Retrozension | Paradise Lost – One Second

Paradise Lost - One SecondKommen wir wieder einmal zu einem Exoten in meiner Musiksammlung. Paradise Lost, eine Band, die ursprünglich mal dem Death Metal verschrieben war, würde ich selbst nicht unbedingt in meiner Bibliothek vermuten. Tatsache aber ist, dass deren Album One Second aus dem Jahr 1997 dann doch zwischen Pearl Jam und Nirvana zu finden ist (Keine Angst, meine CDs sind NICHT alphabetisch geordnet).

Wie kommt es also, dass eine Death Metal Band zwischen zahllosen Alternative-Rock Platten steht? Nun, die Antwort ist ganz einfach. One Second ist ein gutes Album. Zunächst einmal hat es glücklicherweise mit Death Metal nicht das geringste zu tun, das macht Alles schon mal etwas einfacher.

Das Album überzeugt durch starkes Songwriting und klare Melodien. Besonders spannend wird es aber erst durch den starken Einfluss elektronischer Klangwelten. Die Grundstimmung bleibt aber dem Tod zugewandt; Fröhlichkeitsausbrüche sollte man auf One Second sicher nicht erwarten. Die 13 Songs sind erschreckend sauber produziert, hier hätte für meinen geschmack noch etwas mehr “live-Gefühl” gut getan. Ansonsten kann man fast gar nicht meckern. Das Spannungsfeld aus elektronischen Klangwelten und brachialen Metal-Gitarren ist nicht nur hochinteressant, sondern erweist sich auch musikalisch als Glücksgriff. Dazu die handfeste Stimme von Nick Holmes unterstreicht diese Mischung perfekt.

Die Highlights sind für mich ganz klar die Songs One Second, Say Just Words, Soul Courageous sowie Blood of Another. Hier sind besonders gelungene Arrangements zu finden.

Dennoch muss ich zugeben, dass One Second für mich niemals zu den besten Rockalben aller Zeiten gehören wird. Dafür sind zu wenige Innovationen und zu wenig Variationen zu finden. Ich bin damals eher zufällig auf das Album gestoßen und fand es gut genug, um zuzuschlagen. Weitere Paradise Lost Alben habe ich mir danach nicht gekauft und verfolgt habe ich die Entwicklung der Band auch nicht. One Second ist aber in jedem Fall ein solides Rockalbum und schon deshalb bemerkenswert, weil Paradise Lost mit diesem Album viel Mut bewiesen haben. Einem Death Metal Fan so viel Melodie und Elektronik zuzumuten und damit auch noch davonzukommen ist in jedem Fall bemerkenswert.

Similar Posts: