Retrozension | Blur – The Best Of

Blur - The Best Of

In den neunziger Jahren erlebte der Britpop ein unglaubliches Revival. Allen voran standen damals hauptsächlich zwei Bands: Blur und Oasis zankten sich unentwegt um die Legitimation, Britpop-Könige zu sein. Meiner Meinung nach war Blur immer der klare Favorit dieses Scharmüzels.

Ich selbst habe bis dato nie ein ganzes Album der Britpopper aus Colchester. Dennoch war ich immer von der, für Britpop ungewöhnlichen, Vielfalt der bekannten Songs der Band begeistert. Als dann im Jahr 2000 ein Best Of Album erschien, warf ich alle meine Grundsätze bezüglich Best Of Alben über Bord und langte zu. Alle genialen und guten Songs, die Blur bis 2000 geschrieben hatten fanden sich nun auf einer CD, zudem gabs in der Deluxe-Edition noch eine Live-CD dazu.

Was Blur auf ihrem Best Of bieten ist erstaunlich: Die Songpalette reicht von elektronisch über poppig, grungig, rockig bis hin zu gospelig (Ich gebs zu, das Wort hab ich gerade erfunden). Damit verdeutlicht Blurs Best Of genau den markanten Unterschied zum ewigen Konkurrenten Oasis – hier wird mit jedem Album neues ausprobiert, Oasis hingegen schafften es mit jedem neuen Album die immer gleichen Songs neu zu schreiben.

18 Songs sind auf dem Best Of enthalten, und man wird wohl kaum sagen können, dass man irgendetwas vermissen würde: Song 2 Beetlebum, Coffe and TV, Parklife Tender, Girls and Boys, On Your Own … Alles grandiose Songs und freundlicherweise packten Blur mit Music is my Radar sogar noch einen neuen Track auf das Album drauf. Die Zusammenstellung macht durchweg Spaß. Die Vielseitigkeit und Experimentierfreude der Band springt einem quasi in jedem Song direkt ins Gesicht und so beweisen Blur mit ihrem Best Of, dass sie sich rechtmäßig zu den Galleonsfiguren der Britpopbewegung in den 90er Jahren erhoben hatten.  Wer Blur bisher nur am Rande positiv bemerkt haben sollte, kann mit dem Kauf des Best Ofs keinen Fehler machen.

Sehr gute Zusammenstellung, sehr volle CD

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For Your Interest | Arctic Monkeys im Interview

Dank Nicorola Musicblog bin ich auf ein nettes Interview mit Matt Helders und Jamie Cook von den Arctic Monkeys gestoßen. Das ganze ist als Audiostream über National Public Radio (NPR) anzuhören und dauert etwa 10 Minuten. Sozusagen als Zugabe enthalten sind außerdem die Songs
If You Found This, it’s Probably Too Late

Brianstorm

Still Take You Home und
Dancing Shoes

Wer des Englischen mächtig ist und die Arctic Monkeys mag, kann eigentlich nichts falsch machen wenn er/sie mal reinhört. Also, auf den NPR Link klicken und los gehts.

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Retrozension | Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not

Arctic Monkeys - Whatever People Say...Das erste Album der Arctic Monkeys lässt sich im Nachhinein einfach nur als Blockbuster bezeichnen. Die Jungs aus Sheffield stürmten die Charts quasi innerhalb von Stunden. Ihr Debütalbum verkaufte sich am ersten Tag mehr als 118.000 Mal.

Ich selbst habe das Album erst vor ca. einem halben Jahr für mich entdeckt. Erwartungen hatte ich im großen und ganzen eigentlich keine. Ich hatte zwar bereits von der Band gehört, und auch das Albumcover war mir bereits öfter aufgefallen, allerdings konnte ich dem ganzen keine Musik zuordnen. Der Hype um die Band hatte mich ein Stück weit davon abgehalten mich dem Phänomen der Arctic Monkeys zu nähern. Umso überraschter war ich dann nach der ersten Hörprobe von den kraftvollen Songs, die auf Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not zu hören sind.

Es passiert mir äußerst selten, dass sich mir ein Album beim ersten durchhören so stark einprägt. Meist lerne ich Alben erst nach mehrmaligem Hören richtig lieben. Alben, die beim ersten Hören sofort eingängig klingen, erscheinen dagegen nach ein paar Rotationen meist sehr wenig tiefschürfend und wenig bedeutsam. Beides trifft auf das Album der Arctic Monkeys nicht zu. Der Playcount meines iTunes steht mittlerweile jenseits der 50 bei allen Songs des Albums. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die Kürze der Songs und des Albums insgesamt: In weniger als 45 Minuten sind die 13 Songs durchgelaufen, und wenn man – wie ich – ein großer Freund der Repeatfunktion ist, dann kommen da schnell ein paar Duchläufe am Tag zusammen.

Nun zu den Songs: Wie bereits erwähnt finden sich 13 Songs auf dem Longplayer. Diese meist kurzen und immer sehr prägnanten Stücke sind klar ihrer britischen Herkunft zuzuordnen. Das liegt nicht bloß am starken Dialekt des Sängers Alex Turner, auch der Gesamtsound klingt durch und durch nach Britpop. Mir kamen anfangs Bands wie Franz Ferdinand, Oasis und auch Blur in den Sinn, auch wenn diese musikalisch eigentlich kein wirklicher Vergleich sind. Die meisten Rezensionen siedeln den Stil im Punk oder Post-Punk an, was Ich persönlich nicht unbedingt so sehe, dafür ist die Musik einfach zu gut 😉 . Es lässt sich aber nicht abstreiten, dass Punk nicht allzuweit entfernt liegt. Insbesondere der Song Perhaps Vampire Is A Bit Strong, But … beweist diese Verwandschaft.
Einziger wirklicher Ruhepunkt auf dem ganzen Album stellt das kurze Liedchen Riot Van dar. Aber auch andere Songs lassen einen – trotz meist hohem Eigentempo – Ruhe finden. Besonders im letzten Song A Certain Romance können die Gedanken in verhältnismäßig langen Instrumentalparts auf Reise gehen.

Was bei mir besonderen Eindruck hinterließ ist die Tatsache, dass trotz des krachigen Sounds und der teilweise hektischen Lyrics, der Punkt Melodie zu keinem Zeitpunkt zu kurz kommt. Vor allem überraschte mich die Tatsache, dass die Jungs noch so jung sind – eine Tatsache der ich mir erst nach dem Hören bewusst wurde. Man hört zu keinem Zeitpunkt einen Mangel an musikalischer Reife, wie das beispielsweise bei alten Green Day Alben deutlich zu merken ist. Für mich ist Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not eine der großen musikalischen Entdeckungen des Jahres.

Mein Rating:

Rating 5 star

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