Retrozension | Dimmer – I Believe You Are A Star

Dimmer - I Believe You Are A Star Willkommen zurück auf retrozension.de. Ich hoffe meine 5 treuen Leser und natürlich auch alle anderen, die zufällig hier vorbeigeschneit sind sind gut ins neue Jahr gerutscht.

Für den Start in 2008 habe ich eine schöne Perle aus Neuseeland auf meinem iPod ausgegraben. Die Rede ist diesmal von Dimmer, einer Band um den in NZ sehr bekannten Musiker Shayne Carter, der dereinst bei den auch hierzulande nicht gänzlich unbekannten Straitjacket Fits bekannt wurde. Nach deren Auseinanderbrechen im Jahre 1994 formierte Carter die Band Dimmer, deren Musikstil nur schwer in eine der vielen Schubladen passt, die man sich gerne mal zurechtlegt, um Musik zu sortieren.

Die Musik von Dimmer ist eindeutig geprägt von Elementen der Rockmusik. Dennoch kommt das Debutalbum I Believe You Are a Star so gar nicht als Rockalbum daher. Daher rührt auch meine vermutlich völlig unpassende Einordnung unter Dub und Electronica. Mir aber egal. My Blog is my Kingdom! Electronica deutet schon an, dass die musikalische Reise in Richtung elektronische Klangwelten geht. Die Instrumentierung ist dabei aber weiterhin als “klassisch” zu erkennen. Gitarre, Schlagzeug und sehr viel Bass schaffen eine Klangatmosphäre, die sich eventuell schon als Ambient bezeichnen liesse. Über allem ‘schwebt’ der Gesang und verbindet die Klanggefüge auf sehr entspannende Weise.

Für solche Musik wurde wohl der Begriff “Chill Out” kreiert. Im Grunde trifft Dimmer dabei genau die Gangart, die man nach einer durchzechten Sylvesternacht gut gebrauchen kann. Bei alledem macht es mir zumindest unglaublich Spaß, die Musik zu entdecken. Da gibt es äußerst raffinierte Taktwechsel und ausgefallene Instrumentierungen. Den Rock in der Musik kann man bei alledem nicht direkt hören, und doch weisen die Songs die vertauten Rockelemente auf, so dass man sich in einer irgendwie fremd anmutenden Musikrichtung doch wie zu Hause fühlen kann – was sich im übrigen auch als Parallele zu meinem (sehr kurzen) Leben in Neuseeland verstehen lässt.

Besonders gut gefällt mir dabei die Nummer Seed, die durchaus schon an Radiohead auf Hail to the Thief erinnert – und das schon 2001, also ganze zwei Jahre vor Radioheads sechstem Album. Andere Nummern gehen dann aber wieder in andere Richtungen. Schon die Nummer nach SeedEvolution – klingt fast schon eine Spur zu poppig. Aber wirklich nur fast.

In der Bewertung komme ich (wie so häufig) nicht umhin, ein Top-Album zu erkennen. Villeicht mit der kleinen Einschränkung, dass ich es nicht immer und überall hören könnte, aber wenn die Stimmung passt, ist I Believe You Are a Star eine echte Perle.

sehr schickes Kleinod

Netterweise sind Dimmer so freundlich, uns bei MySpace sowie auf ihrer Homepage einige Hörbeispiele zu hinterlassen, so dass ihr nicht darauf angewiesen seid, meinen wirren Ausführungen zu folgen. Stattdessen könnt ihr euch selbst ein Bild machen, ob Ihr euch musikalisch hingezogen fühlt.

Der Song Drop You Off lässt sich auf MySpace anhören und stammt aus dem hier besprochenen Album

Drop You Off  (aus I Believe You Are a Star)

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Auf dimmer.co.nz gibts außerdem aktuelle Hörbeispiele aus den letzten beiden Alben, die mir bislang selbst noch unbekannt sind

Come Here (aus You’ve got to hear the Music)

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Lucky One (aus You’ve got to hear the Music)

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Don’t even see Me (aus There my Dear)

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Scrapbook (aus There my Dear)

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Recently Released | Radiohead – In Rainbows

Radiohead - In RainbowsVor ganzen vier Jahren konnte man sich das letzte Mal über ein neues Werk aus dem Hause Radiohead freuen. Dieser Notstand wurde nun endlich behoben. Seit dem 10. Oktober ist das neuste Album zu haben. Wer allerdings meint dafür in den nächsten Plattenladen rennen zu müssen, der wird enttäuscht feststellen, dass es da kein neues Album gibt.

Die Band wagte den Schritt das neue Album zunächst ohne Plattenfirma in Eigenregie über ihre Webseite Radiohead.com zu vertreiben. Dort stehen einem als Optionen ein Albumdownload, oder ein Discbox-Set (inklusive sofortigem Download) zur Verfügung. Das Boxset kostet stolze 40 britische Pfund, enthält aber das Album mit einer Zusatz-CD mit weiteren 8 Tracks. Das ganze gibts dann auch gleich nochmal auf LP dazu plus zusätzlichen Photos und Artworks. Ein durchaus lohndendes Angebot für Fans.

Wer nicht weiß, was er mit Vinyl anfangen soll, der kann aber auch die Download-Option kaufen und die kostet, soviel man eben will. Einfach anklicken, Preis eintragen (Ja, auch 0,00 Pfund werden akzeptiert) und downloaden. Erste Statistiker sprechen bereits davon, dass nur etwa 34 % aller Käufer überhaupt etwas gezahlt haben, die Band verneint diese Zahlen, ohne jedoch andere zu nennen.

Für alle, denen das ganze etwas zu schräg ist nun auch noch eine (gute ?) Nachricht: Im Januar kann man dann auch ganz normal und wie gewohnt in den Plattenladen seiner Wahl maschieren und die CD ohne Vinyl (und ohne extra-Songs) kaufen.

Jetzt wird es aber langsam mal Zeit auf die musikalische Komponente des neuen Albums einzugehen. Das neue Radiohead-Album ist großartig. Auf ihre mittlerweile gewohnt sperrige Art hat die Band 10 Songs zusammengeschustert, die in guter Tradition zu Hail To The Thief stehen. Im Gesamteindruck kommt In Rainbows deutlich ruhiger und melancholischer daher. Wer auf eine Rückkehr zu rockigeren Zeiten, wie noch auf Pablo Honey oder The Bends hofft, wird mit Sicherheit entäuscht. Auch In Rainbows ist wieder in gewisser Weise elektronisch geprägt, ohne aber auch nur eine Sekunde lang steril zu wirken. Dafür sorgt schon Thom Yorkes Stimme, die überwiegend im Falsett-Bereich umherschwirrt und so wunderbar leidend klingt, dass man einfach von der Schönheit der Radiohead-Melancholie eingenommen werden muss.

Bei Musik stelle ich mir häufig die Frage, zu welcher Situation eine bestimmte Band oder ein bestimmtes Album am besten passt. Bei Radiohead stelle ich mich damit vor ein schier unlösbares Problem. Die Musik ist grandios aber (inzwischen) untanzbar, nicht gesellschaftstauglich und zu Schade um einfach nur so nebenbei konsumiert werden. Die Musik muss bewusst genossen werden. Inzwischen finde ich, dass man Radiohead am besten hört, wenn man Zeit hat, sich ganz fallen zu lassen und die Gedanken schweifen zu lassen. Das kann auch morgens im Zug auf dem Weg zur Arbeit funktionieren, aber am ehesten doch zu Hause auf der Couch, die Anlage schön laut und das Telefon ausgestöpselt. Für solche Momente ist auch In Rainbows gemacht und funktioniert prächtig.

Im Fazit muss ich nun doch machen, was ich eigentlich vermeiden wollte: Der Vergleich zu OK Computer darf nicht ausbleiben, da die Größe von Radiohead eben jenem Album geschuldet ist. In Rainbows ist kein zweites OK Computer. Das kann es nicht sein und das will es auch gar nicht sein. Die Band hat sich weiterentwickelt und mit ihrem neusten Album ein wirklich großartiges Werk veröffentlicht, dass von vorne bis hinten absolut rund, tiefgründig, sehr gut produziert und ein bißchen sperrig ist. Der Ein oder Andere wird hier und da in seinen Hörgewohnheiten gestört und genau das ist ja auch Teil des Charmes von Radiohead. Wie gesagt: großartig, kein neues OK Computer aber auf jeden Fall 5 Sterne von mir.

Absolut Groß

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Retrozension | Garbage – Garbage

Garbage - GUnd wieder einmal bin ich bei meiner CD-Sammlung auf einen Exot gestoßen, wobei das mit dem Exot natürlich nur auf meine Sammlung bezogen ist. Garbage sind aus zwei Gründen Exot in diesem Zusammenhang: Zum einen singt mit Shirley Manson (irgendwie gruselt es mich bei diesem Namen) eine Frau bei Garbage. Zum anderen ist die Musik von Garbage neben den rockigen Elementen immer auch schon sehr elektronisch angelegt gewesen. Für mich im Jahre 1995 war das schon eine Herausforderung, immerhin lehnte ich zu dieser Zeit alles elektronische (abgesehen von E-Gitarren) kategorisch ab.

Das Album Garbage schaffte für mich eine Art Befreiungsschlag. Dadurch, dass ich gefallen an den elektronischen Elementen auf dem Silberling fand, erweiterte ich meinen musikalischen Horizont schrittweise und fand so den Ausweg aus der Grunge-Only-Phase. So gesehen ist das Album ein ganz persönlicher Meilenstein in meiner Musikhistorie.

Eigentlich liegt mir die Enstehungsgeschichte, sowohl der Band als auch des Albums, gar nicht. Von Anfang an als Produkt geplant und umgesetzt fehlen Garbage die sonst üblichen Sympathien meinerseits. Dennoch gibt es auch dort ein paar witzige Anekdoten zu. Als die ersten Songs von Garbage geschrieben wurden, war noch gar nicht klar, wer denn die Stimme von Garbage sein sollte. Bislang waren Garbage “nur” Butch Vig, Duke Erikson und Steve Marker. Die drei entdeckten Shirley Manson dann irgendwann auf MTV, wo das Video ihrer Band Angelfish lief. Sie schrieben also Miss Manson an und baten sie für ein Vorsingen ins Studio zu kommen. Diese hatte jedoch erst Vorbehalte und lästerte mit ihren Bandkollegen von Angelfish, dass da wahrscheinlich nur ein paar alte Knacker ihren Spaß mit ihr haben wollten. Einer ihrer Bandkollegen gab Shirley dann aber doch den richtigen Tipp, mal im Cover von Nirvanas Nevermind den Namen Butch Vig nachzusehen (Google gabs damals offenbar noch nicht). Der Tipp war gut, denn Butch ist der Produzent des Grunge-Klassikers.

Das hört man dem Album aber nicht unbedingt an. Im Gegensatz zu Grunge im Allgemeinen klingen Garbage sehr deutlich nach Studio und Kunstprodukt. Das trifft die Situation zwar auch sehr gut, dennoch versprüht das Album seinen Charme. Das Klangergebnis sind poppig rockige Songs, die so gar nicht nach Depri-Mucke klingen. Irgendwie ist alles ganz leicht und kann einen trotzdem mitreißen. 12 Songs finden sich auf dem Longplayer, darunter die Hits Queer, I’m only happy when it rains, Vow und Milk. Die Spannweite reicht von eher fetzig bis sehr relaxt, von elektronisch bis eher rockig und das Album lässt sich dabei sehr gut in einem Rutsch durchhören.

Bei mir ist das Album in den letzten Jahren allerdings etwas vernachlässigt worden. Im Zuge dieser Retrozension habe ich es aber quasi wiederentdeckt. Für mich auf jeden Fall ein sehr gutes Album und mit Sicherheit kein Müll.

Coole Sache

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