Recently Released | The Blue Van – Man Up

Zeit für echte Begeisterung: The Blue Van veröffentlichen ihr Album Man Up und ich bin mal wieder glücklich, gute Musik für mich entdeckt zu haben.

The Blue Van sind so etwas wie die dänische Ausgabe von JET. Wir erinnern uns kurz; JET, das sind die Australier, die so frei sind sich bei ihren Einflüssen so unverschämt direkt und vielfach zu bedienen, dass tatsächlich am Ende ein eigener Stil herauskommt. The Blue Van können das auch und machen es ein wenig anders, ein bißchen europäischer aber nicht weniger beeindruckend.

Auch der Albumtitel könnte von JET stammen, heißen deren Alben Get Up, Get Born und Shaka Rock, kann sich Man Up hier nahtlos einreihen. Was heißt das nun konkret?

The Blue Van geben kräftig Gas, mischen Rockeinflüsse aus nunmehr fünf Jahrzehnten bester Rockmusik, machen eigene Songs draus, die vor Lebensfreude nur so sprühen, denen der Spaß beim Aufnehmen unbedingt anzuhören ist. Das ganze auch noch hervorragend, ja im Grunde perfekt produziert. Man kann es kaum besser machen.

Die Musik auf Man Up ist nicht experimentell, nicht neuartig, ja wahrscheinlich nicht einmal besonders kreativ, aber einfach auf den Punkt gebracht. Party- und radiotauglicher Rock, der dennoch nicht nach dem dritten Durchlauf zum Hals raus hängt. Das liegt unter anderem an der Vielschichtigkeit der Songs. Im Grunde kann man zu jedem der Songs eine Band als Einfluss nennen, die man selbst gerne mag. Die Songs klingen dadurch vertraut, auch wenn man sie noch nie zuvor gehört hat.

Bei alledem erhalten sich The Blue Van soviel Eigenständigkeit in ihrem Sound, dass Sie als Band erkennbar werden. Das muss nicht jeder mögen und ehrlich gesagt, würde ich darüber lesen wäre ich vermutlich versucht Parallelen zu Axolotl Roadkill zu ziehen; die bestehen aber nicht. Man Up ist kein Multi-Plagiat, Man Up ist eine Hommage an das Große im Rock.

Genial, das an das letzte Franz Ferdinand-Album erinnernde There Goes My Love. Unbeschreiblich griffig, das darauf folgende Lay me Down and Die. The Blue Van schaffen es sogar im späteren Verlauf des Albums noch, Deep Purple-hafte Orgelklänge einzubinden, ohne angestaubt rüberzukommen. Kein Songs stellt eine Schwachstelle dar, jeder Song für sich ist irgendwie grandios und hat es verdient, veröffentlicht zu werden.

Das Erfolgsrezept ist für mich die positive Grundeinstellung des Albums. Selbst in den wenigen ruhigeren Momenten des Albums dominiert eine fast unverschähmte Fröhlichkeit, ein Optimismus der ansteckt und mitreißt. So wird Man Up zu einem Album dank dem man nahezu melancholieunbelastete Rockmusik mal wieder so richtig geniessen kann. Dabei driftet das Album auch nie in Richtung Belanglosigkeit oder gar Lächerlichkeit ab, wie es bei anderen “fröhlichen” Rockalben schon so oft passierte.

Kurzum: Man Up kriegt ganz klar Thumbs Up!

Popkiller-Rezi

nicht von mir:

Schalltest@Schallgrenzen (Ich find’s zu kurz, Peter)


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You Asked For It | My Glorious – Home is where the Heart Breaks

Eine weitere freundliche und sehr gut passende Anfrage zu einer Rezension erreichte mich von der Band My Glorious aus Wien. Mit Home is where the Heart breaks legen die drei Österreicher gerade ihr erstes Studioalbum vor, nachdem Sie offenbar – von mir allerdings unbemerkt – mit ihrer EP Leper bereits den ein oder anderen Achtungserfolg auch schon in Übersee feiern konnten. Gerne habe ich mich bereit erklärt, mir das neue Album anzuhören und meinen Senf dazu zu geben, und ich darf schonmal vorwegnehmen, dass ich es nicht bereut habe.

Anfangs ging mir das zugegebenermaßen anders. Der erste Durchlauf lies mich zweifeln, ob ich hier einen Bezug zum Album finden würde, auf dessen Basis sich eine vernünftige und faire Rezension schreiben lassen würde. Zwar gefiel mir der Opener Love Extender gleich im ersten Anlauf, mit den nachfolgenden Songs hatte ich aber so meine Mühe. Das darf zum Teil daran gelegen haben, dass ich das Album zunächst im Auto hörte. Zum Teil aber sicher auch daran, dass die ein oder andere Melodie für meine Ohren zunächst etwas wahllos klang.

Mittlerweile habe ich das Album aber mehrfach laufen lassen und ich finde das Albumsdebut von My Glorious wirklich ordentlich. Denn hier wird hier ehrlich und sauber gerockt. Kein weichgespielter Poprock, kein ausschließlich in Melancholie verfallener Alternativerock, der nicht in Fahrt kommt. Nein, My Glorious drehen gerne mal auf und klingen dabei hier und da ein ganz feines bißchen wie bekannte Größen aus dem Genre des Alternative und damit überwiegend gut.

Die Top-Songs dabei sind für mich beispielsweise das bereits erwähnte sehr rockige Love Extender, das sehr schöne und ruhige Horse und das sich langsam aufbauende Use Me, das, wenn es letzlich losbricht erschreckend nah an Audioslave ist, zumindest was die Instrumentenleistung betrifft. Als Schwachpunkt sehe ich den Song Atmosphere. Der klingt etwas uninspiriert und auch scheint mir der Sänger hier etwas jenseits der Grenze dessen zu sein, was die Stimme leisten kann. Dafür überrascht das anschließende und fast schon nach Prog-Rock klingende It’s love when wieder positiv.

Es ist also nicht alles gut am Album, aber erfreulicherweise glaube ich, dass das insgesamt weniger an My Glorious liegt als an der Produktion. Leider habe ich auf dem ganzen Album das Gefühl, dass die Songs unnötig dumpf klingen. Das ist nicht so tragisch als dass man sich das Album nicht anhören könnte, aber im Vergleich zu anderen CDs fällt doch irgendwie auf, dass hier irgendetwas klanglich nicht stimmt. Ansonsten gibt es auch das ein oder andere Effektexperiment in Gesang und Schlagzeug, dass ich persönlich für einen Fehler halte. Es drängt sich auch sonst permanent das Gefühl auf, dass mit etwas mehr Führung in der Produktion viel mehr aus den wirklich gut geschrieben Songs rauszuholen gewesen wäre. Das haben My Glorious, oder genauer gesagt der Tonmeister leider nicht ausgeschöpft. Das ist insofern wirklich schade, weil ich die Songs potenziell für sehr stark halte und mir gerade die sehr rockige Gesamtausrichtung ziemlich gut gefällt.

Insgesamt aber darf man Home is where the Heart breaks nicht nur überzeugten Förderern von Bands aus dem deutschen Sprachraum ans Herz legen. Wem der Sinn nach ehrlichem Alternativerock steht, der kann bei My Glorious durchaus fündig werden. Die Band hat deutlich Potenzial. Da kann man auch mal über Produktionsmängel und -versäumnisse hinweghören.

Das Album von My Glorious ist seit Freitag den 05. Februar 2010 erhältlich.

P.S.: Vielleicht liegt das auch an mir, aber Albencover mit einem Herz sehen irgendwie auch alle gleich aus …

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Recently Released | JET – Shaka Rock

Letzten Freitag erschienen, seit dem bei mir im CD-Player, auf dem Rechner und damit auf dem iPod und damit auf meinen Ohren: Shaka Rock, das dritte Album der erfrischend rückgratlosen Australier von JET. Für mich immer noch ein absolutes Phänomen und das erklärtermaßen unerklärlicherweise. JET sind eigentlich so etwas wie ein News-aggregator der Musik. Da werden überall Einflüsse gesammelt und nahezu unverarbeitet neu zusammengestellt und das ganze stellt dann ein neues Produkt dar.?!

Ja, das tut es und bei JET bin ich begeistert. Tausend andere Bands tun ähnliches und dringen nicht zu mir durch. Auch auf dem dritten Album mit dem klangvollen Namen Shaka Rock bleibt im Grunde alles beim alten. 12 Tracks Rock wie man ihn aufrichtiger nicht zusammenklauen kann. Hier stimmt einfach alles. Freunde der ersten Alben werden spätestens bei She’s a Genius wiederfinden, was ihnen bisher gefiel, aber JET klingen auch 2009 wieder ein bißchen anders als beim letzten Album 2006. Besonders gut gefällt mir diesmal der Titel Seventeen. Insbesondere die sehr cool zusammengestückelte Gitarrenbegleitung in der Strophe hat es in sich. Man könnte fast sagen JET fingen langsam an sich um einen selbständigen Musikstil zu bemühen.

Ist natürlich alles quatsch. JET klingen alles in allem von der ersten Note an nach bekannten Rocksongs aber irgendwie erkennt man auch immer: “Wow, das ist doch JET“. Und genau darin liegt die Leistung der Band. Gut zugängliche, weil vertraute Rockmusik zu schreiben und dabei so klanggewaltig rüber zu kommen, dass man sie einfach lieben muss/kann/darf.

Shaka Rock ist kein Meilenstein der Musikgeschichte, kein großes Stück Kunst, Nichts, das die Rockmusik weiter nach vorne bringt, aber Shaka Rock ist tanzbar, macht einfach nur Laune und klingt wirklich, wirklich cool. Das können nur JET, das machen in der Qualität nur JET und damit sei der Band fast alles erlaubt.


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Retrozension | JET – Shine On

Befassen wir uns doch heute mal mit einer Band, die ich im Grunde überhaupt nicht mögen dürfte. Opfer, nein, Anlass meiner Verwirrung ist eine australische Kombo, die auf den durchgehend groß geschriebenen Namen JET hört.

JET sind die erste und bislang einzige Band, die dank Last.FM in meiner CD Sammlung aufgenommen wurden. Ich weiß heute nicht einmal mehr genau welcher Song damals über den Last.FM-Player über meine Anlage erklang, aber ich war begeistert, merkte mir Interpret und Album und bestellte die CD. Wenige Tage später hielt ich Shine On in meinen Händen und lauschte begeistert dem wirklich interessanten Album.

JET kann man wahrlich nicht nachsagen, Erfinder einer eigenen Stilrichtung zu sein. Selbst einen sonderlich eigenständigen Sound nennt die Band nicht ihr Eigen. Dennoch lassen es die Rock-Aussies wahrlich fulminant krachen. Im Genre nennt sich das Ganze dann etwa Garage Rock, was nicht wirklich viel weiterhilft, aber das ebenfalls passende Label Hard Rock würde auch auf falsche Fährten locken. Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Beatles und Oasis, zwischen den Rolling Stones und The Who. Böse Zungen behaupten gar, dass einzelne Songs fast komplett bei anderen Künstlern abgekupfert seien, und wer Shine On durchhört, kann sich mit absoluter Sicherheit nicht dem Eindruck erwehren, all die Songs irgendwie schon mal gehört zu haben.

Grund genug also, die Band mitsamt ihrem gesamten Werk einfach in die Tonne zu treten und nie wieder drüber zu sprechen!? Weit gefehlt, denn die Songs sind einfach verdammt gut. Ein bißchen wirkt das Album wie ein Best Of Album des Rocks mit so vielen Elementen aus eigentlich allen Strömungen des General Rock, dass es überrascht, dass die Scheibe bei all ihrer Einfachheit nicht nur derart spannend ist sondern auch so sehr als eigenständiges Album wahrzunehmen ist.

Mein Versuch, jetzt hier einzelne Albumhighlights aufzuzählen, wäre von Vornherein zum Scheitern verurteilt, da einfach alle Songs extrem stark sind. Hier wird absolut aufrichtig und maskulin gerockt. Kein “Grunge-Gewimsel” oder lange Impro-Tiraden. Das hier ist eine Scheibe, die von der ersten bis zur letzten Sekunde radiotauglichkeit zelebriert und dabei glücklicherweise nicht eine Minute die häufig damit assoziierte Niveaulosigkeit durchbrechen lässt. Kurzum, hier sind Handwerker des Rock am Werk, die eine solide Ausbildung beim Meister um die Ecke absolviert haben und nun bemüht sind, auf eben diesem hohen Niveau und mit all den Tricks vom Meister das Handwerk auszuüben. Nothing more, nothing less!

In der Summe macht das aus JET eine Band, die im Grunde völlig unaufregend sind, die sich aber gerade dadurch bisher jeglicher Hype-Maschine entziehen konnten. Das lässt hoffen, dass hier ein auf Dauer solider Act aufgebaut wird, der auch in 20 Jahren noch Musik macht, die zeitlos erscheint und dabei immer auf der Höhe der Zeit ist. Ein wirklich cooles Album, dass mir zumindest Lust auf mehr gemacht hat.


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