Seen Live | Therapy? – Hamburg, Hafenklang – 2009/12/01

Etwas verspätet mittlerweile, muss ich ja hier noch ein wirklich überzeugendes Konzerterlebnis nachreichen. Die altehrwürdigen Therapy? gaben sich die Ehre, vor nicht einmal 200 Leuten im Hamburger Hafenklang zu zeigen, dass es sie auch noch gibt. Klingt sarkastisch, ist aber genau die Reaktion, die ich seit dem von allen Eingeweihten bekomme, wenn ich erzähle ich war bei Therapy?

Traurig? Nun zugegeben, Therapy? haben schon vor deutlich größerem Publikum gespielt, aber fairerweise muss man wohl auch sagen, dass Therapy? schon deutlich bessere Alben auf den Markt geworfen hatten als zuletzt. Der Zenit ist und war wohl immer das immer noch faszinierend eindringliche Troublegum, das für mich immer noch die Highspeed-Platte schlechthin ist. Diese Zeit ist aber nun auch schon eine ganze Menge Jahre her und daher muss man sich wohl kaum wundern, dass die drei Iren lediglich das Hafenklang (fast) voll kriegen.

Davon lassen sich die drei aber offenbar nicht entmutigen. Von Song 1 an sind die drei voll in ihrem Element und wärmen erstmal das Publikum mit alten Hits, vorwiegend von Troublegum, auf. Dabei zeigen Andy Cairns, Mike McKeegan und mittlerweile-Drummer Neil Cooper (der sich angeblich nicht besonders gut fühlte) volle Präsenz, binden von Anfang an ganz offensiv das Publikum mit ein. So ist es nicht verwunderlich, dass es ziemlich schnell zu Stage-Dives und viel gepoge vor der Bühne kam. Highlight dabei war sicherlich der Kerl, der eine Weile vor mir stand, und dabei (vermutlich) seiner Freundin simste, dass er voll am pogen sei – dabei stand im ganzen Raum vermutlich keiner so still wie er. Viele Grüße von mir auf diesem Wege, kleiner Angeber.

Zurück zum eigentlichen Event. Therapy? spielten nach der Aufwärmphase dann auch die ein oder andere Nummer aus dem aktuellen, mir unbekannten Longplayer Crooked Timber. Die Stimmung kühlte dabei ein klein wenig ab, was nicht an den Songs an sich lag sondern eher daran, dass keiner die Songs kannte. Man muss Therapy? aber hoch anrechnen, dass sie Profis genug waren, immer wieder mit Einwürfen aus den alten Zeiten die Menge brodeln zu lassen.

Alles in allem muss man einfach sagen, dass das Konzert wirklich cool war. Soviel bin ich seit langen nicht mehr während eines Konzerts gehopst. Fleißig mitgesungen habe ich auch und so war die ganze Aktion insgesamt ein wirklich cooler abens. Ich muss jetzt auf jeden Fall mal schauen, ob das neue Album vielleicht mal wieder eine Investition wert ist.

Therapy? gibts es auf jeden Fall noch!

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Recently Released | Green Day – 21st Century Breakdown

Sie haben es wieder getan, schon zum achten Mal um hier mal mitzuzählen. Green Day waren mal wieder kreativ und legen nach ihrem Überraschungserfolg American Idiot nach. Das ist kein einfacher Release für die Band. Nach dem Megaerfolg von Dookie verschwand die Band fast schon wieder komplett in der Senke, hatte zumindest hierzulande keinen wirklichen kommerziellen Erfolg, mal von der Single Time of Your Life (Good Riddance) vom Album Nimrod abgesehen.

Mit dem Erscheinen von American Idiot war Green Day wieder da. Das Album war ein kompletter Erfolg und strotzte nur so vor Kraft und Wut und wurde vor allem deshalb eindlich wieder ein Volltreffer. Besonders die stringente Konzeption hinter dem Album erreichte auch bei großen Zweiflern sehr gute Kritiken und schaffte für Green Day einen Ausweg aus der Schaffenskrise.

So gesehen stehen die drei Jungs aus Kalifornien mit 21st Century Breakdown mächtig unter Druck. Zum Einen müssen sie versuchen, nicht wieder in der Belanglosigkeit zu verschwinden und den Erfolg von American Idiot zumindest wieder bestätigen, zum Anderen müssen sie aber auch aufpassen, nicht einfach einen Klon von American Idiot aufzusetzen. Nun, an letzterem scheinen Green Day auf den ersten Blick zu scheitern: Wieder einmal ist das Album als Konzeptalbum beworben, es gibt wieder ein durchgängiges Thema und schon der Albumtitel klingt massiv nach Gesellschaftskritik. Auf die Thematik will ich aber nicht weiter eingehen, denn hier soll jedem der eigene Interpretationsspielraum offen bleiben.

Also auf zur Musik: Zugegeben, ich war nach dem ersten Durchlauf enttäuscht. 21st Century Breakdown klingt wesentlich ausgeglichener als sein Vorgänger. Keine Spur von ausufernder Wut, nicht dieses durchgehend hohe Tempo, das mir auf American Idiot besonders gefallen hatte und auch sonst keine klanglichen Ausbrüche aus dem Green Day Universum. Das hinterlässt zunächst den schalen Eindruck eines sehr berechnenden Songwritings mit der Maßgabe wenig Risiko, viel Erfolg. Mit der Zeit und der Anzahl der Durchläufe erlangt aber 21st Century Breakdown mehr Tiefe und Eigenständigkeit. Der Vergleich zu American Idiot drängt sich aber zwangsläufig auf, deshalb vergleichen wir doch einfach mal.

21st Century Breakdown ist gut und gerne 10 Minuten länger als American Idiot, hat mit 18 Tracks mehr Titel als der Vorgänger (zumindest sofern man die Sätze bei AI nicht mitzählt) und ist musikalisch sowie atmosphärisch vielfältiger. Green Day versuchen ihr Songwriting auszubauen und das wirkt bisweilen (oder bis man sich daran gewöhnt hat) etwas bemüht auf Mainstream gemünzt. Teilweise kommen Zweifel auf, ob man solche Bemühungen von einer Band wie Green Day überhaupt erwartet bzw. hören will.

Ansonsten erfreut man sich über mal mehr, mal weniger punkige Nummer die allesamt aber wenig gefährlich wirken. Einige Songfragmente erinnern bisweilen sehr stark an Songs anderer Green Day Alben, was aber beim Punk nach acht Alben vermutlich nie zu vermeiden ist. Dennoch könnte 21st Century Breakdown hier und da auch als Best-of -Medley durchgehen, wenn man nicht aufmerksam zuhört. Die gute Nachricht ist aber, dass es wirklich keine schlechten Stücke auf dem Album gibt. Alle Songs klingen unverkennbar nach Green Day. Wer die Band bisher liebte wird auch nach dem Album nicht anders denken. Gleiches gilt wohl auch für Leute die mit Green Day nie was anfangen konnten.

Alles in allem bin ich hier wohl etwas zu kritisch an das Album herangegangen, deshalb muss ich hier im Fazit mal wieder etwas zurückrudern. 21st Century Breakdown ist ein wirklich gutes Album, dass mit Sicherheit zu den besseren der Band gehört. Das Kennenlernen viel mir hier und da etwas schwer, weil das Album vielleicht ein wenig zu sehr gefallen möchte, dabei hätte es die Schminke gar nicht nötig, denn Schönheit ist in Masse vorhanden. Kleine Abzüge gibt es nur im Vergleich zu American Idiot weil Green Day 2009 die Wut und ein bißchen die Energie zu fehlen scheinen, die AI so unaufhaltsam vorantrieben. Green Day 09 sind wieder etwas sanfter geworden, vielleicht auch etwas ernsthafter und überlegter aber mit Sicherheit nicht schlechter als vor fünf Jahren. Zur Bedeutungslosigkeit ist es in jedem Fall ein weiter Weg und das ist auch gut so.

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Retrozension | Therapy? – Infernal Love

Es wird Zeit, das sechste Album der Band Therapy? – in meiner Sammlung nur das zweite – mal genauer anzuhören. Therapy? kamen mir ja erstmals mit dem Album Troublegum unter, und obwohl es sich dabei um astreinen Punk mit hohem Tempo gehandelt hatte, gefiel mir die Musik zu meiner eigenen Überraschung prompt. Grund genug, das darauf folgende Infernal Love aus dem Jahr 1995 zu kaufen.

Und zu meiner großen Überraschung überraschte mich Infernal Love dann ganz schön. Im Gegensatz zu Troublegum ist das sechste Album der Band aus Nordirland ziemlich abwechslungsreich und vielseitig.

Der Opener Epilepsy, aus dem auch die namengebende Zeile Infernal Love entstammt. Ist zunächst Highspeed-Rock mit schön wütender Gesangsstimme und reichlich Power. Wer solche Songs schreibt braucht live vermutlich keine Vorbands um das Publikum aufzuheizen. Hier gibts auch wieder die verdammt guten, wenn auch kurzen,  Gitarrensolis from Hell, die mir schon auf Troublegum zu gut gefallen haben. Zwischendurch eine kleine, fast jazzig-swingige Episode und dann wird brachial weiter gerockt. Fantastisch!. Und dieses Ende!

Stories bleibt auch erst einmal beim eher hohen Tempo. Wenn hier auch ein klein wenig Gas rausgenommen wurde. Was sich hier jedoch schon langsam als roter Faden im Album einstellt, sind die Soundsamples, die das Album insgesamt zu einer kleinen Geschichte zusammenstricken wollen, was meiner Meinung nach auch gelingt. Moment of Clarity ist dann ein Song, den es auf Troublegum nicht gegeben hätte. Absolut ‘tranquille’, wie der Franzose sagt und geradezu entspannend. Als ich das Album neu hatte war dieser Song mein absoluter Albumfavorit. Heute sehe ich das etwas differenzierter.

Jude the Obscene wird dann wieder rockiger, wobei das Tempo für Therapy?-Verhältnisse maximal Midtempo ist. Bowels of Love wird wieder ein eher ruhigeres, wenn auch kein langsames, Stück. Hier wird schön mit Akustikgitarren und Streicherhinterlegung gearbeitet. Der Song ist auf jeden Fall einer der Titel, die besonder viel Leidenschaft – bzw. in diesem Fall Verzweiflung – ausstrahlen. Wirklich mitreissend. Misery begint zunächst mit einer etwas synthetisiert klingenden Kriegsgeräuschkulisse. Darin schneidet dann das Gitarrenriff ein, dicht gefolgt vom Rest der Band. Ein Heidenspaß, dieses Stück auf der Gitarre mitzuschrammeln. Schon deshalb immer eines meiner Lieblingsstücke des Albums gewesen.

Bad Mother ist soundtechnisch als auch rifftechnisch eines der spannensten Liedchen auf dem Tonträger. Dazu ein eingängiger Refrain. Eigentlich müssten solche Titel Hits werden. Me vs You ist dann so ruhig, dass man meinen könnte die Band hätte gewechselt. Zu hören ist zartes Gitarrengeklimper, eine bedrohlich klingende Melange aus Streicher, Bass und Bassdrum. Noch bedrohlicher klingt die Gesangsstimme, die so tief ist, dass einem fast die Häarchen zu berge stehen. Der Refrain klärt auf, wirkt fast ekstatisch gegen die Strophe. Ein wunderbares Spiel mit der Dynamik und ein wirklich gelungener Song. Ich denke der Titel erklärt sich so auch wie von selbst.

Loose erschreckt den Zuhörer dann fast mit seiner Fröhlichkeit. Hohes Tempo kurze Strophe, knackiger Refrain, klassische Songstruktur. Fast wirkt der Song auf Infernal Love ein wenig deplaziert. Wie Britney Spears auf einer Grungecompilation -zugegeben, ich übertreibe ein wenig. Bevor die Fröhlichkeit voll Besitz von uns übernehmen kann, verbreitet Diane wieder etwas Thriller-Stimmung. Auch hier kommen dann wieder die Streicher zum Einsatz, diesmal allerdings weniger als Hintergrundelement sondern gar als einzige Instrumentierung, Cello und Geigen. Was Punk mittlerweile so alles darf. Dazu ein wirklich tiefgehender Text der die Geschichte eines Mordes mit Vergewaltigung aus Sicht des Täters schildert. Ob die Welt sowas braucht sollen andere entscheiden. Der Song geht auf jeden Fall unter die Haut.

Warum der über fünfminütige Schlusssong dann 30 Seconds heißt, bleibt wohl ein Rätsel. Hier gibts wieder den Eingangs schon erlebten Highspeed-Rock. Alles klingt irgendwie nach Verfolgungsjagd. Ein genialer Abschluss zu einem sehr vielseitigen Album, dass mir insgesamt immer sehr gut gefällt, das im Gesamteindruck ziemlich gut wegkommt und doch immer ein bißchen die Sehnsucht nach der genialen Schlichtheit von Troublegum mitschwingen lässt. Insgesamt beweisen Therapy? hier, dass sie deutlich mehr können als nur in einem Tempo und einem Sound mehr oder weniger gleiche, wenn auch gute Punksongs zu schreiben. Infernal Love präsentiert eine hohe Bandbreite was Dynamik, Tempi, Sounds und Stimmungen anbelangt. Das Ergebnis ist ein verdammt gutes, rockiges Album, das bei mir nur eine Frage offen lässt: Warum finden solche Alben nur so wenig Beachtung?

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Retrozension | Green Day – Nimrod.

Green Day - Nimrod.Green Day schafften es bekanntlich im Jahr 2004 mit ihrem Konzeptalbum American Idiot nicht nur ein so genanntes Comeback zu feiern, sondern auch endlich einmal als ernsthafte Musiker anerkannt zu werden. Tatsache ist aber, dass Green Day schon im Jahr 1997 ein Album veröffentlichten, auf dem sie musikalisch weit über sich hinaus gewachsen waren.

Das entsprechende Album erschien unter dem mir persönlich nicht allzu viel sagenden Titel Nimrod. (der Punkt gehört zum Namen, deshalb gehts im Satz klein weiter…) und verweist damit möglicherweise auf den altorientalischen König, vielleicht aber auch nur auf eine der unzähligen anderen Bedeutungen des Wortes. Was auch immer, Nimrod. ist das erste Album von Green Day, auf dem sie versuchen den doch zugegebenermaßen eher simplen musikalischen Ansatz der Band etwas zu erweitern; Und das gelingt vortrefflich.

Zunächst einmal sticht das Album alleine durch den Umfang aus meiner Green Day Sammlung heraus. ganze 18 Tracks finden sich auf dem Longplayer und obwohl man ohne Zweifel erkennt, dass es sich dabei um ein Werk der Dookie-Macher handelt, bietet Nimrod. eine musikalische Qualität, die man definitiv nicht erwarten würde. Der Opener Nice Guys Finish Last zeigt davon zunächst noch nichts. Hier wird in bester GD-Manier gepunkrockt, dass die Schwarte kracht. Es fällt allerdings bereits auf, dass die Produktion insgesamt etwas besser klingt. Hitchin’ a Ride zeigt da schon eher etwas vom Neuen. Nach einer kleinen Streichereinleitung experimentiert die Band mit einem eher ungewohnten Rythmusschema. Der Song steigert sich dann wunderbar, bis auch hier die Schwarte … naja, kennt man ja.

The Grouch ist wieder ein sehr typischer Green Day Titel. Dagegen setzt Redundant als ungewohnt gefühlvolle Nummer dagegen. Scattered fällt vor allem durch seine sehr schöne, fast durchgängige Zweistimmigkeit auf. All the Time überrascht hingegen im Grunde nicht. Soll aber nicht heißen, dass der Song nicht gut wäre. Danach folgt der von mir sehr geschätzte Worry Rock, der allerdings auch wieder auf ausgetretenen Pfaden wandelt.

Experimentierfreudiger zeigt sich die Band da schon wieder bei Platypus (I hate You), einem Song, der mit gefühlten 270 Beats pro Minute vorbeirauscht. Das nachfolgende Uptight gehört für mich zu den klaren Highlights des Albums, obwohl grundsätzlich musikalisch villeicht nicht sehr überraschend, ist die Nummer aber doch eine der spannendsten auf dem Album geworden. Zum totalen Entspannen lädt danach das instrumentale Last Ride In ein, bei dem ich – dank eingespieltem Meeresrauschen – immer an karibische Strände denken muss. Definitiv kein Punk!

Jinx setzt dafür brachial der Ruhe ein Ende und leitet mit Karacho die zweite Albumshälfte ein. Der Song hätte sicher auch als Opener gut funktioniert, macht aber auch an dieser Stelle einen guten Job. In direktem Übergang geht es weiter zu Haushinka, die ausser einem “peculiar name” auch noch einen wirklich guten Green Day Song ihr Eigen nennen darf. Eine Mundharmonika erweitert die übliche Bandbesetzung auf Walking Alone. Um der Innovationen aber nicht zu viele zu bringen haben Band und Produzent dem ganzen Reject nachgesetzt. Typisch guter Green Day-Punk. Take Back setzt hier nach, und das was man da hört wird gerne als Metal-Persiflage bezeichnet; Absolut treffend im Übrigen.

King for a Day leitet den Schluss des Albums ein. Textlich eine absolut witzige Nummer über einen kleinen Punk in der Unterwäsche seiner Mutter – was Freud wohl dazu sagen würde? Wer Green Day schon damals verfolgt hatte dürfte auch der Hit-Single Good Riddance (Time of your Life) schon begegnet sein. Ein akustisches Stück, dass nicht nur wunderbar traurig und verträumt klingt, sondern auch Hey There, Delilah definitiv deklassiert. Das Ende bildet dann Prosthetic Head, einem irgendwie trotz aller Punkigkeit deprimiert wirkendem Stück, dass einen durchaus nachdenklich verbleiben lässt.

Das Green Day mit Nimrod. über sich hinausgewachsen sind, hatte ich eingangs ja schon erwähnt. Das der Opener Nice Guys Finish Last retrospektiv geradezu prophetisch war, finde ich fast schon unheimlich. Da macht ein Band, die noch drei Jahre zuvor gigantisch gefeirt wurde ein wirklich grandioses Album, und bekommt dafür kaum Beachtung, oder wie es die ME Sounds damals sinngemäß beschrieb: Green Day machen ihr bestes Album und keinen interessiert es. Ein wirklich guter Schlusssatz, wie ich finde.

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Retrozension | Green Day – Insomniac

Green Day - Insomniac

Nachdem ich mit Blind Melon bereits einen Schritt in die musikalische Vergangenheit unternommen habe, sind heute mal wieder Green Day dran. Das Green Day bei mir einen dicken Stein im Brett haben, dürften regelmäßige Leser bereits mitbekommen haben.

Nach dem Smash-Erfolg des 94er-Albums Dookie veröffentlichten die Drei sehr zu meiner Freude bereits kurze Zeit später das Nachfolgealbum Insomniac. Das Ergebnis war ein Album, das sich zwar ziemlich gut verkaufte, in der breiten Öffentlichkeit im Gegensatz zu Dookie aber fast gar nicht wahrgenommen wurde.

Dabei enthält Insomniac durchaus Nummern, die auch ohne Probleme auf Dookie hätten Platz finden können. Vielleicht liegt aber auch genau darin das Problem. Die Produktion von Insomniac weißt keine nennenswerten Entwicklungen gegenüber dem Vorgängeralbum auf. Ich vermute, dass hier ganz klar strategische Entscheidungen der Plattenfirma dahinter standen, die nicht davon ausgegangen ist, dass die Punkwelle sich sehr lange halten würde. Die Konsequenz hieß also, möglichst schnell möglichst viel auf dem Markt unterbringen und hoffen, dass es keiner merkt. Dennoch sollte man deswegen nicht urteilen, dass Insomniac nicht gut sei.

Einige Songs sind durchaus echte Green Day Hits geworden. Für mich gehören zu den Highlights die Songs Bab’s Uvula Who?, 86, der insbesondere durch einen überraschend ernsten Text auffällt – die Band behandelt hier den Vorwurf, den Punk verraten zu haben – , Brain Stew/Jaded (2 Songs, die einfach unzertrennlich zusammen gehören) sowie der letzte Song der Platte Walking Contradiction. Allerdings fehlen so klare Hitnummern wie es Basket Case und When I come Around auf Dookie waren. Das ist aber an sich natürlich kein Qualitätsurteil.

Ich denke was auch dafür gesorgt hat, dass die Platte weniger erfolgreich war, ist die Tatsache, dass sich der Green Day Sound wieder etwas vom mainstreamigen Punk wegbewegt hatte und stattdessen (wieder) in Richtung härterer Rockmusik ging. Das zeigt sich insbesondere am ebenfalls sehr guten Panic Song.

Alles in allem halte ich Insomniac für einen würdigen Dookie-Nachfolger, der es aber letztendlich nicht schafft, den Vorgänger zu übertrumpfen. Ich kann nur sagen, dass ich vermutlich beide Alben gleich häufig höre. Insomniac ist ein gutes Album, dass es auch heute noch wert ist, das ein oder andere Mal aus den Lautsprechern zu ertönen. Die Green Day-Magie wirkt auf jeden Fall.

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Retrozension | Therapy? – Troublegum

Therapy? - Troublegum

Aus dem fernen Jahre 1994, also 13 Jahre alt, ist ein Album, dass einen so dermaßen mit Energie volltanken kann, dass die Erfindung von Starkstrom fast lächerlich dagegen wirkt. Therapy? (Fragezeichen gehört zum Namen) stammen aus Nordirland und machen auch heute noch fleißig Musik, die irgendwie wohl dem Punk zuzuordnen ist, aber davor scheue ich mich mal wieder. Seit 1991 haben die drei Mannen aus dem Norden der grünen Insel satte 13 Alben verewigt, das 14. ist bereits für dieses Jahr angedacht. Da können sich andere Bands was Produktivität betrifft vermutlich eine dicke Scheibe von abschneiden.

Mich hat Troublegum beim ersten Hören bereits voll gefesselt. Eigentlich war die Musik zu der Zeit, als ich ihr das erste Mal begegnete viel zu ‘hart’ für mich. Der Gitarrensound wirkt häufig sehr stark vom Metal beeinflußt. Die Songs sind kurz, ein bißchen düster, krachen ordentlich und legen auf dem gesamten Album ein Tempo vor, dass man schon vom Zuhören außer Atem zu kommen glaubt. Dabei ist das ganze Album dermaßen aus einem Guss, das es mir Anfangs durchaus schwer viel, auf Anhieb den Song zu nennen, der mir jeweils gerade im Kopf rumging.

Das soll aber nicht heißen, dass sich die einzelnen Songs nicht ausreichend voneinander unterscheiden. Die Sache ist bloß, dass man den Eindruck hat, die Band hatte irgendwann einen wirklich guten Tag und hat halt eben mal so 14 Songs geschrieben und eingespielt. So gut passt alles zusammen, dass es eine Sünde wäre nur einzelne Stücke daraus zu hören.

Schauen wir einmal ein bißchen näher auf die Tracklist von Troublegum. Der Opener Knives beginnt mit einem psychopathisch ins Mikro gehauchten Vers, nur um dann brachial zu zeigen, was musikalisch bevorsteht. Screamager folgt ohne eine Verschnaufpause einzuräumen, klare Songstruktur, Strophe, Bridge, Refrain – weiter. Hellbelly schließt da an, wo der Vorgänger aufgehört hat, treibender Rythmus, eingängige Riffs, Horrorfilmgesangstrophe, schicker Refrain – wieder weiter. Scheinbar etwas entspannter beginnt Stop it You’re killing me. Scheinbar! Dabei ist der Song klar eines der Highlights auf der Scheibe. Eine wirklich gute Melodie, ein wirklich catchiges Riff. Nach etwas weniger als vier Minuten ist aber auch schon wieder vorbei – weiter. Nowhere erinnnert fast schon ein bißchen an einen sehr schnellen Alarmton, ist dabei aber auch wieder wirklich gut – weiter. DAS Highlight des Albums – Die Laughing. Diesmal geht es wirklich etwas entspannter zu – im Verhältnis. Der Song hat wirklich Klasse, ist in weiten Teilen klar zweistimmig und hat das wohl schrägste Gitarrensolo, dass ich bis dahin gehört hatte. nach nur 2:48 gehts dann aber auch wieder weiter. UnbelieverTrigger InsideLunacy Booth (eine kleine Pause) –  IsolationTurnFemtexUnrequitedBrainsaw. Fertig. In einem Affenzahn ist das Album vorbei, etwas über 45 Minuten durchgängiges Geknüppel, wobei der Begriff ganz klar auf eine falsche Fährte lockt. Kein Song über 4 Minuten.

Vorbei ist es aber nocht nicht ganz. Zum Ausklang gibt es noch eine kleine Darbietung von … you are my sunshine; my only sunshine … in Grammophonakustik mit Plattensprung. Als Chillout – aber natürlich nur ganz kurz.

Troublegum ist vermutlich genau die Platte, die Eltern aus der Fassung bringen kann. Wer nicht offen für die Musik ist wird nur Krach hören, und das kann man selbst als Liebhaber der Platte nicht leugnen. Für mich war die Platte immer eine Art Hurricane – oder besser noch, ein Tornado – heftig, aber schnell vorbei. Wenn man sich dann nach einem langen Tag noch dazu die Gitarre umschnallt und mitschrummeln, machts gleich doppelt Spaß und ist dabei besser als jede Aggressionstherapie – Therapy? eben!

Klare Wertung!

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