baustellen, diesmal nur 2 1/2 Stunden Fahrtzeit und vor allem keine Zugfahrt bis ich um halb drei im Bett lag. Zugegeben, der nächste Tag auf der Arbeit war hart, aber wofür ist man denn noch jung?

Die Deutschlandtour ist leider mit dem Kölnkonzert zu Ende gegangen, wenn die Band aber wieder in die Lande kommt kann ich allen Freunden experimentellen Alternativerocks nur empfehlen hinzugehen.

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Retrozension | Radiohead – OK Computer

Wenn es eine Band gibt, die mich in diesem Jahr ganz besonders begleitet und beeindruckt hat, dann ist es wohl Radiohead. Grund genug für mich, ein weiteres Album der Band aus Oxford mit einer Retrozension zu ehren.

Heute geht es also um das dritte Album, das im Falle von Radiohead wohl in seiner Bedeutung gar nicht überschätzt werden kann. OK Computer, so der etwas ungewöhnliche Titel, katapultierte die Band in einem Schlag aus dem Schatten aller zuvor verarbeiteten Einflüsse und etablierte im Grunde ein eigenes Genre. Ich meine hier nicht das oft angebrachte Label Postrock, sondern vielmehr die unglaubliche Komplexität und Kompositionstiefe, die die Songs auf dem Longplayer von allem abheben, was die Rockmusik sonst so zu bieten hat.

Der aufmerksame Leser bemerkt unschwer, dass das Ergebnis dieser Retrozension gar nicht schlecht werden kann. Es tut mir leid, dass ich es hier gar nicht erst versuche einen Spannungsbogen aufzubauen, aber OK Computer begeistert mich derart nachhaltig, dass ich mit meiner Meinung gar nicht hinter dem Berg halten möchte. Schauen wir uns das Album aber im Einzelnen mal etwas genauer an:

Der Opener Airbag beginnt zunächste eher unauffällig mit bis dahin typischen Gitarrenriffs und Schlagzeugeinlagen. Schon beim Einsetzen von Thom Yorkes Gesang wird aber klar, dass irgend etwas diesmal anders wird. Die Stimmung wirkt irgendwie fragil, der Sound trotz zurück haltend agierenden Instrumenten unglaublich dicht und atmosphärisch. Dies wird mit Paranoid Android noch deutlich verschärft. Hier verfällt die Rythmussektion bereits in Muster, die man bis dahin eher von elektronischer Musik kannte. Dazu werden Gitarreneinwürfe geboten, die so voller Leidenschaft und Schmerz klingen, dass man sich dem Zauber des Songs eigentlich nicht entziehen kann. Insbesondere der dynamisch sehr krasse Wechsel zwischen absolut dichten Gitarrenwänden und atmosphärisch entrückten Songfragmenten macht schon beim zweiten Song klar, dass OK Computer in anderen Sphären unterwegs ist.

Subterranean Homesick Alien lautet der etwas sperrige Titel des nächsten Songs, der im Dreiviertel-Takt daher kommt. Auch hier wieder absolut entrückte Gitarrensounds, eigenwillige Gesangslinien und dieses bestimmte Gefühl als ginge es um Alles oder Nichts. Hier wird Musik mit einer Hingabe gefeiert, die man sonst eher von Jazzplatten kennt. Exit Music (For a Film) ist das wohl traurigste Stück auf dem ganzen Album. Thom Yorkes Stimme klingt geradezu zerbrechlich, das Tempo ist absolut rausgenommen. Zunächste wird die Begleitung nur durch eine Akustikgitarre übernommen, erst nach und nach setzen Synthiesounds, Klangsamples und der Rest der Band ein, um den Song schrittweise zur Ekstase zu führen. Das ist Songwriting par Excellence grandios umgesetzt!

Let Down baut wieder auf klassischeren Songstrukturen auf und überzeugt durch seine Einfachheit, die wieder überwiegend durch die überirdische Gesangsleitung von Thom Yorke getragen wird. Die Band bleibt vornehm im Hintergrund und schafft einfach nur eine dichte Stimmung, die den Song absolut passend trägt. Das nächste Highlight lässt mit Karma Police nicht lange aus sich warten. Ich erinnere mich noch gut daran das Video zu diesem Song dereinst auf MTV gesehen zu haben und völlig in den Bann gezogen zu werden. Nicht nur musikalisch taten sich da ganz neue Welten für mich auf, auch das Video mit seiner alptraumhaften Atmosphäre hinterließ einen bleibenden Eindruck. Der Song selbst wird vorwiegend durch das Piano und den Bass getragen, die verqueren Lyrics geben einem Rätsel auf aber auch hier unterliegt eine Simplizität, die ich einfach faszinierend finde.

Fitter Happier lässt dann in ungewöhnlicher Weise den Computer zu Wort kommen. Im Grunde besteht der Titel nur aus den elektronisch verlesenen Lyrics, unscheinbar hinterlegt mit Samples und Pianoklängen. Electioneering bringt dann einen der vielleicht ehrlichsten Rocknummern auf OK Computer. Hier treibt der Rythmus, hier krachen die Riffs und es wird einfach mal wieder ganz bodenständig gerockt. Textlich ist diesem Song, wie eigentlich allen auf dem Album, sehr viel abzugewinnen, wenn man sich ein wenig Zeit für eine Interpretation nimmt.

Climbing up the Walls ist die nächste Nummer und hier wird wieder stärker auf elektronische Klangwelten gesetzt. Zurückhaltung und Depression in hervorragender Intonierung, kein Hit aber irgendiwe absolut notwendig und grundehrlich. Sehr schön auch das anschließende No Surprises, das zunächst irgendwie an ein Schlaflied erinnert. Textlich entpuppt sich der Song jedoch zunächst als abschließende Gedanken eines Selbstmörders, diese werden dann in der letzten Strophe unmittelbar mit einem ruhigen leben in einem hübschen Vorstadthäuschen gesetzt. Sozialkritik am Rande des Erträglichen. Davon mag man halten was man möchte, die Umsetzung macht auch diesen Song zu einem der vielen absoluten Highlights des Longplayers.

Lucky setzt noch einmal alles auf große Emotion und wirkt fast etwas pathetisch. Aber nur fast. EIn grandioser Refrain und ebenso grandiose Strophen, dazu wieder eher grungenahe Gitarrenarrangements, die nicht unwesentlich an Bush erinnern, nur das Bush nie diese Genialität erreicht haben. The Tourist schließt dann letztlich das Album. Auch hier setzen Radiohead ganz klar auf ruhige, melancholische Elemente. Sehr gemäßigtes Tempo, sehr stark zurückgenommene Instrumentierung, dafür aber umso mehr Raum für den Gesang gelassen. So wirkungsvoll können Songs produziert werden, wenn die Musiker in einer Band dazu bereit sind sich selbst mal ein bißchen zurückzunehmen. Das Ergebnis ist dafür absolut umwerfend.

Ich habe es bereits zu Anfang vorweggenommen, aber ich wiederhole mich gerne. Mit OK Computer haben Radiohead sich eine eigene Liga geschaffen, die meines Wissens nach bislang auch nur von Radiohead bedient wird. Die Band hat sich dem Fortschreiben der Rockmusik verschrieben und mit OK Computer 1997 ein Werk vorgelegt, dass derart viele Maßstäbe setzte, dass man meinen müsste ein komerzielle Erfolg sei so nicht machbar. Ganz im Gegenteil schaffte es das Album im United Kingdom (sowie in Neuseeland) gar auf Platz 1 der Albumcharts. Darüber hinaus dürfte es wohl auch retrospektiv zu einem der Einflussreichsten Alben der 90er Jahre gehören. Besonders reizvoll für mich ist dabei diese irgendwie vorhandene, aber kaum greifbare Nähe der Songs und Arrangements zum Jazz. Zwar klingt wirklich Nichts auf OK Computer wie Jazz, aber die Atmosphäre und Songtiefe scheint mir unmittelbar vergleichbar zu einem Künstler wie Miles Davis. Fest steht: Ok Computer ist ein Geniestreich, wie er nach diesem Album nur Radiohead selbst wieder gelungen ist.


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Podcasts | Radio Free Brooklyn

Radio Free BrooklynAuf meiner Suche nach guten Podcasts habe ich mal wieder eine echte Perle entdeckt. Der aus (Überraschung !!!) Brooklyn, New York stammende Podcast ist genau das richtige für alle, die sich gerne mal mit einer Auswahl an wirklich guter Musik berieseln lassen. Dabei kann man dem Podcast in diesem Fall ganz eindeutig kein Genre zuordnen. Gespielt wird, was den beiden Hosts eben gefällt. Das ist meist Alternative oder Indie Rock, kann aber auch das ein oder andere Mal in Richtung Metal oder Nu Metal, Pop und Punk abdriften.

Der Podcast selbst ist im Grunde wie eine Radioshow aufgebaut. Es gibt überwiegend Musik mit dem ein oder anderen Kommentar dazwischen. Das ist bisweilen sehr witzig, zumindest aber immer musikalisch hoch interessant. Selbst wenn  mir in einzelnen Shows die Songs mal nicht so gefallen haben, der Podcast ist einfach gut.

Die einzelnen “Sendungen” dauern meistens so um die 45 Minuten und erscheinen dabei in etwa alle 2 bis 4 Wochen. Zu jeder Veröffentlichung gibts außerdem eine Playlist auf der dazugehörigen Webseite.

Für alle Podcast-Hörer ist der Radio Free Brooklyn Podcast mit Sicherheit einen Ausflug wert. Viel Spaß beim Reinhören.

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Retrozension | Pink Floyd – Wish You Were Here

Pink Floyd - Wish You Were Here

Es gibt Alben, die dürfen in keiner Rock-Musiksammlung fehlen. Einer dieser Kandidaten ist sicherlich das Album Wish You Were Here von Pink Floyd. Für mich war gerade dieses Album der Einstieg in die Musik von Pink Floyd. Das ist mittlerweile über 10 Jahre her und dennoch höre ich Wish You Were Here regelmäßig.

Im Grunde könnte man meinen das Album sei eine EP. Gerade einmal fünf Songs finden sich auf dem Longplayer (Spielzeit: über 44 Minuten), doch die haben es in sich. Was Pink Floyd da auf Vinyl pressen ließen ist unglaublich dicht und atmosphärisch.

Das Album beginnt mit dem epischen Titel Shine on You Crazy Diamond (Part One), einer 13 1/2-minütigen Hommage an das frühere Bandmitglied Syd Barrett. Nicht, dass man das raushören würde aber so sieht es die Band. Für den unbedarften Hörer bietet sich einfach ein geniales Werk, das von unglaublich guten Soli getragen wird. Dabei, und das ist gerade die Stärke von Pink Floyd, stehen nicht das instrumentalische Können im Vordergrund, sondern immer einzig und allein die Melodie. Nicht, dass die Soli nicht perfekt gespielt wären. Es ist vielmehr so, dass dabei nicht das Können der Instrumentalisten im Vordergrund steht, sondern immer die Wirkung der Musik. Das ist ein einfaches Rezept das von vielen anderen Solisten häufig vergessen wird.

Der zweite Song Welcome to the Machine handelt textlich von der Entdeckung der Band und der Unterzeichnung der Verträge. Das ganze wird untermalt von dampflokartigen Geräuschen, die im Laufe des Songs immer stärker musikalisiert werden. Hier fällt besonders der Einsatz des Synthesizers auf. Sehr Gänsehaut-verdächtig.

Have a Cigar ist die rockigste Nummer auf Wish You Were Here. Getragen von einem sehr rythmischen Gitarrenriff und melodiös gestützt durch interessante Synth-Sounds. Gesungen wird der Song übrigens von Roy Harper, einem britischen Singer/Songwriter der als Gast auftreten durfte. Auch in diesem Song zeigt David Gilmour mal wieder, wie geniale Gitarrensoli zu klingen haben.

Das bekannteste Stück aus dem Album Wish You Were Here ist zweifelsohne der gleichnamige Song. Dieser beginnt mit dem Wohl bekanntesten Gitarrenintro nach Deep Purples Smoke on the Water und Led Zeppelins Stairway to Heaven. Auch dieser Song ist nach Angaben der Band Syd Barrett gewidmet, obwohl er von vielen auch als Liebeslied verstanden wird und werden kann. Einfach grandios!

Zum Schluss des Albums wirds nochmal episch. Shine on You Crazy Diamond (Part Two) dauert nochmal 12 1/2 Minuten und trägt das Thema aus Part One bis zum Ende der Platte.

So sauber durchkonzeptinierte Alben liefert fast ausschließlich Pink Floyd. Wish You Were Here ist ein sehr guter Einstieg in die Klangwelten dieser Band und gehört für mich eindeutig zu den besten Rockalben aller Zeiten, wie übrigens auch andere Pink Floyd Alben. Ganz klare Höchstwertung.

Ein geniestreich

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Recently Released | Portugal. The Man – Church Mouth

Portugal. The Man - Church MouthZugegeben, für “Recently Released” ist es im Falle von Portugal. The Man vielleicht schon etwas zu spät. Immerhin erschien das zweite Album der Band bereits am 20. Juli. Da ich die Band aber bislang nicht kannte, kann ich nichts für meine Verspätung. Basta.

Aufmerksam wurde ich auf Portugal. The Man durch den Alternative Music Blog. So stieß ich auf die Hörproben zum neuen Album Church Mouth auf deren MySpace-Auftritt. Es fiel mir von Anfang an sehr schwer, nicht zu mögen was ich hörte. Seit gestern bin ich nun stolzer Besitzer des Albums in der Doppel-CD Ausführung, die neben dem Album Church Mouth auch noch die EP It’s Complicated Being A Wizard vom Februar dieses Jahres enthält.

Wie sich dem allwissenden Internet entnehmen lässt, hatten Portugal. The Man mit ihrem Debutalbum Waiter: “You Vultures!” bereits einen absoluten Überraschungserfolg. Ich muss gestehen, dass dieser an mir spurlos vorüber gegangen war. Insofern kann ich hier keine Vergleiche zwischen den beiden Alben anstellen. Was ich allerdings sagen kann ist, dass Church Mouth eines der interessantesten Alben ist, das ich seit langem gehört habe.

Der Sound schwebt irgendwie in einer neuen Dimension zwischen Led Zeppelin und Queens of the Stone Age. Dabei sind Portugal. The Man insgesamt erstaunlich eigentändig in ihrem Stil. Wirklich vergleichbare Bands kenne ich bislang nicht. Die Arrangements sind irgendwie abgehoben und kompliziert. Alles erinnert sehr stark an die Zeit des experimentellen Rocks von Led Zep, Deep Purple, The Who und Konsorten und dennoch klingt alles sehr modern und zeitgemäß. Zusamengehalten werden die progressiven Elemente dann von der alles bestimmenden Melodie. Und genau da liegt die absolute Stärke der Band, die es schafft bei allerFreude am experimentieren nicht das Ziel aus dem Auge zu verlieren, einen hörbaren Song abzuliefern.

Portugal. The Man sind bislang meine persönliche Neuentdeckung des Jahres. Insbesondere die Tatsache, dass die Band sich von allen Konventionen frei gemacht zu haben scheint und einfach ihr eigenes Ding durchzieht, begeistert. Church Mouth beinhaltet eine erstaunliche Breite an Klangwelten und liefert bei allen experimentellen und progressiven Ansätzen ausschlielich gut hörbare Songs, frei von einem elitären Anspruch wie er bei den meisten Prog-Rock Bands mitschwingt. Am besten ihr schaut selbst mal auf der MySpace-Seite der Band vorbei und macht euch einen Eindruck. Fünf Songs können dort angehört werden – Mein Tipp ist My Mind.

Ich kann den Kauf nur empfehlen.

Portugal. The Man im Web

Hörproben aus dem Debutalbum Waiter: “You Vultures!”

Stables and Chairs

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Marching with 6

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