You Asked For It | Klubgrün – Neon Me

Klubgrün klingt jetzt vom Namen her erstmal nicht unbedingt nach Musik, die auf Retrozension.de gut aufgehoben sein könnte. Man denkt an Clubmusik, sowas wie House, Dance und andere schlimme Dinge, die versucht haben einem die 90er Jahre musikalisch zu vermiesen. Der Albumtitel Neon Me verstärkt diesen Eindruck natürlich noch. Neon ist ja grundsätzlich schlimm. Soviel erstmal zum unvoreingenommenen Herangehen an eine neue Rezension…

Also, MP3’s beim Label Deafground Records laden, in die Musicplayer-Software des Vertrauens aufnehmen und los geht die Reise. Es begrüßt einen der Song Crystal Palace mit fetten Elektrosounds, die selbst Daft-Punk zur Ehre gereichen und man stellt sich innerlich schon auf ein Vollelektroalbum ein, da setzen auch schon die Gitarrenbretter ein. Konsequenz bei mir: Spontane Begeisterung und großes Interesse. Der Song hat Druck, wird durch die Elektroelemente ziemlich cool ergänzt und die Nummer geht so butterweich ins Ohr. Cute Girl legt ähnlich nach, schneller Beat, Elektronik, Gitarren und ein Gesang der unweigerlich an Placebo erinnert, und zwar nicht zu knapp.

Neon, treibt das Spiel weiter. Elektrobeats die auch im Soundtrack zu Tron 2.0 nicht auffallen würden, im richtigen Moment setzen dann die Gitarrenbretter ein und … Man mag langsam ein Muster erkennen. Klanglich bewegen wir uns hier Irgendwo zwischen Depeche Mode, Urlaub in Polen, Apoptygma Bezerk, Placebo und Daft Punk und die Mischung, so unwahrscheinlich sie zunächst auch anmuten mag, passt wunderbar.

Songhighlights sind Colors Are Changing, Synapses Colliding und auch das schon erwähnte Crystal Palace. Insgesamt leistet sich das Album aber keine Schwachstellen und ist von Sekunde eins an kurzweilig und durchgehend tanzbar. Zugegeben, in Sachen Songstruktur, Tempi oder Stimmung gibt es im Verlauf der elf Tracks nicht allzuviel Variation, aber das muss es auch gar nicht. Als Album wirkt Neon Me wie aus einem Guss und macht von vorne bis hinten Sinn.

Erwähnenswert ist auch, dass das Album zum Release für einige glückliche Facebook-Freunde der Band kostenlos herunterzuladen sein wird. Veröffentlichungstermin ist der 15. Juni. Wer Spaß an Elektro-Indie-Rock hat, dem kann man die Befreundung nur ans Herz legen. Mehr Infos gibts auf der Homepage von Klubgrün. Neon Me ist ein Klasse Album und wird mit Sicherheit viele Fans finden. Mir macht es zumindest bislang viel Freude.

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Recently Released | Lo Fat Orchestra – The Second Word is Love

Urlaub in Polen. Das wäre mein erster Gedanke gewesen, wüsste ich nicht, dass ich mir ja selbst das Lo Fat Orchestra ins Laufwerk gelegt habe. Eigentlich ist das eine Lüge; nicht das mit dem Laufwerk, aber das mit dem Konjunktiv. Urlaub in Polen, dachte ich, obwohl ich die CD des Lo Fat Orchestra selbst ins Laufwerk gelegt hatte. So wird ein Schuh draus.

The Second Word is Love. Ist eine Ansammlung von zehn Songs, die eigentlich gar nicht so Indie-Electro-Pop-Rockig sein müssten wie sie es sind, denn es sind allesamt Songs, die auch in der Elektrodisco nicht weiter auffallen würden. Es klingt in der Tat wie eine Mischung aus Urlaub in Polen (ja, das ist eine Band) und erinnert auch immer wieder stark an die Woog Riots. Ich würde für den Stil gerne Avantgarde-IndiePop als Begriff prägen, das Label Sounds of Subterrania! nutzt die Einordnung Elektronik Garagesoul. Nicht, dass das selbsterklärender wäre. Das Faszinierende dabei ist: es funktioniert prächtig.

Irgendwie verfolgt die Musik mit Ihren wenigen aber wahrscheinlich gut durchdachten Textzeilen einen scheinbar nihilistischen Ansatz. Zumindest sorgt die ständige Wiederholung der Lyrics für diesen Eindruck. Dieser wird insbesondere dadurch verstärkt, dass die Musik selbst kaum Emotionen zu verbreiten scheint. Die Musik ist da, sie transportiert im Zweifelsfall mit hohem Beat, viel Bass, viel Drums und viel Klangexperiment vor allem Tanzlaune, schert sich aber nur sehr bedingt um das, was die Stimme Christoph Schmids so an Message transportieren möchte. Und wieder: Das Faszinierende ist, es funktioniert prächtig.

Rein instrumental betrachtet brechen die Songs mit vielen Hörgewohnheiten. Das ist jetzt in sich nicht ganz so radikal, denn es gab schon andere, die ähnlich die Gewohnheiten brachen, aber für die Meisten dürfte der musikalische Ansatz doch noch eher neu sein. Der Bass ist das Hauptinstrument, die Beats des Drumsets setzen dem Ganzen ein ordentliches Gerüst auf. Der Rest darf froh sein, dass er mitmachen durfte. Man könnte meinen es geht hier um einen Elektro-Act, aber die Musik ist erfreulich handgemacht und atmet in jeder Sekunde die geistige Nähe zum Rock. Dennoch sind die oft effektbeladenen  Gitarren, Keyboards, auch mal die Streicher oder die Background-Sängerinnen eigentlich nur experimtierfreudig eingestezte Staffage. Man ahnt es schon: Das Faszinierende ist, es funktioniert prächtig.

Die Songs reißen einen mit, die Hooklines greifen schnell und ohne Sicherheitsabfrage zu und lassen einen im Zuhören nicht mehr los. Über allem steht dieses nicht zu vermeidende Gefühl, dass man Tanzen sollte, um der Musik den gebührenden Respekt zu erweisen. Sicher wird The Second Word is Love nicht für Jeden das Richtige sein; die Frage ist mal wieder wie weit man gewillt ist, den Tellerrand hinter sich zu lassen. Mit ein wenig Mut kann man aber dank dem Lo Fat Orchestra eine große weite Welt nur knapp hinter dem eigenen Gitarrengeschrammelsuppenteller finden. Meine Empfehlung: Ausprobieren! Besonders bei The Band is Broke.

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Recently Released | Bonaparte – My Horse Likes You

Musikblogging ist nicht immer ein einfaches Hobby: Zwar höre ich mehr oder weniger den ganzen Tag Musik, wenn es die Situation zulässt, aber nicht immer bin ich der Meinung, auch etwas dazu sagen zu müssen. Für den Popkiller ist das besonders schwierig zu lösen, da ich hier trotzdem Worte finden muss, die Musik zu beschreiben und zu bewerten. Auf Retrozension.de habe ich den Luxus, tatsächlich nur über das schreiben zu können, was mich wirklich bewegt und beeinflusst. Das hat zwar zur Folge, dass es hier kaum böse Rezensionen zu lesen gibt, dennoch empfinde ich es als sehr befreiend, all die schlechte Musik ignorieren zu können, die uns heutzutage so tausendfach um die Ohren fliegt.

Umso erfreulicher finde ich es, dass ich mal wieder – und mal wieder durch den Popkiller – an eine Entdeckung gekommen bin, die mich unmittelbar und nachhaltig begeistert. Die Band heißt Bonaparte, kommt mehr oder weniger aus Deutschland und macht so unbeschwert und kreativ Musik, dass sich nach meiner Ansicht alle Mainstream-Acts der täglichen Radio-Rotation ehrfürchtig auf die Knie werfen müssten. Bonaparte sind nur schwer einem Genre zuzuordnen (ein Umstand, der nur selten schlecht ist). Die Musik vereint Elemente aus Pop, Rock, Swing, Western, russischer Volksmusik, Elektronika und mindestens 45 anderer Musikrichtungen die mir entweder unbekannt sind oder die einfach noch keinen Namen haben. Und das ganze wirkt so ausgesprochen lässig, leicht und natürlich, dass es mir mal wieder alle musikalischen Sinne freigespült hat.

Das Album beginnt zunächst undefinierbar mit einer Ouverture, die halb orchestral, halb elektronisch wirkt/ist. Viel mehr als eine musikalische Randnotiz ist sie mit ihrer minnenhaften Melodieführung jedoch nicht. Hinweise auf das, was das Album noch zu bieten hat sind nur zu erahnen und leiten erst gegen Ende den eigentlichen Opener und Titeltrack My Horse likes You ein. Ein Elektropunksong erster Güte, der aufhorchen lässt dank seiner Kraft, Einfachheit überbordenen Idiotie und einem Beat, der zur Bewegung förmlich zwingt. Hier werden Erinnerungen an die Band Cake wach, die zwar musikalisch ganz anders unterwegs sind, deren Songs aber die selbe Motivation zu haben scheinen. Im direkten Vergleich darf Bonaparte aber als verrückter und frischer bewertet werden.

Computer in Love setzt den Trash-Ansatz konsequent fort und erzählt zu viel Elektronischem die stalkerhafte Liebeserklärung eines Computers an seinen Besitzer: Sozialkritik und eine ganze Menge Humor inbegriffen, ohne das es irgendwie angestrengt wird. Hier wird Elektronika und Rockmusik miteinander vereint und verschnitten, ohne das es dabei den geringsten Gegensatz zu geben scheint. Fast als wären die Genres dafür gemacht, kombiniert zu werden.

Boycott Everything könnte 1:1 auch von den Woog Riots stammen. Der Text mehr gesprochen als gesungen, die musikalische Untermalung verlässt sich mehr auf Keyboard und Synthie-Sounds denn auf Gitarre und dennoch hat man permanent das Gefühl eigentlich ein kleine Punkhymne zu hören. L’etat c’est moi klingt dann sogar wirklich verdächtig nahe nach Cake, hier wird tatsächlich schwerpunktmäßig gerockt. Der Gesang kurz vor der Schreigrenze könnte der Song aber genausogut von The Strokes oder The Hives stammen.

Besonders gut gefällt mir dann Fly a Plane into Me. Die vielleicht leichteste Nummer auf dem gesamten Album. Eine zuckersüße Melodie, leicht untermalt mit Gitarrenriffs, die mich an Voom erinnern und leichten Keyboardssounds, die wieder an Woog Riots denken lassen. Rave Rave Rave lässt dann Western Swing auferstehen, indem das ganze Stück konsequent nach Saloon-Piano klingt. Darüber wieder ein Gesang, der eigentlich näher an der Spoken-Word-Performance liegt. Der Text wortverliebt und wortwitzig und alles schreit geradezu danach das Tanzbein zu schwingen.

Intermission in Mexiko greift kurz nochmal die Ouverture auf, wirft ein paar musikalische Fragmente in den Raum und erfüllt an sich weiter keinen Zweck, als den Raum zwischen dem letzen und dem nächsten Song zu füllen. Transportiert dabei aber hervorragend die Stimmung von Western Swing rüber zum Balalaikapolkapunk der uns im Song Technologiya erwartet – samt russischem Refrain. Dazu dieser wunderbar idiotische Lobgesang auf die Technologie: “Technolgy will outlive us all!”. Einfach riesig!

Wir sind keine Menschen bleibt ebenso rockig, packt auf die leichte Punknummer Technologiya aber noch eine Schippe Härte drauf und rockt in bester Alternative Manier bis die Fetzen fliegen. Englische Strophe, deutscher Refrain, und trotzdem – oder gerade deswegen – wird daraus ein ganz großer Song auf My Horse Likes You. Ein echter Entfruster. Und ein harter Kontrast zum Folgenden My Body is a Battlefield, das sich wesentlich stärker auf Elektronika konzentriert und die Gitarre erst im Refrain emanzipiert, dann aber voll einen auf Indierock macht.

Mit Unterstützung von Modeselektor folgt dann Orangutan, eine wieder stark elektronische Nummer, die textlich wieder einmal Volltrash ist, aber dennoch musikalisch zu überzeugen weiß. Die Synthies dürfen auch bei Adabmal die Hauptrolle spielen, dabei sogar kanglich kurz Erinnerungen an Pink Floyds Wish You Were Here Album wecken, nur um dann scharf in Richtung Orient abzubiegen. Textlich passiert nicht viel, als kurz vor Schluss-Nummer aber ein voll gelungenes Stück.

Ein Trommelwirbel läutet dann das Ende des Albums ein; der Titel treffenderweise The End, fahren Bonaparte nochmal kurz auf, was sie so alles in ihrem Repertoire stecken haben: Gitarren, Synthies, Keyboards, Drums vereinen sich in einer kurzen Kakophonie, die letzlich aprubt von Stille abgelöst wird, bis sich schließlich der freundliche Mitarbeiter der Bonaparte Helpline meldet.

Ende eines grandios kreativen, sehr trashigen Albums das von Anfang bis Ende einfach nur erfrischend gut ist. Mir bleibt nur die Verneigung vor der scheinbaren Leichtigkeit und Unverfrorenheit mit der das Album geschrieben und produziert wurde. Sicher nichts fürs Mainstream-Radio, aber musikalisch ein voller Gewinn. Für solche Bands blogge ich.

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Recently Released | How to Destroy Angels – How to Destroy Angels EP

Trent Reznor hat sich ja bereits 2008 eindeutig als Vorreiter von Musikveröffentlichungen im Internet verdient gemacht. Seine damalige Band Nine Inch Nails wurde mittlerweile leider aufgelöst und so stand Mr Reznor vor der Frage: „Was nun?“ Es scheint er hat seine Antwort gefunden und mit seiner Frau Mariqueen Maandig das Trio How To Destroy Angels ins Leben gerufen. Dritter im Bunde ist ein Herr Namens Atticus Ross, den ich namentlich zwar nicht zuordnen kann, der aber offensichtlich schon bei den NIN das ein oder andere Album mit gestaltet hat.

Die EP besteht aus sieben Songs, die allesamt – gegen Registrierung – kostenlos als 320 bit-MP3 heruntergeladen werden können. Eine Covergrafikdatei liegt dem Paket auch bei. Wer eine bessere Audioqualität braucht oder einfach nur dem verständlichen Drang nachgeben will den Künstler nachhaltig zu unterstützen, bekommt für lächerliche Zwei (2!) US$ die ganze Chose auch in FLAC-lossless audio plus Musikvideo. Später soll auch eine CD in die Regale kommen.

Die sechs Songs klingen im Wesentlichen ähnlich wie das Material der NIN, allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, dass die Musik deutlich auf die sanfteren Gefilde der Industrial-/Electronicamucke abzielt und dass der Gesangspart von Frau Maandig bestritten wird; also im Sinne von bewältigt, nicht im Sinne von geleugnet.

Grund zu leugnen gibt’s denn auch keinen. Die sechs Tracks sind ordentlich programmiert und produziert, wie man es von Monsieur Reznor erwarten darf. Die Stimmung ist insgesamt typisch für seine Kompositionen und bewegt sich in den düstereren Gefilden, lässt aber auch immer wieder Hoffnungsschimmer durchleuchten. Kein Grund also, die Pulsadern zu traktieren oder den schnellen Weg von einer Brücke runter zu wählen. (P.S.: Diese Zeile wurde geschrieben, bevor ich das Video gesehen hatte)
Gelegentlich erinnert die Musik ein wenig an ruhige Stücke von Garbage, was aber hauptsächlich der Kombination von Frauenstimme und elektronischer/elektronisch unterlegter Musik geschuldet sein dürfte.

Wirklich neue Wege bestreiten How to Destroy Angels zumindest aus Sicht von Trent Reznor sicherlich nicht. Ein wenig vermisse ich auch den Druck, der den NIN immer so eigen war. Insgesamt ist die EP von HTDA aber gut und sicher auch zwei Dollar wert. Wer das anders sieht muss aber ja nicht außen vor bleiben.

Homepage How to Destroy Angels

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You Asked For It | Holle Mangler – Escape Over Needles

Es ist mal wieder soweit. Nachdem ich mich in letzter Zeit ziemlich erfolgreich darum gedrückt habe “produktiv” Musik zu hören und daher nichts zu schreiben, kann ich mal wieder dem Wunsch eines Künstlers nachkommen, sein Werk zu begutachten.

Diesmal schrieb mich Holger “Holle” Mangler an:

Hallo Benjamin,

ich möchte Dir meinen Sound vorstellen. Nach diversen Veröffentlichungen, Rezensionen und Auszeichnungen (z.B. vom WDR) läuft das aktuellste Album nun unter Creative Commons-Lizenz.
Auf der folgenden Seite steht das Album bereit. Man kann in (streambare) Ausschnitte reinhören sowie einzelne Songs kostenlos herunterladen, oder auch das komplette Album in unterschiedlichen Qualitäten:

http://www.hollemangler.de/escape_over_needles.html

(…)

Viele Grüße

Holger

Also bin ich mal rüber zur Webseite und habe mir das Album gezogen. Holger Mangler macht alleine Musik, der Sound ist klar in Richtung Ambient-Pop/-Rock zu beschreiben. Die 13 Tracks (inklusive Intro und unbetiteltem Outro) sind gänzlich instrumental gehalten und erscheinen mir wie eine Mischung aus Pink Floyd-Sounds und achtziger-Jahre Synthie-Pop. Das das ganze sogar funktionieren kann, beweist Holle Mangler auf seinen 13 Tracks, die allesamt mit viel Bedacht produziert sind. Vorwiegendes Soundelement ist in allen Tracks das Keyboard/der Synthesizer, der mit der nutzbaren Soundvielfalt natürlich für einen Ein-Mann-Act nahezu unverzichtbar ist.

Die Sounds sind meißt recht sphärisch gewählt und werden um allerlei “Gefiepse und Geklirre” ergänzt. Holle Mangler lässt sich Zeit beim Aufbau siener Tracks, dass kann zum Nachteil gereichen, wenn man mal eben schnell reinhören will, ist aber grundsätzlich ausdrücklich zu loben. Hier zieht einer sein Ding durch und relisiert seine Vision eines Stücks. Finde ich wirklich lobenswert. Im Einzelnen die Tracks zu beschreiben ist sinnlos. Hier sollte man einfach mal reinhören.

Mich persönlich stören ein wenig die doch sehr ausufernden Keyboardsounds. Ein bißchen mehr natürliche Klänge hätten dem Ganzen bestimmt gut getan. Des Weiteren, finde ich Musik ohne Gesang immer wieder ein wenig zu langweilig, weil man als Zuhörer keine Möglichkeit hat, die Musik aktiv mitzuerleben (Mitsingen unter der Dusche), das ist aber eine rein persönliche Präferenz. Letzte Kritikpunkt ist dann noch, dass die Musik insgesamt ein wenig zu steif wirkt. Das ist ein Phänomen, dass sich kaum vermeiden lässt, wenn man alleine Musik produziert. Da hat das strenge Taktmaß unbedingt eingehalten zu werden, sonst lassen sich die Spuren letztlich nicht übereinander legen. Bands haben hier den klaren Vorteil, gemeinsam die Stücke erleben zu können und etwas lebendiger zu klingen.

Ansonsten finde ich Escape Over Needles durchaus gut. Die Stücke sind vielfältig im Ansatz und mit viel Hingabe produziert. Escape Over Needles ist kein Rockalbum und passt von der musikalischen Ausrichtung sicher nicht direkt in die Sammlung, die ich bislang sonst so besprochen haben; stellenweise darf man die Tracks einfach als Klangexperimente bezeichnen. Für Menschen, die gerne ein bißchen abseits der hier ausgetrampelten Pfade hören wollen, ist es aber zumindest ein Reinhören wert.

Die Tatsache, das Holle Mangler unter CC-Lizenz veröffentlicht sei hier auch noch lobend erwähnt. Ich finde mehr Musiker sollten endlich diesen Schritt wagen und die Kontrolle über die Verwendung ihrer Stücke in ihre Hand nehmen.

Escape Over Needles

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You Asked For It | The Ninja Stars – The Spirograph Heroes

Eine nette Email erreichte mich vor ein paar Tagen aus Dänemark:

Hi! We are the NiNjA StARS, a Danish duo. We have just finished our debut EP. It is called The Spirograph Heroes. U can listen to it (and download it for free at bandbase!) in its entirity on Myspace. We have been exploring the delights of cheap keyboards, distorted percussion + vox, no reverb & no compressors this time. We haven’t got a clue where we’re going the next time. We arranged, recorded and produced everything in 2 days, putting much effort into catching the restless energy of being spontaneous. We sure had fun. Hope you’ll enjoy & feel free to post the songs, or if you wish, the whole EP for free download on your blog!

Um ganz ehrlich zu sein, fast könnte man nicht mehr dazu schreiben und sagen, als es das Duo der Ninja Stars (man verzeihe mir, dass ich die Groß-/Kleinschreibeakrobatik im Namen missachte) schon selbst getan hat.

Vier Songs hat die Bands auf ihre Debut EP gepackt, und die sind wahrlich nicht wirklich in eine Schublade zu packen. Das kann nur schief gehen. Mein erster Eindruck beim Song Kick out my Teeth war irgendetwas zwischen Nine Inch Nails treffen ihre bösen Zwillinge und nehmen sich dabei nicht ernst. Das ist nicht hilfreich, aber ich habe ja nie behauptet, dass es hilfreich werden würde. Tatsächlich ist der Opener Kick out my Teeth sogar ein kleiner Geniestreich á la Ryan Holiday. Klingt von vorne bis hinten total billig aber doch so strotzend von Kreativität und coolen Einfällen, dass ich mit meiner Liebe zu skuriller Musik nicht wiederstehen kann.

The Spirograph Heroes (der Song) kann da leider nicht mithalten. Hier fehlt mir ein bißchen die humorige Idee, die ordentliche Melodie und die Abwechslung.

Besser wirds wieder mit Dumping Me, Dumping You. Hier kommen auch wieder die bösen NiN-Zwillinge dazu und machen Musik aus der Hölle. Sicherlich nichts was man laufen lassen sollte wenn man gerade romantische Stimmung erzeugen will, aber irgendwie machts trotzdem Laune. Und schnell vorbei ist es auch.

Die letzte Nummer Everyone Goes könnte dann fast von Mugison sein, und das kann man nur als Riesenkompliment sehen. Schräg, ruhig, melancholisch und verzaubernd schön. So darf/muss experimentelle Musik sein.

The Ninja Stars sind wohl eher keine Shooting Stars von morgen, aber für einen kleinen Ausflug zwischendurch ist die Musik wirklich mal was anderes und zeugt von viel Kreativität und Potenzial. Vielleicht, oder eher hoffentlich, folgt ja irgendwann mal ein Album. Das könnte spannend werden. Freunde skuriller Indiemusik sollten auf jeden Fall mal einen Abstecher zur MySpace-Seite wagen, da kann man die komplette EP anhören. Wer sie gleich ganz sein eigen nennen möchte kann sich das Werk auch auf Bandbase.com legal herunterladen.

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