Recently Released | Red Hot Chili Peppers – I’m with You

Man kann sagen was man will, aber wenn die Chili Peppers ein neues Album aufsetzen, dann ist das nach wie vor ein Pflichtkauf. Aus Prinzip, aus Ehrerbietung und auch weil es sich beim neuesten Werk I’m with You um das nunmehr zehnte Studioalbum der Kalifornier handelt.

Das letzte Album erschien mit Stadium Arcadium bereits vor über fünf Jahren. Seit dem hat sich bei den Chili Peppers einiges wieder zum Alten geändert. Soll heißen: John Frusciante ist mal wieder ausgestiegen. Ersetzt wird er aber nicht durch Dave Navarro sondern durch Josh Klinghoffer, der die Band auch schon vorher auf Tour unterstützte.

Das Album eröffnet dann auch deutlich vom neuen Gitarristen geprägt mit Monarchy of Roses, dem wahrscheinlich rockigsten Stück des Albums. Eine grandiose Eröffnung, die anzeigt dass sich bei den Chilis etwas verändert hat, andererseits aber auch klarstellt, dass der Stil der Band im Wesentlichen bleibt. Nach dem mit Dave Navarro aufgenommenen und weitgehend zu unrecht als Fiasko gewerteten Album One Hot Minute ist das sicher ein wichtiges Signal für Fans der Band. Es geht diesmal auch ohne Frusciante, und zwar ohne dass sich allzuviel ändern muss.

Factory of Faith folgt als nächstes und bringt vor allem viel Funk und reizt damit zum mithopsen. Hier wird insbesondere der Bezug zum Songwriting von Stadium Arcadium wieder hergestellt. Viele Harmonien und Melodieführungen erinnern immer wieder stark an das Vorgängerwerk. Brendan’s Death Song setzt ruhigere Akzente dagegen, baut stärker auf Melodie und erlaubt sich erst gegen Ende einen zarten Anflug von ekstatischerem Rock. Bleibt ansonsten sehr sauber arrangiert und kann dank sehr sauberen Harmonien in der Zweistimmigkeit davon überzeugen, dass Klinghoffer Frusciante auch als Backgroundsänger durchaus ersetzen kann.

Ethiopia funkt dann wieder ganz kräftig und zeigt Flea in Hochform. Eines der absoluten Highlights auf dem Longplayer, trotz komischem “E-I-E-I-O-I-A”-Gesang von Anthony Kiedis. Solange es rockt und so hervorragend funktioniert wie hier, kann ich darüber hinwegsehen. Annie wants a Baby ist dann wieder etwas zurückgenommen, zeigt aber ganz besonders das ausgefeilte Songwriting wie es schon auf Stadium Arcadium zu hören war. Überhaupt scheint die Band viel aus der Inspiration des Vorgängeralbums erhalten zu haben. Trotz der ausgedehnten Pause.

Das Album hangelt sich in genau diesem Spannungsfeld zwischen ruhigem Songwriting und sehr funkigen Songs hin und her. Immer sehr nah an Stadium Arcadium, sehr melodieverliebt, etwas funkiger insgesamt und ziemlich erfrischend. Die Single The Adventures of Rain Dance Maggie ist da gar keine schlechte Wahl, das Album zu repräsentieren. Weitere wirklich starke Songs sind beispielsweise Did I let You know, Even You, Brutus? oder das etwas ruhigere Police Station. Aber auch ansonsten erlauben sich die Red Hot Chili Peppers keinen Schnitzer in den vierzehn Songs, die es auf das Album geschafft haben, das immerhin auf eine Spielzeit von nur knapp unter einer Stunde kommt.

Das Verdikt kann nur entsprechend positiv ausfallen. Die Chili Peppers sind sich auch ohne den als so essentiell angesehenen John Frusciante treu geblieben und machen die Musik, für die sie auch auf den letzten Alben geliebt wurden. Man mag bemängeln, dass es keine wirklich neuen Ideen auf I’m with You gibt. Das stimmt soweit auch, solange aber die alten Ideen noch solch starke Funkrocknummern hervorbringen, kann man sich da nicht ernsthaft beklagen. I’m with You ist das beste, dass im Genre des Funkrocks in den letzten Jahren erschienen ist. Ganz sicher.

 

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Retrozension | Jamiroquai – Synkronized

Wieder einmal eine dieser Scheiben, die eigentlich gar nicht in meine Musiksammlung zu passen scheinen. Synkronized von Jamiroquai dürfte einer der ersten wirklich krassen Brüche in meinem sonst fast ausschließlich auf Alternative-Rock bzw. artverwandte Stile ausgerichteten CD-Bibliothek. Besonders erstaunlich ist, dass dieser scheinbare Ausrutscher bereits im Jahr der Veröffentlichung, nämlich vor 10 Jahren passierte. Offenheit bezüglich Pop-Musik war damals sicher keine meiner herrausragenden Eigenschaften.

Das es aber soweit kam, lag an MTV, an Godzilla sowie an exakt zwei Songs: King for a Day sowie Deeper Underground (aus dem Godzilla Soundtrack) liefen damals mehr oder weniger täglich auf MTV und haben es irgendwie geschafft, mich nachhaltig zu begeistern. Es kam also wie es kommen musste, und ich stand irgendwann im CD-Laden und kaufte die CD, nachdem ich erkannte, dass tatsächlich beide Songs darauf zu finden waren.

Dank meiner Tendenz, immer volle Alben zu hören, statt einzelner “Lieblingssongs”, war ich also gefordert mich erstmals mit einer Funk-Platte auseinander zu setzen. Das mir das von Anfang an leicht gefallen wäre, kann ich kaum behaupten. Ich erinnere mich, dass ich mir in den ersten zwei Wochen nach dem Kauf durchaus ein paar Mal überlegt hatte, ob die (ich rate mal) 30 Mark für die zwei guten Songs wirklich gerechtfertigt waren. Schließlich war ich Schüler und musste auf CDs gezielt sparen. Mit der Zeit aber gingen mir die Stücke dann doch ziemlich gut ins Ohr, und das ist bis heute so geblieben.

Stilistisch rangiert die Platte im Pop mit sehr starken Einflüssen aus Funk und Disco sowie klanglich mehr als einer Anleihe aus Jazz (schließlich kommt da ja der Funk her) und Blues. Rock gibt es im Prinzip nur beim Kinofilm-Track, der dem Album eigentlich nur als Bonus angehängt wurde. Der Zauber des Albums geht zentral von genau zwei Elementen aus: Die Stimme von Jay Kay, die glasklar aber doch mit dem gewissen Etwas durch die Songs führt, sowie die fantastisch funkige Rythmussektion aus Bass und Schlagzeug, untermalt durch eine sehr unterordnungsfreudige Gitarre. Produktionstechnisch ist das Album einfach perfekt.

Meine Songfavoriten bleiben insgesamt die zwei bereits benannten, aber weniger wegen der musikalischen Attribute als wegen der Tatsache, dass ich ohne die beiden Tracks meinen musikalischen Horizont deutlich später geöffnet hätte. Ansonsten sind unbedingt Soul Education, Canned Heat und Supersonic zu nennen, die für mein Empfinden besonders mitreißend sind. Insbesondere Soul Education fasziniert mich mit dem treibenden Funk immer wieder. Aber auch die bislang nicht benannten Tracks sind wirklich gut; mir spielt gerade Falling im Ohr, eine verträumte Popnummer mit ruhigen Beat und bestechend schöner Melodie. Man könnte romantisch werden …

Synkronized ist vermutlich nicht das beste Album von Jamiroquai. Da es jedoch für mich der erste wirklich bewusste Kontakt mit dem Mann mit den komischen Hüten war, hat es bei mir nach wie vor eine Sonderstellung. Wenn ich versuche es neutral zu betrachten, steht aber auch dann definitiv fest, dass Synkronized eine ziemlich coole Platte ist. Das Erbe des Head Hunters von Herbie Hancock lebt weiter.

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Retrozension | Red Hot Chili Peppers – Californication

1999 geschah das, was man davor eigentlich schon für unmöglich gehalten hatte. Die Red Hot Chili Peppers veröffentlichten nach vier Jahren Studiopause wieder ein Album. Das besondere daran war aber zunächst einmal weniger das Album selbst, als die Tatsache, dass das Album wieder mit John Frusciante aufgenommen werden. Wer sich erinnert; John Frusciante war bis nach Blood Sugar Sex Magik der Gitarrist der Band, hatte sich aber dann so mit den übrigen Bandmitgliedern überworfen, dass die Band ohne ihn weitermachte. Folge war damals ein gigantisches Gitarristencasting, dass David Navarro für sich entscheiden konnte. Das einzige Album mit Navarro, One Hot Minute, war zwar musikalisch absolut top, stellte aber einen deutlichen Stilbruch für diie Chili Peppers dar.

Nun also gab es RHCP wieder mit Frusciante und die Band reagierte prompt mit einem neuen Album, dass zwar auch nicht wirklich an Blood Sugar Sex Magik erinnerte, dennoch aber ein wirklich würdiges Comeback darstellte.

Schon der Opener Around the World macht mächtig Spaß. Das macht sich erfreulicherweise bereits in den ersten Takten bemerkbar. Der Bass knackt wie man es sich von den Chilis wünscht, die Gitarre rückt wieder mehr in den Hintergrund, der Rythmus darf wieder die Führung übernehmen. Neu ist die unglaubliche Liebe zu Gesangsharmonien, wie sie der Refrain aufweist. Hier zeigt sich insbesondere die Wiedereingliederung von Frusciante, der vornehmlich die teilweise extrem hohen Backgroundgesänge übernimmt. Parallel Universe glänzt dann durch eine bsonders feine Melodieführung. Dazu die Spannung aus angenehm ruhiger Instrumentenbegleitung in der Strophe und ehrlichem Geschrammel im Refrain. Sicherlich eines der vielen Highlights auf dem Album.

Scar Tissue setzt dem noch eins oben auf. Besonders begeistert bin ich von den fast minimlistischen Gitarrenparts, die aber doch völlig ausreichend sind und den Songs eine fantastische Leichtigkeit verleihen. Auch Otherside lässt keinen Raum für tiefgreifende Kritik. Nach dem kleinen Intro entfaltet sich der Song langsam aber stetig, baut Spannung auf und geht letzten Endes in eine fast schon poppige Nummer über. Die Melodie reißt mit und bleibt im Gedächtnis.

Get On Top lässt dann doch ein bißchen BSSM-Zeiten durchscheinen. Hier gibt es grundehrlichen Crossover der ein wenig an Give it Away erinnert, dabei aber deutlich braver bleibt. Soll aber ganz explizit keine Kritik sein. Zumindest keine schlechte. Der Titelsong Californication ist dann der wahrscheinlich komplexeste Song des Albums. Mir persönlich kommt der Song immer ein Stück weit wie ein Film vor. Selbst wenn man kein Wort Englisch versteht hat man durch die Musik schon den Eindruck eine mitreißende Geschichte erzählt zu bekommen. Eine leicht deprimierte Grundstimmung mit dem nötigen Fünkchen Hoffnung darin, so muss gute Musik einfach sein.

Easily geht dann wieder stärker in Richtung Pop-Rock. Sehr mainstreamig und dennoch nicht banal oder gar plump. Einfach, knackig und gut. Porcelain hingegen ist geradezu schwermütig und fragil. Begleitet überwiegend durch gestrichene Snare-Drum und Bass mit melodischen Einwürfen der Gitarre. Danach mit Emit Remmus (bitte Rückwärts Lesen) wieder etwas mehr Rock. Diesmal schön verquietscht durch Gitarre, die Hauptrolle darf auch hier einmal mehr der Bass übernehmen. Einfach gut halt. Besondere Erinnerung an diesen Song ist für mich übrigens an die Zeile “We could walk through Leicester Square” geknüpft. Ich erinnere mich heute noch wie ich damals auf einem Schulausflug mit Walkman im Ohr über den Leicester Square in London lief und in diesem Moment plötzlich erstmals die Zeile wirklich verstand. War schon lustig.

Weiter gehts mit I like Dirt. Hier regiert der Funk. Ich erinnere mich noch, dass mir dieser Song anfangs irgendwie gar nicht so recht gefiel, insbesondere wegen dem Refrain, der ebenso wie die Strophe quasi ohne Melodie auskommt. Mittlerweile gefällt mir aber auch der Song ohne wenn und aber. So entwickelt man sich weiter mit der Musik die man so hört. This Velvet Glove reiht sich dann wieder eher in die Kategorie ruhiger Rocksong ein. Auch hier gibt es nichts zu mäkeln. Dafür aber ist dieser Song vielleicht mehr als die anderen ein bißchen eine Art Prototyp für das, was man auf nachfolgenden Alben der Chilis geliefert bekam. Savior leitet dann irgendwie ein bißchen schon das Albumende ein. Ist zwar der viertletzte Song des Longplayers, aber er verbreitet die Stimmung, dass sich das Album dem Ende neigt.

Purple Stain widmet sich dann noch mal verstärkt dem Funk und Crossover. Dazu gibts einen denkbar eindeutigen Text, der mit Sicherheit einen “Explicit Lyrics”-Aufkleber verliehen bekommen hat. Musikalisch gehört dieser Song definitiv zu meinen Favoriten auf em Album. Right on Time ist dann fast schon ein bißchen zu sehr chaotisch. Da löst sich zwar im Refrain sehr schön auf, wird aber für die zweite Strophe sofort wieder aufgenommen. Auch hier blitzt wieder ein bißchen Blood Sugar Sex Magik durch. Den wirklich grandiosen Albumabschluss bildet dann das lagerfeuertaugliche Gitarren- und Basspicking von Road Trippin’. Die vielleicht einfühlsamste Ballade der 90er. Einer der wenigen Songs die auch ich manchmal gerne fünfmal hintereinander gehört habe. Zumindest aber ein Song den ich so niemals den Chili Peppers zugetraut hätte. Wer da nicht ins träumen kommt, dem ist leider nicht mehr zu helfen.

Insgesamt haben die Red Hot Chili Peppers mit Californication ein mehr als gutes Album vorgelegt. An die Einzigartigkeit und Originalität von Blood Sugar Sex Magik kommt es mit Sicherheit nicht ganz heran. Einen Grund hier bei der Wertung auch nur einen Stern wegzulassen sehe ich aber auch nicht.

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Retrozension | Fun lovin’ Criminals – Come find Yourself

Fun Lovin' Criminals - Come find YourselfManchmal, aber nur manchmal soll Musik einfach nur Spaß machen. Ich denke da mir Garantie nicht an so Dinge die man auf Malle als Musik bezeichnet und auch die akustischen Extremausfälle, die manche Menschen sich beim Après-Ski so antun sind nicht, an was ich gerade denke.

Vielmehr habe ich gerade, und das ganz wortwörtlich, die Musik der Fun Lovin’ Criminals im Kopf. Ganz speziell das Album Come Find Yourself aus dem Jahr 1996. Das Erstlingswerk der Band aus NYC macht nämlich einfach tierisch Spaß und lässt sich nicht nur als Musik bezeichnen, man kann sogar mit Fug und Recht behaupten, dass es sich dabei um ausgezeichnet gute Musik handelt.

Der Musikstil lässt sich als Alternative Rock, bzw. Alternative Hip-Hop klassifizieren. Dabei entfalten die Jungs einen Charme, der einen mitnimmt und extrem aufheitern kann. Der Opener Fun Lovin’ Criminals folgt der Tradition vieler Hip-Hop Alben (so zumindest mein Klischee davon) zunächst einmal die Band zu “introducen”. Macht aber nix, außer Spaß. Reiner Hip-Hop ist ziemlich was ganz anderes. Ich würde hier eher eine Melange aus Rock mit leichten jazzig-loungigen Einflüssen unterstellen. Passive-aggressive folgt diesem Stil, wie überhaupt so ziemlich das ganze Album und eignet sich so fast zur Tiefenentspannung. Hier bricht lediglich der Refrain mit krass-verzerrten Gitarrensounds ein wenig aus dem Schema.

Scooby Snacks gehört dann wohl zu DEN Kultsongs der Band. Angereichert mit zahlreichen Originalton-Zitaten aus Quentin Tarantinos Meisterwerken Pulp Fiction und Reservoir Dogs. Dazu ein ziemlich cooler Bassriff und ganz Tarantino typischen Gitarrensounds ist der Song zu Recht gut bekannt und kann durchaus auch ein Albumhighlight genannt werden. Smoke ’em zeigt sich dann wieder ganz entspannt. So lässige Bassriffs kennt man ziemlich wenige. Wirklich toll. Dazu die sehr relaxte und voluminöse Stimme von Hugh “Huey” Morgan. Das passt einfach vorne und hinten.

Bombin’ the L erinnert mich dann ein bißchen an die Beastie Boys, aber eigentlich nur vom Gitarrenriff. Wirklich begründen kann ich es nicht. Die Nummer ist auf jeden Fall eine der hektischeren auf dem Album. Soll aber keine Kritik sein. Nach der Hektik muss dann natürlich wieder eine Nummer wie I can’t get with That kommen. So sanft …….. .

So gehts dann im Grunde auch weiter. Mal ein bißchen schneller, mal wieder hundertprozentig relaxt, aber immer mit Klasse und dem nötigen Funk. Besonders hervorheben möchte ich da noch das Louis Armstrong Cover des James Bond Soundtrack-Songs We have all the time in the World. Wenn man schon versucht Louis Armstrong zu covern, dann kann das fast nur so funktionieren. Wirklich gut. Auch Methadonia sollte als Highlight nicht unerwähnt bleiben. Könnte übrigens fast von Barry White sein, aber nur fast. Außerdem I can’t get with That in der Schmoove Version. Mein perönlicher Favorit auf dem Album.

Die Fun Lovin’ Criminals gehören zu den erstaunlichen Musikern, denen es gelingt den Spaß den SIe beim musizieren haben zu 95% direkt an die Hörer weiterzugeben. Zwischen all dem eher schwermütigen Zeug, dass ich sonst so höre muss ich den FLC wohl das Etikett “Ausnahme” deutlich anheften. Ich freu mich aber, dass mir die Musik empfohlen wurde. Come Find Yourself ist eine wirkliche Erweiterung meiner Musiksammlung und wird immer wieder mal ausgiebigst gehört.

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Retrozension | Red Hot Chili Peppers – One Hot Minute

Red Hot Chili Peppers - One Hot Minute

I like pleasure spiked with pain, music is my aeroplane …” Ich liebe diesen Song; genau übrigens wie auch eine ganze Menge anderer Songs auf Red Hot Chili Peppers Album One Hot Minute. Für mich war dieses Album immer absolut beachtenswert, obwohl viele Leute diese Meinung nicht teilen.

Zu wenig Chili Peppers im Sound und im Songwriting wird oft angeführt, und das ist durchaus richtige und nachvollziehbare Kritik. Immerhin hatte One Hot Minute eine sehr schwere Ausgangssituation: Die Erwartungen nach dem Durchbruchsalbum Blood Sugar Sex Magik war sicherlich enorm, der Gitarrist John Frusciante dummerweise nicht mehr in der Band, weil seine Gesiter ihm gesagt hatten aufzuhören und Anthony Kiedis war ziemlich viel mit Drogen beschäftigt, was auch nicht gerade förderlich für seine Arbeitsmoral war.

Ersatz für Frusciante zu finden war nicht einfach, aber wurde schließlich in Person von Dave Navarro doch noch vollbracht. Der war auch ein bißchen leichtsinnig im Umgang mit Drogen und außerdem spielte er ganz deutlich anders auf der Gitarre als Frusciante, was dann ntürlich auch den Sound der Red Hot Chili Peppers merklich veränderte. Und weil Kiedis und Navarro also gerne völlig stoned warend, musste Bassist Flea einspringen und einige Songs schreiben, weil sonst überhaupt kein Album zustande gekommen wäre. So gelang es dann doch, aber aus vorgenannten Gründen eben deutlich anders als andere Alben der Chili Peppers bis dahin.

Dennoch ist One Hot Minute ein durchweg respektables Werk geworden, dass einige der unsterblichsten Chili Peppers Songs für mich enthält. Dazu gehören eben das eingangs erwähnte Aeroplane, My Friends, die Dreier-Kombination aus Coffee-Shop, Pea und One Big Mob sowie das vielleicht beste Stück auf dem Album Walkabout. Ebenfalls sehr gut sind die anderen Songs auf dem Album und zwar ausnahmslos und ohne einen Durchhänger. Was mir auch afgefallen ist, ist dass One Hot Minute das bis dahin vielleicht nachdenklichste Album der RHCPs ist, mit teilweise sehr ernsten Texten und unter anderem auch einer meiner Lieblings-Songzeilen in der Rockmusik. “It’s better to regret something you did, than something you didn’t do“. Entstammt übrigens dem Song Deep Kick. Gibts in einer sehr ähnlichen Variante übrigens auch bei den Fantastischen Vier. Da heißt es dann “bereuen kann man nur, was man auch probiert hat, leider fällt mir der Titelname gerade nicht ein.

Zurück zur Musik! One Hot Minute ist eine absolute Rock-Platte. Zwar gibt es auch die Chili Pepper typischen Funk und Crossover-Elemente aber insgesamt überwiegt doch das Rock-Element, und genau darin liegt auch der hörbare Unterschied zu den Vorgängeralben. Dennoch zieht mich das Album immer wieder vom ersten Song an in seinen Band. Atmosphärisch ist die Platte absolut dicht gepackt und interessant. Die Songs sind insgesamt zugänglicher als auf den älteren Chili Alben und das muss ja nichts Schlechtes sein.

Obwohl sich die Band mittlerweile ein wenig von den Album distanziert, dass lange Zeit nach dem Ende der Karriere der Red Hot Chili Peppers aussah, möchte ich hier einmal kund tun, dass ich One Hot Minute wirklich toll finde. Nicht ganz so bahnbrechend wie Blood Sugar Sex Magik, aber trotzdem grandios. Zumindest für mich.

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Retrozension | Red Hot Chili Peppers – Blood Sugar Sex Magik

Red Hot Chili Peppers - Blood Sugar Sex MagikEs gibt Alben, die muss man sehr häufig hören, bevor man sie gut findet. Ein Vertreter dieser Gruppe waren für mich ganz eindeutig die Red Hot Chili Peppers mit ihrem Megaalbum Blood Sugar Sex Magik (ja, mit K ist richtig). Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als ich die Platte zum ersten Mal um die Ohren bekam. Es war ein Nachmittag an dem ich damit beschäftigt war für die Theater-AG meiner Schule einen Anhänger zu Streichen. Einer meiner Mithelfer hatte die CD im Auto und wir hörten die ganz Zeit eben dieses Album durch.

Damals ging dieses Mischmasch aus Rock und HipHop gar nicht in mein Ohr. Irgendwie konnte ich nichts damit anfangen und dennoch hatte natürlich der Klassiker Under The Bridge es sofort geschafft, richtig gut im Ohr zu liegen. Wenig später hatte ich dann auch die ersten Zweifel überwinden können und war geradezu süchtig nach Blood, Sugar, Sex, Magik.

Das das 1991 erschienene Album eines der interessantesten ALben der 90er Jahre ist, muss man wohl kaum erklären. Das liegt zum einen am so wegweisenden Crossover, den die Chili Peppers da auf die Beine gestellt haben, zum anderen aber auch an den vor Energie nur so strotzenden Songs. Hatte ich zu anfang wie gesagt erhebliche Schwierigkeiten mich mit der Idee von HipHop und Rock in einem Lied abzufinden – ich muss zu meiner Verteidigung sagen, dass ich von HipHop damals wie heute keine Ahnung habe und HipHop und Rap damals noch wesentlich anders klang als heute.

Jedenfalls hat sich meine Position inzwischen stark verändert: Es ist richtig nett zu sehen, wie breit gefächert die Stilrichtung Alternative Rock sich entwickeln kann und das bisher auch getan hat. Die Chili Peppers schafften mit Blood, Sugar, Sex, Magik schon 1991 einen Sound, den keine andere Band auch nur ansatzweise gleichwertig nachbilden konnte. Das ganze Album funkt wies nur geht. Man möchte tanzen, zappeln, rumspringen und mitsingen.

Die Highlights auf dem Album sind neben den Klassikern Under The Bridge und Give It Away für mich ganz klar My Lovely Man, Sir Psycho Sexy, Apache Rose Peacock und The Righteous And The Wicked aber im Grunde sind wirklich alle Songs auf dem Album absolute Oberklasse. Daher kann sich Blood, Sugar, Sex, Magik zu recht das bis dahin wichtigste Red Hot Chili Peppers Album nennen. Wer ältere Alben der Chili Peppers kennt – ich selbst bisher nur Freaky Styley – weiß was ich meine. Blood, Sugar, … war der entscheidende Schritt vom Hardcore bzw. vom Crossover in Richtung Mainstream und machte aus RHCP eine der einflussreichsten Bands der 90er Jahre.

Rating 5 star

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